Falscher Öl-Alarm am Staudhamer See – warum ein aufgelöster Badeplatz zum Himmel stinkt

Badeidylle mit Sandstrand: Auf Staudhamer Seite gibt es den offiziellen Badeplatz jedoch schon seit 2015 nicht mehr.Weithofer
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Badeidylle mit Sandstrand: Auf Staudhamer Seite gibt es den offiziellen Badeplatz jedoch schon seit 2015 nicht mehr.Weithofer
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Eine übel riechende Flüssigkeit vergrault derzeit Badenden das Vergnügen im Staudhamer See. Am Ufer eines 2015 aufgelösten Badeplatzes tapsten Erholungssuchenden in ölige, klebrige Batzen im Gras. Doch es handelt sich um keine Umweltsünde – im Gegenteil.

Wasserburg – „Wer verschmutzt den Zugang zum See derart? Eine bodenlose Frechheit ist das“, findet Wolfgang Tauber. Der pensionierte Leiter des Rosenheimer Schulamtes schwimmt hier regelmäßig in aller Früh. Am Samstag ist der Edlinger in die Flecken hineingestiegen – und musste lange schrubben, bis Füße und Schuhe wieder sauber waren. Außerdem fiel ihm der Gestank der Flüssigkeit auf: Er erinnert ihn an Geräuchertes.

Duftstoff soll das Wild vergrämen

Betroffene haben sich deshalb an die Wasserburger Zeitung und an die Polizeiinspektion (PI) Wasserburg gewandt. Der zuständige Sachbearbeiter der PI, Werner Fröwis, schaute sich vor Ort um – und gibt Entwarnung: Es handelt sich nicht um eine Umweltsünde, sondern um ein Wildlock- oder Wildvergrämungsmittel, das aufgetragen wurde. Der ölige Duftstoff werde eingesetzt, um beispielsweise Reh- und Schwarzwild davon abzuhalten, sich an jungen Bäumen schadlos zu halten.

Polizei: „Ordnungsgemäße Jagdausübung“

Im betroffenen Gebiet werde derzeit aufgeforstet, hier gibt es nach Informationen von Fröwis eine Eigenjagd. „Es liegt also keine Straftat vor, es handelt sich um eine ordnungsgemäße Jagdausübung“, sagt der Beamte. Sie diene dem Schutz des jungen Waldes vor Verbiss – das Vergrämungsmittel schade deshalb der Natur nicht, sondern schütze sie.

Ärgernis: die öligen Flecken in der Wiese.

Fischer sagen: Das Wasser ist in Ordnung

Hans Ellmer, Gewässerwart des Kreisfischereivereins Wasserburg, der den See gepachtet hat, war ebenfalls zur Kontrolle vor Ort. Er ergänzt: „Das Wasser ist in Ordnung, es gibt nichts Auffälliges zu vermelden.“ Das Landratsamt Rosenheim berichtet auf Anfrage der Wasserburger Zeitung, dass das Gesundheitsamt im Staudhamer See regelmäßig Wasserproben nehme – allerdings wie überall im Landkreis nur dort, wo offizielle Badeplätze sind. Und dieser liegt auf der anderen, der Reitmehringer Seite. Erst am Dienstag war hier eine Probe gezogen worden, das Ergebnis steht noch aus.

See auf Privatgrund: Die Rechtslage ist kompliziert

Der Fall zeigt jedoch auch ein rechtliches Problem auf, das am Staudhamer See auftritt. Darf hier Privatgrund betreten und ein Privatsee zum Baden genutzt werden?

Das Gewässer und der Ufergürtel mit Wald und Wiesen gehören zum Gut Staudham. Nur auf Reitmehringer Seite gibt es einen offiziellen Badeplatz – mit städtischer Badeordnung, Liegewiese, Stellflächen und Steg ins Wasser. Der Seebesitzer ermöglicht hier das kostenlose Baden. Die Wiese gehört hier der Stadt Wasserburg, den Parkplatz hat sie vom Landkreis Rosenheim, die Uferfläche mit Steg zur Erschließung des Gewässers vom Eigentümer angemietet. 2019 war es endlich gelungen, diese Verträge wasserdicht zu machen.

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2015 wurde der Badeplatz aufgelöst.

Den Badeplatz auf Staudhamer Seite gab es nur bis 2015. Er war aufgrund seines flachen, sandigen Zugangs und warmen Wassers beliebt – vor allem bei Familien mit kleinen Kindern und älteren Menschen. Früher stand hier ein Kiosk. Es gab eine Liegewiese und einen Parkplatz. Die Gäste kamen von weit her, viele fuhren sogar aus Ebersberg oder Erding an. im Hochsommer tummelten sich hier viele Menschen – und hinterließen oft auch viel Müll. Vor fünf Jahren lief jedoch der Pachtvertrag zwischen dem Landkreis Rosenheim und dem Grundeigentümer aus. Versuche, ihn zu verlängern und den Badeplatz zu erhalten, scheiterten – Unterschriftenaktionen und eine Petition vor dem Bayerischen Landtag brachten ebenfalls nicht die erhoffte Lösung.

Platz nach wie vor ein Geheimtipp

Der Badeplatz wurde aufgelöst. Trotzdem ist der Zugang zum See ein Geheimtipp geblieben. Leidenschaftliche Schwimmer wie der Edlinger Tauber tauchen hier und nicht auf Reitmehringer Uferseite ins kühle Nass ein.

Naturgenuss steht jedem zu – unter Auflagen

Das dürfen sie auch – unter bestimmten Bedingungen, wie Fröwis erläutert. Fünf Gesetze auf Bundes-und Landesebene regeln diese besondere Rechtsfrage an Privatseen und ganz speziell die Situation in Staudham. Grundsätzlich sagt die bayerische Verfassung aus: Jedem steht der Naturgenuss zu. Das heißt: Auch in Wäldern, die in Privateigentum sind, dürfen Bürger wandern, Pilze suchen – oder in den dazugehörigen Seen schwimmen. Das Wassergesetz erlaubt den Gemeingebrauch des Wassers: baden, Tiere tränken, etwas Wasser schöpfen. Der See-Eigentümer muss das Gewässer und das Ufer jedoch nicht für einen öffentlichen Badebetrieb herrichten, ist nicht verpflichtet, zu mähen oder Anlagen wie Toiletten oder Parkflächen bereitzustellen.

Schwimmen erlaubt, Lagern verboten

Größenvergleich: Die handtellergroßen Stellen im Gras.

Der Staudhamer See liegt jedoch im Landschaftsschutzgebiet, das hat wiederum seine eigenen Gesetze. Die entsprechende Verordnung verbietet das Lagern außerhalb offizieller Plätze. Rein ins Wasser, ein paar Runden schwimmen, sich abtrocknen, noch ein wenig sitzenbleiben, den Blick auf den See genießen: Das ist erlaubt. Decke ausbreiten, mit Freunden treffen, gar eine Kiste Bier bereitstellen und grillen, picknicken und länger niederlassen oder eine Party feiern nicht, zeigt Fröwis den Unterschied zwischen Abkühlung im Wasser und Lagern auf.

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Der Eigentümer könne außerdem ein Betretungsverbot aussprechen, wenn er Forstarbeiten durchführe – oder der Jäger ansitze. Und wer bade, tue dies auf eigene Gefahr – dreckige, ölverschmierte und „duftende“ Füße inklusive. Trotzdem: Tauber kann nicht nachvollziehen, „warum an dieser Stelle, wo es ins Wasser geht, das Mittel aufgetragen wurde“. Er schlägt vor, ein Warnschild aufzustellen – „damit keiner so wie ich in die Flecken reintritt“. Grundbesitzer Josef Irlbacher will sich zur Sache nicht äußern, nur so viel: „In meinem Wald stelle ich ja auch keine Warnschilder auf.“

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