Artenvielfalt

Es brummt und summt in Isen: Die Wimmers sind Pioniere der Blühfläche

Vater Andreas und Sohn Georg Wimmer haben die Freude an Blühwiesen schon an die nächste Generation, vertreten durch die fünfjährige Fini und den zweijährigen Franzi, weitergegeben.
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Vater Andreas und Sohn Georg Wimmer haben die Freude an Blühwiesen schon an die nächste Generation, vertreten durch die fünfjährige Fini und den zweijährigen Franzi, weitergegeben.

Andreas und Georg Wimmer aus Buchschachen bei Isen sind Pioniere der Blühfläche. Bereits 2011 – und damit Jahre vor dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und dem öffentlichen Interesse an Blühflächen und -streifen – haben sie für Artenvielfalt auf Wiese und Acker gesorgt.

Von Anne Huber

Isen – Rund 5500 Quadratmeter Blühwiese, einen 6500 Quadratmeter großen Wildacker und 13.000 Quadratmeter Wildpflanzen, die jährlich gemäht werden und in eine Biogasanlage wandern, waren es in diesem Jahr.

Wiese nur für Bienen, Hummel und Co.

Wildacker und Wildpflanzen fürs Biogas gibt es schon länger, heuer haben Vater Andreas und Sohn Georg zum ersten Mal auch eine Blühwiese angesät. Während sie für den Wildacker Förderung aus EU-Mitteln bekommen und die Wildpflanzen an einen Biogasbetreiber geliefert werden, ist die Blühwiese lediglich etwas für Hummeln, Bienen und Co. Und fürs Auge. Denn nicht nur die Familie Wimmer freut sich an der Blumenvielfalt, auch Spaziergänger bleiben stehen und sogar mancher Autofahrer hält an, um sich die Blütenpracht genauer zu anzuschauen, hat Georg Wimmer schon oft beobachtet.

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Von einer Blühwiese zu sprechen, ist eigentlich nicht richtig, sagt er. Denn um die richtige Mischung zu finden, hat der Isener vier verschiedene Samenzusammenstellungen ausgebracht. Als Favorit der Testaussaat hat sich eine Mischung mit dem treffenden Namen „Augenweide“ herauskristallisiert: mit Goldmohn, rotem und blauen Lein, Mittagsblumen, Kornblumen und Ringelblumen. Von den 35 Arten ist gut über die Hälfte aufgegangen.

Die verblühten Blumen und Gräser werden im Herbst nicht untergeackert, sondern bleiben stehen. „Die hohlen Stängeln brauchen Insekten zum Überwintern und als Nisthilfe“, nennt Georg Wimmer als Grund.

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Doch Umweltschutz betreibt er nicht nur auf einem Teil der Flächen, die von der Landwirtschaft der Familie übrig geblieben sind. Auch vor der Werkstatt seines Betriebs, den er auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen gebaut hat und in dem der Zimmerermeister sechs Gesellen und einen Lehrling beschäftigt, dürfen Brennnesseln für Schmetterlinge wachsen. Dabei stört es ihn nicht, dass manch ein Besucher über den Wildwuchs den Kopf schüttelt. Und beim Pflastern des Werkstatthofs hat er in diesem Sommer darauf geachtet, eine Distel auf dem Randstreifen stehen zu lassen, weil er beobachtet hat, dass diese regelmäßig von Distelfinken angeflogen wird.

Ein Eldorado auch für die Vögel

Neben Wildpflanzen und Insekten gilt sein Interesse auch den Vögeln. Gut 40 Brutkästen betreut er zusammen mit Vater Andreas, im Landesbund für Vogelschutz ist er Mitglied. Dass die Schwalben, statt wie früher im Stall ein- und auszufliegen, jetzt die Wildpflanzen an der ehemaligen Kiesgrube der Familie besuchen, freut ihn ganz besonders. Dutzende Vögel sind es an Sommerabenden, die auf Wildacker und -wiese mit ihren vielen Insekten Nahrung finden.

Kindern die Schönheit der Natur zeigen

Die Flächen an der aufgelassenen Kiesgrube besucht Georg Wimmer gern mit seinen Kindern, der fünfjährigen Fini und dem zweijährigen Franzi. Zusammen schauen sie dann nach, von welchen Tieren Spuren zu finden sind und welche Vögel in der Hecke brüten. Und auch beim Anlegen der Blühwiese an der Straße nach Weiher haben die beiden tatkräftig mitgeholfen. Stolz ist Fini auf die vielen bunten Blumen. „Im Garten haben wir auch solche“, erzählt sie.

2,5 Hektar Wildpflanzen

Seinen Kindern möchte der 43-jährige Vater die Schönheit der Natur zeigen und ihnen die Notwendigkeit für deren Schutz nahe bringen. Denn dass die Natur Schutz braucht, davon ist Georg Wimmer überzeugt. Obwohl er nicht versteht, dass es zum Beispiel eine Regelung geben muss, damit beim Düngen ein Abstand zum Gewässer eingehalten wird. „Das ist doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit“, sagt er. „Wenn man mit Umweltschutz Ernst machen und der nächsten Generation eine intakte Natur hinterlassen will, ist der Ertrag nicht so wichtig“.

Er weiß, dass er in der glücklichen Lage ist, mit seinen 2,5 Hektar Wildpflanzen ganz konkret etwas für Artenschutz und Biodiversität tun zu können. „Das können die Leute in der Siedlung so nicht“, sagt er. „Aber wenn jeder das macht, was er kann, sind wir schon ein ganzes Stück weiter“.

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