Express-S-Bahn von Wasserburg nach München ab 2026? Sonderprogramm macht Hoffnung

Verkehrsknotenpunkt mit zunehmender Bedeutung: der Bahnhof Reitmehring. Hier soll ab 2026 auch die S-Bahn von München halten.
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Verkehrsknotenpunkt mit zunehmender Bedeutung: der Bahnhof Reitmehring. Hier soll ab 2026 auch die S-Bahn von München halten.
  • Heike Duczek
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Mit der S-Bahn ohne Umsteigen von Wasserburg bis München: Das wünschen sich viele Pendler. Jetzt steht endlich fest: Die S-Bahn-Verlängerung könnte kommen, denn die Elektrifizierung der Strecke Ebersberg-Wasserburg ist Teil eines Sonderprogramms von Bund und Land.

Wasserburg – Ende 2026 soll die elektrifizierte Strecke in Betrieb gehen, kündigte die Deutsche Bahn bei einer Pressekonferenz im bayerischen Verkehrsministerium an. Für Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl keine Überraschung, denn dieser Zeitplan sei nichts Neues. In den vergangenen zwei Jahren sei das Projekt immer wieder angekündigt worden. Jetzt ist jedoch anscheinend das Geld für die Realisierung da – in einem 436-Millionen-Sondertopf, mit dem die Attraktivität des Nahverkehrs auf der Schiene erhöht werden soll.

Skepsis in Bezug auf den Zeitplan

„Wir freuen uns sehr“, sagt Kölbl angesichts der Ankündigung, dass die Elektrifizierung, Basis für den S-Bahn-Anschluss von Wasserburg, nun definitiv kommen wird. „Doch ob die Inbetriebnahme bis Ende 2026 klappen wird? Da bin ich sehr vorsichtig mit einer Einschätzung“, verhehlt Kölbl seine Skepsis nicht. Tatsache ist auch: Mit dem Ausbau gibt es die Option, die S-Bahn bis Wasserburg zu verlängern, der Freistaat müsste diese Leistungen dann jedoch auch noch offiziell beim Eisenbahn-Bundesamt bestellen.

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Der Rathauschef erinnert außerdem an die alte Forderung der Anliegergemeinden an der Strecke: Wasserburg, Edling, Forsting und Steinhöring möchten, „das ist Konsens“, dass die durchgehende S-Bahn hier hält. „An den Zustiegsmöglichkeiten darf sich nichts ändern“, so Kölbl. Ab Grafing-Bahnhof müsse dann flott Tempo aufgenommen werden Richtung München-Ost. Bisher beträgt die Fahrzeit von Wasserburg Richtung Landeshauptstadt eine gute Stunde. Die Fahrzeit würde sich im Optimalfall verkürzen, so Kölbl, dürfe sich auf keinen Fall verschlechtern. Eine Express-S-Bahn wäre der Wunsch aus Sicht der Stadt Wasserburg.

Ihre Realisierung hängt eng zusammen mit dem zweiten S-Bahn-Tunnel in München, nach dessen Fertigstellung die Zugverbindungen bis in die Metropolregion hinein wieder neu geordnet werden. Der Bau einer Oberleitung auf der 18 Kilometer langen, eingleisigen Strecke des von der Südostbayernbahn (SOB) betriebenen Filzenexpresses Ebersberg-Wasserburg, der seit 2015 dem günstigen MVV-Tarif zugeordnet ist, wurde in diesem Zusammenhang versprochen – ein Stromnetz, das Kölbl ausdrücklich begrüßt.

Fahrgastverband hofft auf Taten

Norbert Moy, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Bezirk Oberbayern, schließt sich dem vorsichtigen Optimismus des Wasserburger Bürgermeisters an: „Ich hoffe, es ist mehr als eine Absichtserklärung, dass die S-Bahn, wie lange versprochen, nun endlich bis Reitmehring verlängert wird. Jetzt müssen den Plänen Taten folgen“, sagt er. Für ihn steht außerdem fest: Reitmehring kann nicht der Endpunkt des Ausbaus sein.“ Wie berichtet, fordert Pro Bahn seit Jahren eine Fortsetzung des Schienenverkehrs bis in die Altstadt Wasserburg. „Es ist einfach unsinnig, dass die Bahnfahrer für die letzten vier Kilometer in den Bus umsteigen müssen“, bekräftigt Moy.

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Durch die für 2026 angekündigte Inbetriebnahme der elektrifizierten Strecke bis Reitmehring erhofft Moy sich auch eine Signalwirkung im Kampf für die Wiederbelebung der Altstadtbahn. Für sie fällt, wie mehrfach berichtet, im November vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, der endgültige Beschluss zur Rechtmäßigkeit der Stilllegung.

Dass die Bahn die Strecke von Ebersberg nach Wasserburg ausbaue, zeige ihre Bedeutung, findet Moy.. Und passe in die Zeit, denn nur attraktive Verbindungen würden mehr Menschen vom Auto in den Zug bringen, so der Vertreter des Fahrgastverbandes.

Ausbau der Filzenstrecke: die Fakten

Projektziel: Elektrifizierung der Bahnstrecke Ebersberg-Wasserburg.

Länge: 18 Kilometer

Außerdem geplant: Anhebung der Bahnsteigkanten in Steinhöring, Tulling, Forsting, Edling und Wasserburg Verlängerung und Anpassung von Bahnsteigen für mehr Barrierefreiheit, Entfall des Umsteigens bei Fahrten von Wasserburg Richtung München.

Kosten (2018 berechnet): etwa 22 Millionen Euro.

Finanzierung: Freistaat Bayern und Südostbayernbahn.

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