Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Kein Opfer von Tierquälern

Fall um rasierten Kater geklärt: Kater Bärchen aus Wasserburg ist nicht misshandelt worden

Bärchen ist doch kein Opfer von Tierquälern geworden.
+
Bärchen ist doch kein Opfer von Tierquälern geworden.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
    schließen

„Bärchen“, der besprühte und rasierte Kater aus der Siedlung an der Essigfabrik, ist nicht Opfer einer Tierquälerei geworden – im Gegenteil. Trotzdem sorgt der Fall weiter für massiven Ärger.

Wasserburg – Die Halterin des Tieres hatte bei der Polizeiinspektion Wasserburg Anzeige wegen Tierquälerei erstattet: Denn der Kater war am Donnerstagmorgen mit grüner Lackfarbe an und in den Ohren und einem Schwanz, in den ein Herz hineinrasiert worden war, sowie sichtlich verstört daheim aufgetaucht. Für Zeugenhinweise hatte die Familie eine Belohnung von 100 Euro ausgelobt.

Tote Katzenbabys und viele kranke Tiere

Jetzt ist der Fall geklärt, wie der Tierschutzverein Rosenheim mitteilt: „Bärchen“ hatte sich im Bereich Rampe aufgehalten, wo viele wilde Katzen streunern und sich unkontrolliert vermehren, berichtet die Vorsitzende. Andrea Thomas spricht von einer „katastrophalen Situation“: Mehrere tote Katzenbabys seien gefunden worden, kranke und halb verhungerte ältere Tiere, viele Weibchen schon wieder schwanger, hätten sich hier aufgehalten.

Nach Anrufen besorgter Tierfreunde habe der Verein beschlossen, eine Kastrationsaktion durchzuführen. Eine ehrenamtliche Kraft habe eine Lebendfalle aufgestellt. Dies sei notwendig, da sich wilde Katzen nicht einfach einfangen lassen würden.

In Lebendfalle getappt

Die Fallen würden vor Ort beobachtet. Wenn eine Katze gefangen sei, werde diese zum Tierarzt oder zur Tierärztin gebracht und kastriert sowie als Nachweis tätowiert. „Dann kann man die Katzen sofort wieder freilassen, falls sie nochmals in die Falle gehen. Ansonsten müssten sie ja wieder sediert werden und das soll ihnen erspart bleiben“, erklärt Thomas.

Vermutlich sei Bärchen in die Falle getappt. Da er sich ungern anfassen lässt, seien die Tierschützer davon ausgegangen, dass es sich ebenfalls um einen frei lebenden halbwilden Kater handele. Denn er sei weder gechippt noch registriert gewesen.

Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier.

Bei der Tierärztin sei festgestellt worden, dass der Kater bereits kastriert sei. Zur Frage, warum neben der Tätowierung am Ohr noch das Fell am Schwanz in Herzform rasiert worden ist, erklärt Thomas: „Ein Tier wird nur durch eine kleine Rasur des Fells gekennzeichnet, falls sich viele Katzen an einer Stelle befinden, die nicht alle auf einmal eingefangen werden können. Da die kastrierten Tiere nach dem Eingriff gleich wieder an der Einfangstelle freigelassen werden, kann man damit sofort erkennen, bei wem bereits eine Kastration erfolgt ist.“

Es liege im Ermessen des Tierarztes, wie viel Fell wegrasiert werde, das wieder komplett nachwachse. „ Leider hat die Tierärztin im Fall Bärchen eine etwas zu große Kennzeichnung durch die Rasur angebracht, was aber sicher nicht böse gemeint war, vor allem, da es sich um ein Herz gehandelt hat“.

Andrea Thomas: „Es tut uns sehr leid“

Thomas betont weiter, sie könne den Unmut der Besitzerin sehr gut verstehen. „Auch ich wäre empört, wenn mein Kater so wie Bärchen nach Hause käme. Allerdings könnte ihm das nicht passieren, da er gechipt und registriert ist“, sagt sie. „Es tut uns sehr leid, dass Bärchen dieses Pech widerfahren ist. So ein Vorgang ist uns zum ersten Mal bekannt geworden, obwohl der Tierschutzverein Rosenheim seit Jahren aufgrund des massiven Katzenelends in Stadt und Landkreis immer wieder Kastrationsaktionen bei frei lebenden halbwilden Katzen durchführt.“

Meistens sei eine wachsende Population von Katzen an einer bestimmten Stelle der Grund für diese Maßnahmen – „ wie auch im vorliegenden Fall“.

Viele frei lebende Streuner in der Region

„Wir wünschen Bärchen, dass sein Fell schnell wieder nachwächst. Auch die ungiftige Tätowierungsfarbe an seinen Ohren wird bald komplett verschwinden und keine bleibenden Schäden hinterlassen“, ist die Vorsitzende überzeugt. „Bärchen hat es gut, in einer liebevollen Familie zu leben. Das gilt leider nicht für viele frei lebende Streuner in unserer Region, deren Elend zum Teil sehr grausam ist.“

Deshalb werde sich der Tierschutzverein auch zukünftig für eine Katzenschutzverordnung einsetzen. Sie verlange, dass Freigänger grundsätzlich kastriert, gekennzeichnet und registriert sein müssen. „Das würde viel Leid verhindern“, ist Thomas überzeugt. 2020 hat der Tierschutzverein nach ihren Angaben bei 129 Katzen und 81 Kater Kastrationen bezahlt.

Teilweise würden auch Privatleute die Kosten übernehmen – etwa bei einer großen Aktion in Neubeuern, die mit der Gemeinde abgestimmt worden sei.

Das sagt die Polizei

Die Polizeiinspektion (PI) Wasserburg teilt auf Nachfrage mit, dass sie die Anzeige zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft übergeben wird, diese entscheide über die weitere Vorgehensweise. PI-Chef Markus Steinmaßl betont jedoch, der Kater habe keinen großen Schaden erlitten. Für das Verhalten des Tierschutzvereins gebe es außerdem eine einleuchtende Rechtfertigung.

Mehr zum Thema

Kommentare