"Fahr doch einfach mit"

Mit Spendengeldern baute Curari ein neues Schulgebäude, organisiert Unterrichtsmaterial, Nachhilfeunterricht und Hausaufgabenbetreuung, Stipendien für weiterführende Schulen, verschiedene Freizeitangebote und zumindest einmal täglich eine warme Mahlzeit.
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Mit Spendengeldern baute Curari ein neues Schulgebäude, organisiert Unterrichtsmaterial, Nachhilfeunterricht und Hausaufgabenbetreuung, Stipendien für weiterführende Schulen, verschiedene Freizeitangebote und zumindest einmal täglich eine warme Mahlzeit.

Auf ihrer spontanen Rucksacktour durch Kolumbien lernte die Obingerin Christina Berger die Schönheit des Landes, die Armut der Bevölkerung und die Arbeit von "Curari" kennen. Seither engagiert sie sich für die private Hilfsorganisation, die sich vor allem um die Ausbildung und die Betreuung von Kindern und Jugendlichen kümmert, weil sie weiß, dass die Spenden an der richtigen Stelle ankommen.

Obing - "Fahr doch einfach mit" - diese Aufforderung ihres Neffen Christian war für Christina Berger aus Rumersham bei Obing der Auftakt zu einer erlebnisreichen Reise durch Kolumbien. Schon oft hatte sie sich mit ihrer Familie über Spendenorganisationen unterhalten und dabei festgestellt, dass sie gerne einmal sehen würde, wo das Geld hinkommt.

Als dann der gemeinsame Familienurlaub im letzten Jahr ins Wasser fiel, weil kein gemeinsames Urlaubsziel zu finden war, lud sie der Neffe ein, ihn und seine Freundin nach Kolumbien zu begleiten und ein privates Jugendhilfeprojekt von "Curari" kennenzulernen, das von Carmen und Franz Görlich aus Reitmehring ins Leben gerufen wurde. Auch die ausdrückliche Warnung, dass sie kein Spanisch spreche und dem Pärchen deshalb nicht von der Seite weichen werde, habe die jungen Leute nicht abgehalten sie mitzunehmen, freut sich Christina Berger noch im Nachhinein.

Nach ein paar Impfungen und einem kurzen Check der Sicherheitslage in dem mittelamerikanischen Land war der Entschluss dann schnell gefasst. Kaum acht Wochen später saß die zweifache Mutter und Unternehmerin mit großer Vorfreude und einem viel zu schweren Rucksack, vollgepackt mit Sachspenden im Flugzeug nach Bogota. Von Daheim kam die notwendige Unterstützung für ihr Abenteuer, denn ihr Ehemann und die beiden damals 14 und 17 Jahre alten Söhne hatten sie ausdrücklich zu diesem dreieinhalbwöchigen Trip ermuntert.

Einige Freunde hätten zwar Bedenken über mögliche Gefahren geäußert und im Vorfeld habe sie schon auch ein paar Gruselgeschichten gehört, erzählt die Herstellerin von geruchsabweisenden Stallmützen, doch davon habe sie sich nicht abschrecken lassen. Glücklicherweise, denn "wir haben nie eine gefährliche Situation dafür aber unglaublich freundliche Menschen und viele beeindruckende Momente erlebt", schwärmt Berger.

In Kolumbien habe sie neben unzähligen kulturellen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten aber auch viel Not und Elend erlebt und die Arbeit der Hilfsorganisation "Curari" und das eigene Wohlergehen noch viel mehr zu schätzen gelernt. Gemeinsam mit ihrem Neffen, dessen Freundin und deren Schwester, die schon ein paar Mal vor Ort waren, machte sich die Obingerin auf dem Weg nach Calle Fria, wo sie gut zehn Tage lang an einem Hilfsprojekt mitarbeitete, das durch das kolumbianisch-deutsche Ehepaar Peter und Carmen Mittländer initiiert und mit viel Engagement geleitet wird.

Ansiedlung an

der Karibikküste

Das Paar wohnt seit 2004 auf einem Bauernhof in Calle Fría, einem kleinen Weiler in der ruralen Zone von Sincelejo, der Provinzhauptstadt von Sucre. Die Ansiedlung an der Karibikküste besteht aus etwa 35 Palmhütten, in denen rund 160 Erwachsene und 110 Kinder - 85 davon im schulpflichtigen Alter- in tiefster Armut leben. Es gibt außer elektrischem Strom, den die meisten aber nicht bezahlen können, keine Infrastruktur. 95 Prozent der Erwachsenen sind Analphabeten. Carmen und Peter Mittländer haben sich der Kinder und Jugendlichen in diesem Landstrich angenommen und ihr Interesse an der Bildung geweckt. Sie haben 6000 m² Land gekauft und ein neues Schulgebäude gebaut, das von den Sternsingern Aachen und Plan International gestiftet wurde. Mit Unterstützung der Deutschen Botschaft in Bogota wurde ein Regenwasser-Rückhaltungssystem für die Schule errichtet und mit Spenden gemeinnütziger Organisationen wie der Katholischen Landjugend Rosenheim ein Spielplatz oder ein Abwasserkanal und ein Zaun gebaut.

Christina Berger ist von der Arbeit von "Curari" und dem unglaublichen Engagement der Mittländers begeistert. Sie kümmerten sich um die teils vernachlässigten Kinder und Jugendlichen und organisierten Unterrichtsmaterial, Nachhilfeunterricht und Hausaufgabenbetreuung, Stipendien für weiterführende Schulen, verschiedene Freizeitangebote und zumindest einmal täglich eine warme Mahlzeit. Das sei enorm wichtig, denn die Kinder seien weitgehend sich selbst überlassen. Anfangs habe sie nur mit den Jungs Fußball gespielt, die darüber verwundert gewesen seien, dass sie das könne, lacht die sportliche Mutter zweier Buben. Später hätten auch die Mädchen mitgespielt, weil die das auch lernen wollten. Obwohl die Arbeit auch anstrengend gewesen sei, habe sie unwahrscheinlich bereichert und die Dankbarkeit und das Leuchten in den Kinderaugen werde sie so schnell nicht vergessen, erzählt Christina Berger. Mit einigen Bewohnern wie der 23-jährigen Jasmin hat sie heute noch Kontakt. Deshalb habe sie mitbekommen, dass ein Sturm das Hüttendach der jungen Kolumbianerin zerstört habe. Um ein wenig zu helfen, habe sie der jungen Frau 200 Euro für die Reparatur geschickt. Die habe sich in einem Brief überschwänglich bedankt, weil sie noch nie so viel Geld besessen habe und nach der Reparatur sogar noch was für die Renovierung des Bades übrig geblieben sei. Die Tatsache, dass mit überschaubaren finanziellen Mitteln dort so viel erreicht werden könne, habe sie dazu bewogen, diese Geschichte zu erzählen, sagt Christina Berger. Sie hofft, damit das Interesse an der Arbeit von "Curari" in der Heimat zu wecken, damit die Lebensumstände der Kinder in Regionen wie Calle Fría verbessert werden könnten.

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