Archivalien zur Feuerwehrgeschichte

Feuer- und Turmwacht für Brandschutz

Ausschnittaus Siemens Werbung für elektrische Motorsirene, Druck, Papier, 1933. Stadtarchiv Wasserburg
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Ausschnittaus Siemens Werbung für elektrische Motorsirene, Druck, Papier, 1933. Stadtarchiv Wasserburg

Entstand früher ein Feuer und breitete es sich großflächig aus, war man mit dem Löschen von Hand weitgehend hilflos. Prävention und Früherkennung waren daher umso wichtiger.

Wasserburg – Bauvorschriften, die dem Feuerschutz dienten, wurden durch häufige Stadtbrände des Mittelalters befördert. Der städtischen Bauverwaltung zugeordnet waren die Feuerpolizei und das Löschwesen. Die Überwachung der Feuersicherheit war spätestens seit der Frühen Neuzeit städtische Aufgabe. Dies ist archivalisch belegt durch einige Feuerbeschau-Register, die seit 1544 erhalten sind.

Feuerbeschauer prüften Herde und Kamine auf Sicherheit

Bei der Feuerbeschau wurden Herdstellen und Kamine auf Feuersicherheit geprüft. Dabei wurde jedes Wasserburger Haus begangen. Diese Aufgabe war auf die vier Stadtbezirke aufgeteilt, nämlich das Scheibenviertel, das Salzsenderviertel, das Schmidzeilviertel und das Ledererviertel. Für jedes Viertel waren zwei Personen zuständig. Missstände wurden dem Rat und dem Stadtbaumeister angezeigt. Bei Mängeln wurde Abhilfe geschaffen. So musste zum Beispiel Cristoff Khopp im Jahr 1564 bestätigen, dass er seine Nagler-Werkstatt wegen Brandgefahr stilllegt.

Für die Feuersicherheit der Stadt war das Amt der Türmer, die über Brandausbrüche zu wachen hatten und bei Feuergefahr die Feuerglocke läuteten, äußerst wichtig. Aus dem Jahr 1823 ist eine Ordnung erhalten, die genaue Auskunft über die Aufgaben gibt. Dort heißt es unter anderem: „Die Feuer- oder Turmwache hat die Stadt und die Umgegend fortwährend nach allen Seiten und Richtungen zu beobachten, um einen entstehenden Brand sogleich entdecken, und ihn auf geeignete Weise bekannt machen zu können. Für dieselbe sind eigene Localitaeten auf dem Frauen- oder Wachtthurm bestimmt und zwei Individuen bestellt, von welchen der Thürmer Xaver Heiner oder ein anderes von ihm mit Genehmigung der Policeybehoerde benanntes Subject von morgens 6 bis inclusive 6 Uhr Abends und der für die Thurmwache gesetzte Nachtwächter Sebastian Geigenberger von abends 6 Uhr bis morgens 6 Uhr auf dem Thurm gegenwärtig seyn müßen. Dabey wird besonders festgesetzt, daß keiner der benannten Wächter, eher den Thurm verlassen darf, bis der zur Ablösung bestimmte 2te Wächter daselbst vorhanden ist. Bey einem im Burgfrieden und auf der Burg entdeckten Brande gibt der Wächter durch ein nach der Größe der Gefahr stärkeres oder schwächeres Anschlagen an die besonders benannte Feuerglocke und hängt bei Tag einen roten Fahnen und bey Nacht eine Laterne mit einem brennenden Lichte nach der Gegend des Brandes aus. Bloße Brände in den Kaminen werden durch einzelne in weiten

Absätzen zu geschehende Glockenstreiche angedeutet. Bey einem sich zeigenden bloßen Verdacht eines allenfalsigen Brandes, zum Beispiel ungewöhnlich großen Rauch, hat der gegenwärtige Thurmwächter sogleich auf die vorübergehenden oder zu Nachts auf die Nachtwächter zu rufen, ihnen seine Beobachtungen zu eröffnen und sie aufzufordern der Feuer Commision und den Hauseigenthümern zur Nachsicht die schnellste Anzeige zu machen.“

Der letzte Wasserburger Stadttürmer Johann Baptist Stein, bei seinem Dienstantritt 1880 noch auf die Türmerordnung von 1823 vereidigt, wurde bereits zwei Jahre später, „wegen Erledigung der Stadttürmerstelle“, in den Ruhestand versetzt. Die Alarmierung wurde nun durch eine technische Auslösung der Turmglocke ersetzt, deren genaue Funktion nicht überliefert ist.

1910 vom Verwaltungsrat der freiwilligen Feuerwehr beschlossen und von der Stadt Wasserburg finanziell unterstützt, installierte man zusätzlich eine aufwendige elektrische Feuermelde- und Alarmanlage der Firma Zettler, welche die einzelnen Feuerwehrmänner durch in Schleife geschaltete Alarmwecker direkt in ihren Wohnungen alarmierte.

Vorteil dieser Alarmierung war, dass der Alarm direkt bei den Hilfeleistenden auflief und nicht in jedem Fall die gesamte Bevölkerung durch Glockenalarm in Unruhe versetzt werden musste. 1933 wurde der Turmglockenalarm am Stadtpfarrkirchturm durch eine Motorsirene ersetzt.

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