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Jetzt sind die Juristen gefragt

Farbstreit ums Gewandhaus Gruber geht weiter: Droht jetzt ein Zwangsgeld?

Unsere Fotomontage zeigt links die Originalansicht des Gewandhauses Gruber. Die Behörden beanstanden den Schriftzug und die Farbgestaltung des Wasserburger Traditionsgeschäfts. Das rechte Bild zeigt, wie die Innfront des Gewandhauses Gruber aussehen würde ohne den Werbeschriftzug. Der Kreis zeigt das Problem beim Treppengiebel, der farblich wie durchgeschnitten aussieht.
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Unsere Fotomontage zeigt links die Originalansicht des Gewandhauses Gruber. Das rechte Bild zeigt, wie die Innfront des Gewandhauses Gruber aussehen würde ohne den Werbeschriftzug. Der Kreis zeigt das Problem beim Treppengiebel, der farblich wie durchgeschnitten aussieht.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Bis Ende 2022 hätte das Gewandhaus Gruber den Werbeschriftzug an der frisch sanierten Innfassade entfernen müssen. Nicht nur das ist nicht geschehen. Warum und wie der Farbstreit 2023 weitergeht.

Wasserburg - Die Farben: zu intensiv, der Schriftzug: nicht genehmigt. Das war die Ausgangslage Ende 2022 beim Wasserburger Farbstreit. Das Landratsamt als Bauaufsichtsbehörde forderte das Gewandhaus Gruber auf, die frisch sanierte Fassade zum Inn erneut und anders zu streichen und die Werbeanlage zu beseitigen. Mit großem Interesse verfolgen die Wasserburger, wie es weitergeht. Jetzt, Mitte Januar, fragen viele Leser, selbst die vielen, die die neue Gestaltung begrüßen: Bleibt es so oder bessert Gruber noch nach - und was, wenn nicht?

Laufendes Verfahren

„Das Kreisbauamt hatte den Bauherren mehrfach die Möglichkeit eingeräumt, die Werbeanlage freiwillig bis Jahresende zu beseitigen sowie die Fassadenfarbe in dem mit den Behörden abgestimmten Farbton zu streichen. Dies ist bislang nicht geschehen. Das Kreisbauamt hat dies zur Kenntnis genommen und prüft nun das weitere Vorgehen, auch bezüglich einer förmlichen und zwangsgeldbewehrten Beseitigungsanordnung für den Bauherren“, schreibt die Pressestelle des Landratsamtes Rosenheim auf Anfrage der Wasserburger Zeitung. Nähere Details zu Fristen und Hintergründen könnten aufgrund des laufenden Verfahrens zum aktuellen Zeitpunkt nicht mitgeteilt werden, heißt es weiter.

Von einem „schwebenden Verfahren“ spricht auch Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann. Die Entscheidung, wie die Stellungnahmen zum Fall, die vorliegen würden, zu bewerten und die unterschiedlichen Interessen abzuwägen seien, liege allein beim Landratsamt als Unterer Denkmalschutz- und Bauaufsichtsbehörde.

Das sagt Gewandhaus-Chef Leopold Gruber

Leopold Gruber, Geschäftsführer des Traditionsgeschäfts, sieht sich weiter im Recht: „Mittlerweile wird die Sachlage juristisch geklärt. Wir hoffen nach wie vor auf eine gütliche und vernünftige Einigung mit dem Amt.“ Das Modehaus bedauere die ungeklärte Situation beziehungsweise die Auseinandersetzung mit dem Denkmalschutzamt.

Das Unternehmen sei jedoch überzeugt, „dass unsere Ausführungen der Renovierung fachlich und historisch sowohl in Farben wie auch in Form korrekt sind“. „Über das Recht müssen wir leider streiten, aber gefühlt haben wir die Herzen der Wasserburger und die Schönheit hinter uns.“ Gruber ist sich sicher, dass die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hinter der Fassadengestaltung stehe. „Wir sind dankbar für die überwältigend positive Resonanz, die wir auf die Renovierung unseres Wasserburger Gewandhauses bekommen haben.“ Und: „Über den Geschmack eines jeden Einzelnen lässt sich natürlich streiten.“
 

Das sagt das Landesamt für Denkmalpflege

Es geht jedoch nicht um eine Geschmacksfrage, ist aus der Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege herauszulesen. Es verweist auf Anfrage der Redaktion darauf, dass „das Altstadtensemble Wasserburg ein herausragendes Stadtdenkmal“ darstelle. Bei der Fassadengestaltung sei besondere Sensibilität gefragt. Und beim Anstrich von Bürgerbauten gehe es weniger um „falsche“ oder „richtige“ Farben. Schließlich habe sich die Farbigkeit der Gebäude über die Jahrhunderte hinweg immer wieder verändert, in vielen Fälle lasse sich ein „Idealzustand“ nicht mehr bestimmen. „Allerdings sollte bei Bauten mit besonders ortsbildprägender oder stadtgeschichtlicher Bedeutung sowie mit besonders schlüssiger, historischer Befundlage versucht werden, möglichst nahe am historischen Erscheinungsbild zu bleiben, auch mit Rücksicht auf die benachbarten Gebäude und damit auf das Gesamtbild der historischen Stadtkulisse.“

Treppengiebel wirkt wie durchgeschnitten

In Bezug auf die Farbenwahl gehe es in Wasserburg also vor allem darum, den Gesamteindruck und ein gewisses Gleichgewicht zu wahren. Dies sei beim neuen Anstrich der Innfront des Gewandhauses Gruber nicht gelungen. Denn die vergleichbaren Nachbarbauten seien überwiegend in zurückhaltenden Farben gestrichen. Aus Perspektive der Denkmalpflege sei es „schon schwierig“, dass diese benachbarten Gebäude als Folge der neuen intensiven rot-rosa Farbgebung der beiden Gewandhaus-Bauten hinter diesen zurücktreten würden.

Was dem Landesamt für Denkmalpflege ebenfalls sauer aufstößt: dass sich die Farbgebung der Gewandhaus-Gebäude nicht an den Gebäudeformen orientiert. In der Tat ist ein Giebel nur zur Hälfte neu gestrichen worden, er wirkt wie durchgeschnitten, finden Kritiker. Es würden in der Tat quasi die Eigentumsverhältnisse „farblich markiert“, bemängelt das Landesamt für Denkmalpflege . „Dass der Eigentümer einen Treppengiebel zur Hälfte rosa hat streichen lassen, stört das ursprüngliche Erscheinungsbild der Stadtfront“, so Pressesprecherin Juliane Grimm. „Aus denkmalfachlicher Sicht wäre es darum wichtig, dass der Treppengiebel mit den beiden im Osten anschließenden gleichartigen Giebeln auch farblich wieder eine Einheit bildet.“

An der farblichen Gestaltung des Gewandhauses zur Stadtinnenseite gibt es übrigens auch aus Sicht des Denkmalschutzes keine Kritik: Hier leuchten die sogenannten „Geisterfallen“, Romben in Schwarz, Braun und Gelb, wieder intensiv frisch. Das dürfen sie, denn es wird unterschieden zwischen der Innfront, der Rückseite, und der Stadtfassade, also der Prachtansicht.

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