Feuerwehr Schnaitsee vor 150 Jahren gegründet: Löschen mit Ledereimern

Die Kommandantschaft aus dem Jahr 1890. Das Bild ist eine der ältesten erhaltenen Aufnahmen.
  • vonJosef Unterforsthuber
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Vor 150 Jahren, am 19. Juni 1870, wurde die Freiwillige Feuerwehr Schnaitsee von 32 Bürgern gegründet. Leider kann dieses Jubiläum wegen der Corona-Krise nicht wie vorgesehen groß gefeiert werden. „

Bereits 1959 hatte sich eine erste Jugendgruppe gebildet: Willi Obermeier, Wast Vogl, Konrad Edlmann, Georg Dettenbeck, Siegfried Hudelist, Thomas Dieplinger (hinten von links) sowie Martin Schäffler, Josef Weber, Erich Heisler und Stefan Reinthaler (vorne von links). Sie posierten vor der selbst gebauten Motorspritze auf Leiterwagen. Unterforsthuber

Schnaitsee – Aber trotzdem ist dieser Tag ein besonderer in unserer Geschichte und ein Tag, um zurück zu blicken auf Meilensteine unserer Wehr“, betonten Vorsitzender Andreas Pichler und Kommandant Siegfried Hudelist beim Gespräch mit der Wasserburger Zeitung im Feuerwehrhaus, das seit 1987 die Heimat der Schnaitseer Wehr ist.

Chronist Neuberger war sehr fleißig

Dass so umfassend auf die Geschichte geschaut werden kann, ist zu einem großen Teil dem Ehrenschriftführer Hubert Neuberger zu verdanken, der in akribischer Arbeit seit Jahrzehnten an der Chronik arbeitet.

Die Gerätschaft der Feuerwehr im Jahr 1908 vor dem neu gebauten Schulhaus, das 1905 entstanden ist.

Sie beginnt mit der Wahl des ersten Vorsitzenden, dem Lehrer Peter Spiegl, und dem Eid, dem sich alle Ehrenmänner in der Gründerzeit unterwarfen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, bei denen den Männern das Aneignen von Hab und Gut der Brandleider vorgeworfen wurde, eroberte sich die Feuerwehr großes Ansehen in der Bevölkerung. Sie wurde und ist es bis heute eine unverzichtbare Institution in jeder Gemeinde – so auch in Schnaitsee.

Erste Ausrüstung: Leder- und Holzeimer

Die erste Ausrüstung, bestehend aus Leder- und Holzeimern, einer kleinen Saug- und Druckspritze, Schläuchen, Schubleitern, Sprungtüchern und Fackeln, wurde vermutlich in den Räumen des Gasthaus Ederer untergebracht. Erst 1927 konnte neben den beiden Schulgebäuden ein eigenes Feuerwehrhaus bezogen werden.

Eine Votivtafel vom großen Brand 1903.

Die Alarmierung übernahmen damals die Kirchenglocken. Wenn es in Schnaitsee brannte, wurde mit sämtlichen Glocken geläutet. Bei auswärtigen Brandfällen wurde im Norden mit der Wetterglocke, im Süden mit der 12er-Glocke, im Osten mit der großen Glocke und im Westen mit der 11er-Glocke geläutet. Da kann man sich das Dauerläuten am 30. März 1903 vorstellen. Denn die Schnaitseer Ortsmitte brannte! Durch fahrlässige Brandstiftung beim Neuwirt brannten auch der Ballaufhof, das Aueranwesen und der Turm der Elisabethkirche ab. 16 Feuerwehren verhinderten, dass das ganze Dorf mitsamt der Pfarrkirche in Flammen aufging. Weitere bemerkenswerte Brandfälle in der Chronik sind unter anderen 1890 der Brand der Dampfsäge in Loibersdorf, 1931 der Brand des Gasthofs „Zur Post“, 1959 der Brand im Löw-Bauernhof und 1967 der erneute Brand, diesmal im Wirtschaftsgebäudes beim Gasthof „Zur Post“.

Alarmierung mit Kirchenglocken

Insgesamt sind rund 230 Brandfäller in der Chronik bis jetzt festgehalten. In all den Jahren wurde die Ausrüstung der Wehr immer dem neuesten technischen Stand angepasst. 1962 kam der erste Tanklöschwagen. Moderne Spritzen, Löschgruppenfahrzeuge und zuletzt 2017 der gewünschte und benötigte „Geräte Wagen L 2“.

Aber bei aller Ausrüstung stehen die Aktiven ganz vorne in der Bedeutung. Sie haben sich seit 150 Jahren dem Wahlspruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ verpflichtet und setzten Leib und Leben im Dienst für die Mitbürger ein.

Erst 1947 normalisierte sich das Feuerwehrleben wieder

Schwierig war das etwa im Dritten Reich. Statt Übungen folgten Dienstappelle. Die Vorstandschaft wurde abgesetzt. Unter den Eintragungen hieß es „Mit einem dreifachen Sieg Heil beschloss der Oberbrandmeister den Appell“. Erst 1947 normalisierte sich das Feuerwehrleben wieder. Im Oktober 2002 wurde nach vermehrten Anfragen eine Jugendfeuerwehr ins Leben gerufen. Der heutige Kommandant Siegfried Hudelist und Georg Köhldorfner wurden Jugendwarte.

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Zu dieser Zeit traten auch mit Carina Seidl und Monika Gmeindl die ersten Frauen in die Wehr ein. Die Aus- und Weiterbildung wird seit jeher sehr groß geschrieben, noch dazu, da sich die Tätigkeiten nicht mehr nur auf Brandfälle beschränkten, sondern die technischen Hilfeleistungen immer mehr in den Vordergrund traten. Der Umgang mit Spreizer und Rettungsschere wurde zur Normalität.

.Chronist Hubert Neuberger zieht ein Fazit: „Eines ist über 150 Jahre gleich geblieben: Der unermüdliche Einsatz der Feuerwehrleute für die durch Brand oder sonstiges Unglück in Not geratenen Mitbürger. Dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern.“

2002 treten erste Frauen in Wehr ein

Auch Schnaitsees Bürgermeister Thomas Schmidinger freut sich über das „stolze Jubiläum“. Auch wenn coronabedingt nicht gefeiert werden kann, will er allen seinen „großen Dank aussprechen, für die vielen Stunden unermüdlichen Einsatzes die, in den vergangenen Jahrzehnten für das Gemeinwohl erbracht wurden“. Diese Stunden seien ehrenamtlich und selbstlos geleistet worden. Nicht wenige Anlässe habe es gegeben, die gezeigt haben, wie dringend notwendig die Institution „Feuerwehr“ für die Gesellschaft sei. „Eine Feuerwehr steht für Kameradschaft, Zusammenhalt und Teamwork. Gerade im Feuerwehreinsatz muss sich jedes Truppenmitglied auf den anderen verlassen können. Am wichtigsten ist es jedoch, aus jedem Einsatz wieder gesund nach Hause zu kommen.“

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