Wegen Corona: Festverein sagt Haager Herbstfest ab – und ärgert sich über den Gemeinderat

Heuer fährt der Autoscooter in Haag nicht: Über die Festabsage sind nicht nur die Kinder betrübt. Günster
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Heuer fährt der Autoscooter in Haag nicht: Über die Festabsage sind nicht nur die Kinder betrübt. Günster
  • Heike Duczek
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  • Ludwig Meindl
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2019 hatte es nur ein Haager Herbstfest light gegeben, 2020 sollte wieder groß gefeiert werden, doch daraus wird nichts: Auch das Haager Herbstfest ist jetzt abgesagt. Der neu gegründete Festverein übt Kritik an der Gemeinde. 

Haag – Das Haager Herbstfest hätte vom 18. bis 27. September stattfinden sollen. Kaum jemand hatte nach der Verlängerung des Versammlungsverbots bis zum 31. August mit der Durchführung knapp zwei Wochen später gerechnet. Trotzdem hatte sich der Festverein gewünscht, dass er bei der offiziellen Absage gemeinsam mit der Gemeinde an die Öffentlichkeit hätte gehen können – so wie in München, „wo Ministerpräsident Söder (CSU) und Oberbürgermeister Reiter (SPD) parteiübergreifend geeint vor die Presse traten, um das schmerzvolle Aus für das Oktoberfest 2020 zu verkünden“.

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Dass in Haag der Punkt Herbstfest von der Agenda des Ferienausschusses genommen wurde, ohne den hierfür eigens gegründeten Verein zur Sache zu hören, stößt bei den Mitgliedern auf scharfe Kritik. „Eine vergebene Chance in schwierigen Zeiten“, sagt der Vorsitzende des Festvereins, Dr. Stephan Dörfler. Eine knappe Mehrheit der anwesenden Gemeinderäte mit Bürgermeisterin Sissi Schätz hätte in der Sitzung des verkleinerten Krisengemeinderates die Gelegenheit für ein wichtiges Signal an die Bevölkerung verpasst.

Die Bürgermeisterin und die Gemeinderäte Dr. Wolfgang Weissmüller, Josef Hederer, Eva Rehbein und Egon Barlag hätten „ganz bewusst die Chance ausgeschlagen, Verantwortung in dieser schwierigen Zeit zu übernehmen und gemeinsam mit dem Verein das Haager Herbstfest 2020 abzusagen“, ärgert sich Dörfler.

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Die Vorstellung des erst am 22. Februar gegründeten Haager Festvereins in dieser Gemeinderatssitzung sei schon lange geplant gewesen. „Die Zielsetzung war, die kommunale Unterstützung für den Festverein und das Herbstfest abzustimmen. Vom Verein wurde ein Kostenkonzept erarbeitet, das die im Herbst in der Presse 2019 genannten Kosten deutlich gesenkt hätte“, erläutert der Vorsitzende. Bereits im März habe der Verein wegen der Corona-Krise eine gewährte Abschlagszahlung der Gemeinde zurücküberwiesen. In der Gemeinderatsitzung hätten nun die Weichen für eine Zeit nach der Krise gestellt werden sollen. „Dass die Schaffung einer Perspektive ratsam ist, zeigen die derzeitigen Bemühungen der Politiker aller Lager, den Schaden für das ausgefallene Oktoberfest in München zu begrenzen. Sicher ist ein Vergleich mit dem Oktoberfest gewagt, aber während man sich in München der wirtschaftlichen Bedeutung der Wiesn bewusst ist, sprechen in Haag einige Gemeinderäte dem Herbstfest sogar jegliche wirtschaftliche Bedeutung ab. Das ist nicht nur ein Schlag in das Gesicht derjenigen, die das Fest in der Vergangenheit mit viel Liebe und Engagement aufgebaut haben, sondern auch in das der Handwerksbetriebe, Brauereien sowie der über 400 Beschäftigten, die direkt oder indirekt am Herbstfest mitwirken. Von den Besuchern und der Kaufkraft, die das Fest in den Ortskern nach Haag bringt, ganz zu schweigen“, heißt es in der Pressemitteilung des Festvereins.

Klares Signal der Gemeinde gefordert

Nachdem eine große Auftaktveranstaltung des Vereins aufgrund der Krise entfallen musste, waren nach Informationen von Dörfler bereits einzelne Impulse geplant gewesen, die die Menschen in dieser Zeit aufmuntern und gleichzeitig in den Ort locken sollten. Für den Einzelhandel in Haag wäre das aktuell dringend nötig und würde über die Region hinaus Anerkennung für die gute Zusammenarbeit von Gewerbe, Vereinen und Kommune in Haag bringen, ist der Vorsitzende überzeugt.

So diskutierte der Haager Gemeinderat

„Leider geht das ohne eine ideelle und für die Ausrichtung des Festes dann auch finanzielle Unterstützung nicht.“ Eine aktive Vereinstätigkeit und Mitgliederaufnahme werde erst wieder erfolgen, wenn es von der Gemeinde ein klares, positives Signal gegeben habe, dass das Haager Herbstfest auch weiterhin gewünscht sei, betont Vorsitzender Dörfler abschließend.

Der Festverein hatte einen Antrag auf Defizitübernahme durch die Gemeinde gestellt. Der Ferienausschuss vertagte mit dem Argument, es gäbe momentan Wichtigeres und keiner wisse, wie sich die finanzielle Lage der Gemeinde entwickeln werde.

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Schon bevor der „Ferienausschuss“ des Haager Gemeinderats im Bürgersaal so richtig in die Diskussion über Gewähren oder Versagen eines Zuschusses einsteigen konnte, stellte Zweiter Bürgermeister Dr. Wolfgang Weißmüller (PWG) den Antrag, den Punkt zu vertagen. Momentan gebe es wichtigere Themen.

Dem widersprach Dritter Bürgermeister und Festwirt Herbert Zeilinger (WFH), der die Diskussion von Möglichkeiten für das Fest einforderte. Schon heute seien Entscheidungen für das Jahr 2021 zu treffen. Dafür fand Eva Rehbein (SPD) kein Verständnis: „Wir haben jetzt andere Prioritäten als den Zuschuss für ein Fest.“ Dieses Thema dürfe momentan ruhig „ad acta gelegt werden“. Es gelte vielmehr, Haager Unternehmen und Geschäftsleuten in der wirtschaftlichen Krise zu unterstützen. Egon Barlag (Freie Wähler) befürchtete für die nahe Zukunft aufgrund der allgemeinen Lage geringere Einnahmen für die Gemeindekasse, da auch weniger Steuern anfallen würden. Jetzt solle das Gremium andere Aufgaben aufnehmen.

Sissi Schätz: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“

Für eine Anhörung des Festvereins appellierte trotzdem Baureferent Stefan Högenauer (CSU). Die Abstimmung ergab mit fünf gegen vier Stimmen die Vertagung des Punktes.

„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, kommentierte Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD). Sie hatte den Antrag vorgelegt, in dem der „Haager Festverein“ die Übernahme des Defizits aus der Ausrichtung des Haager Herbstfestes für die kommenden drei Jahre 2020 bis 2022 beantragte. Auf die Zusage durch den Gemeinderatsbeschluss vom Januar, das Fest zu unterstützen, habe sich der Festverein gegründet und inzwischen seine Arbeit aufgenommen, so Schätz.

Dabei hatte der Verein errechnet, dass „ein Herbstfest im normalen Rahmen“ wohl 116.000 Euro an Ausgaben hervorrufe. Diese Kosten wolle man aus Einnahmen an Mitgliedsbeiträgen und Werbung reduzieren, aber von der Gemeinde abgesichert sehen. Generell gelte: „In dieser durch die Corona-Pandemie bedingten besonderen Situation kann der Markt Haag keine verlässlichen Aussagen über die Entwicklung der eigenen Gemeindefinanzen, insbesondere über das laufende Haushaltsjahr hinaus treffen“, hieß es im Beschlussvorschlag der Verwaltung. Es bestehe jedoch ein großes gemeinsames Interesse, das Herbstfest den Bürgerinnen und Bürgern so schnell wie möglich wieder anzubieten.

Das sagt die Bürgermeisterin

„Wir haben den Punkt nur vertagt, den Antrag des Festvereins nicht abgelehnt“, sagt Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD). Mehrheitlich sei das Gremium nicht bereit gewesen, in dieser verkleinerten Zusammensetzung und „in diesen Krisenzeiten“ über Finanzierung und Konzept eines Festes zu beraten, das heuer nicht stattfinden könne. Diese Entscheidung obliege dem neuen Gemeinderat – auch angesichts der Tatsache, dass der Ferienausschuss nur über dringliche und unaufschiebbare Themen beraten solle und die Entwicklung der Gemeindefinanzen derzeit noch nicht absehbar sei. Der Grundsatzbeschluss, den Festverein bei der Organisation zu unterstützen, stehe jedoch. „Wir alle wollen das Haager Herbstfest. Nur wir müssen auch abwarten, wie sich die Rahmenbedingungen für Großveranstaltungen angesichts Corona entwickeln.“

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