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PROJEKT FÜR DIE ARTENVIELFALT

Felix, Basti und Olaf: Schottische Hochlandrinder grasen in Amerang für den Naturschutz

Felix, Basti und Olaf beim Erkunden der neuen Umgebung. Die drei Jungbullen sind für die Beweidung in unwegsamen Gelände bestens geeignet. sie den Bewuchs kurz und lassen im Lauf der Zeit eine biodiverse Weidefläche entstehen.Auer
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Felix, Basti und Olaf beim Erkunden der neuen Umgebung. Die drei Jungbullen sind für die Beweidung in unwegsamen Gelände bestens geeignet. sie den Bewuchs kurz und lassen im Lauf der Zeit eine biodiverse Weidefläche entstehen.Auer
  • VonChrista Auer
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Naturschutz und Landwirtschaft gehen Hand in Hand – was künftig auf einer Streuwiese im Ameranger Moos wächst, dafür sind ab sofort Felix, Basti und Olaf mitverantwortlich. Die drei Schottischen Hochlandrinder grasen für die Naturschutz.

Amerang – Die drei Schottischen Hochlandrinder haben auf der 2,44 Hektar großen Fläche inmitten des Halfinger Freimoos den Sommer über Quartier bezogen und sind damit Teil einer Naturschutzmaßnahme, die die Gemeinde Amerang aktuell in Zusammenarbeit mit einem hiesigen Landwirt, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Landschaftspflegeverband Rosenheim umsetzt.

„Artenvielfalt durch Beweidung“ lautet das Schlagwort. Und hier kommen Felix, Basti und Olaf ins Spiel, denn die Schottischen Hochlandrinder sind für die Beweidung in unwegsamen Gelände bestens geeignet.

Highlands sind anspruchslos und robust

Landwirt Markus Warmedinger hat die drei Jungbullen aus seiner Herde ins Ameranger Moos umgesiedelt. Und die fühlten sich bei wechselhaftem Aprilwetter in ihrer neuen Umgebung gleich sichtlich wohl. Sofort nachdem sie ihr Transportgatter verlassen hatten, machten sie sich neugierig auf Erkundungstour.

„Highlands sind anspruchslos und robust. Sie sind das ganze Jahr über im Freien zu halten, kommen ohne Kraftfutter und saftige Weiden aus und sind in ihre Futterauswahl wenig wählerisch“, erklärt der Landwirt, der seit sechs Jahren Erfahrung mit Hochlandrindern gesammelt hat. Mit ausreichend Trinkwasser versorgt, grasen seine drei Jungbullen nun imAmeranger Moos auch verbuschte oder schwer zugängliche Flächen ab und fungieren dabei als Landschaftspfleger.

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Denn die „Highlands“ sind leicht und kommen deshalb beispielsweise auch in Feuchtgebieten gut zurecht, ohne die Grasnarbe zu zerstören. So halten sie den Bewuchs kurz und lassen im Lauf der Zeit eine biodiverse Weidefläche entstehen. Ihre Trittmulden bieten den Nährboden für Wildpflanzen, Kräuter und Insekten.

Die Wissenschaft ist interessiert

„Durch den Dung der Tiere und den Tritt entstehen kleinteilige Bodenstrukturen, die von bestimmten Insektenarten wie Käfer, Fliegen, Schmetterlinge, Ameisen usw. angenommen werden. Dadurch werden wiederum weitere Tierarten – beispielsweise Insekten und zahlreiche Vogelarten angelockt oder Samen verteilt, sodass sich der Artenreichtum erhöht“, erklärt Gaby Mückenberg vom Landschaftspflegeverband.

Der bisher artenarme und schwer zu mähende Pflanzenbestand könne somit spürbar aufgewertet werden. „Es ist spannend, wie sich die verschiedenen Strukturen verändern werden“, findet Biodiversitätsberater Jonas Garschhammer, der das Projekt wissenschaftlich begleitet. Die Erkenntnisse würden in weitere Programme miteinfließen.

Das Ökosystem Streuwiese

Ein Großteil des Halfinger Freimoos war Anfang des 19. Jahrhunderts noch Allgemeinbesitz (daher: Freimoos). Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erste Pläne zur systematischen Entwässerung des Freimooses erstellt, um die Gefahr jährlich wiederkehrender Hochwasser zu bannen und um Kulturland zu gewinnen.

Anfang des 20. Jahrhunderts begann mit einem umfangreichen Entwässerungssystem die Absenkung der Seespiegel. Die trockengelegten Flächen wurden teilweise abgetorft, aufgeforstet oder im Niedermoorbereich als Streuwiesen und Weideflächen genutzt.

Äußerst artenreiche Lebensräume

Um strohiges Material zu erhalten, wurden die Wiesen spät gemäht und nicht gedüngt. Im Gegenzug lieferte die Einstreu aus den Tierställen wertvollen Dünger und Humus für die Äcker. Zudem wurden die nicht allzu feuchten Bereiche auch beweidet.

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Durch diese sehr extensive Nutzung entstanden äußerst artenreiche Lebensräume, welche einer Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten bis zum Herbst genug Zeit ließ, sich zu entwickeln und fortzupflanzen. Eine Streuwiese kann bis zu 100 Pflanzenarten aufweisen, darunter Orchideen und Enziane, Wiesenbrüter können hier ungestört ihre Jungen großziehen, Vögel und andere Kleintiere profitieren vom Insektenreichtum auf extensiv beweideten Flächen.

Beim Auftrieb der Schottischen Hochlandrinder herrschte im Ameranger Moos noch richtiges Aprilwetter: Birgit Höra (links), Untere Naturschutzbehörde, Bürgermeister Konrad Linner und die kleine Annalena Warmedinger waren dabei.

Durch Änderungen in der Landwirtschaft war das Einstreu nicht mehr gefragt, die Flächen wurden nicht mehr genutzt und begannen zu bewalden bzw. wurden entwässert und intensiviert.

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Heute sind nur noch etwa. fünf Prozent der ursprünglichen Moore übrig. Um sie zu erhalten, werden Landschaftspflegemaßnahmen mit staatlichen Fördermitteln in Form von biotopfördernder Beweidung und Mahd in Absprache mit den Eigentümern durchgeführt.

Ein weitgehend intakter nicht abgebauter Hochmoorbereich findet sich heute noch im Bereich des Wölkhamer Sees. Rund um den Zillhamer und Ameranger See finden sich ausgedehnte Streuwiesenlebensräume, die dank umfangreicher Landschaftspflegemaßnahmen noch eine Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten aufweisen. In den Feuchtgebüschen und Auwäldern fühlt sich der Biber wohl und mit viel Glück sieht man einen Schwarzstorch seine Kreise ziehen.

Neue Wege beim Thema Ausgleichsflächen führten Amerang ins Halfinger Freimoos

Die Gemeinde Amerang besitzt 197 Hektar Fläche im Halfinger Freimoos. Sieben Hektar sind Mäh- und Weideflächen. Den größten Anteil der 590 Hektar großen Gesamtfläche besitzt die Gemeinde Halfing. Eine Restfläche liegt im Schonstetter Gemeindegebiet. Der Zillhamer- und der Ameranger See gehören zu Amerang. Vor allem die Gemeinde Amerang hat in dem Landschafts- und Naturschutzgebiet in den vergangenen Jahren häufig Hand angelegt.

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Im Zuge der Entwicklung des Gewerbegebiets Grünhofer Feld gab es erstmals Überlegungen, in puncto Ausgleichsflächen neue Wege zu gehen. Auch weil die Grundstückseigentümer nicht mehr zum Verkauf weiterer landwirtschaftlich nutzbaren Flächen bereit gewesen seien.

Amerang fördert ökologische Entwicklung

„Die Gemeinde Amerang hat sich bewusst dafür entschieden, zielgerichtet Flächen für Ökomaßnahmen zu sichern, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden“, erklärt Bürgermeister Konrad Linner. Die geeigneten Flächen lägen häufig im Landschaftsschutzgebiet und lohnten sich aufgrund ihrer Lage nicht für die Erwerbslandwirtschaft.

Für die Gemeinde seien sie aber mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand wirkungsvoll für eine ökologische Entwicklung geeignet. Es werde versucht, diese Flächen mit entsprechender Pflege wieder einer ökologisch vertretbaren extensiven landwirtschaftlichen Nutzung zuzuführen.

Das aktuelle Beweidungsprojekt sei insoweit als guter Weg zur Umsetzung dieser Ziele zu sehen, so Linner. Auch private Grundstückseigentümer würden mit ihren Grundstücken diese Entwicklung mittragen.

19 ökologische Maßnahmen machen Amerang zum Hotsport der Artenvielfalt

Für das aktuelle Beweidungsprojekt habe beispielsweise eine Eigentümerin ihr innerhalb der Fläche liegendes Grundstück zur Verfügung gestellt und sogar die anteiligen Kosten der Einzäunung übernommen. „Die Aufgabe des Naturschutzes wird zunehmend auch von den Menschen wahrgenommen wird“, freut sich der Bürgermeister.

Mittlerweile seien im Halfinger Freimoos unter Ameranger Regie 19 ökologischen Maßnahmen mit einer Gesamtfläche von 13,4 Hektar umgesetzt worden. Eine so große zusammenhängende und unterschiedlich genutzte Fläche mit Seen, Gehölzen, Nieder- und Hochmoorgebieten biete einzigartige Möglichkeiten für gebündelte Naturschutzmaßnahmen, betont Birgit Höra von der Unteren Naturschutzbehörde.

„Hier ist ein im Landkreis Rosenheim einzigartiger Hotspot der Artenvielfalt mit vielen verschiedenen Biotopen entstanden“, freut sie sich.

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