Rott diskutiert: Naturpädagogik in der Jurte – oder doch der klassische Kindergarten?

So könnte er im Innern aussehen, der Jurte-Kindergarten in Rott.
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So könnte er im Innern aussehen, der Jurte-Kindergarten in Rott.
  • vonRichard Helm
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In Rott möchten drei Erzieherinnen „Wurzelpurzel“ verwirklichen – ein Betreuungsort in einem witterungsfesten Zelt in der freien Natur. Der Gemeinderat reagiert jedoch verhalten.

Rott – Bereits in der vergangenen Gemeinderatssitzung hatte Bürgermeister Daniel Wendrock (parteilos) den neu zusammengestellten Gemeinderat über die Kindergarten- und Kinderkrippenplätze unterrichtet. Sandra Wimmer und Sabine Hiermeier hatten den Gemeindekindergarten vorgestellt. In der jüngsten Sitzung präsentierten Carolin Schwaiger, Franziska Schwürzinger und Daniela Gruber ihr Konzept eines Naturkindergartens.

Auf freier Wiese in Waldnähe

Die Drei sind Erzieherinnen und haben schon lange an einem Konzept gearbeitet, mit dem sie sich bereits an den vorherigen Bürgermeister Marinus Schaber (BfR) gewandt hatten. Nun durften die Erzieherinnen den „Wurzelpurzel“ vorstellen. Dabei handelt es sich um einen Jurtekindergarten auf freier Wiese in Waldnähe. Der Aufbau ist vom Material und Stabilität her weit mehr als eine Zelt-Jurte bei den Pfadfindern, berichteten die Frauen. Die Jurte habe einen Durchmesser von zehn Metern und stehe auf Stelzen. Boden und Dach seien isoliert und würden von einer Lichtkuppel gekrönt. Der Aufbau verfüge über eine kleine Küche, Spielbereiche und einen Ofen.

Naturkindergärten stammen ursprünglich aus Skandinavien. In den neunziger Jahren fand die Idee immer mehr Anhänger. Stand 2017 gab es bereits 1500 dieser Art im Bundesgebiet, hieß es im Gemeinderat Rott.

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Der Unterschied zu einem Waldkindergarten: In einem Jurtekindergarten können sich die Kinder bei schlechter Witterung in einen geheizten Schutzraum zurückziehen. Im Waldkindergarten gibt es dafür einen Bauwagen oder einen für sie stets freizuhaltende Raum in einem Gebäude. Der Hersteller der vorgestellten Jurte verspricht eine Haltbarkeit von mindestens 25 Jahren, einen Brandschutz sowie eine Zertifizierung bei Schneelasten und Sturm. Ist am Standort kein Strom- oder Wasseranschluss vorhanden, funktioniert dieser Aufbau auch autark mit Photovoltaik und Lithiumspeicher, das Brauchwasser kann über eine Pflanzenkläranlage gereinigt werden, berichteten die Erzieherinnen.

Alle wesentlichen Abläufe sollen spielerisch erlebbar sein. Der Umgang mit Wasser, der Anbau und die Zubereitung der Lebensmittel sowie die Stromgewinnung mit Photovoltaik würden den pädagogischen Alltag bereichern. Schwerpunkt sei die Naturpädagogik. Die Kinder könnten sich als Teil der Natur begreifen.

Schon Gespräche mit Trägern geführt

Die Erzieherinnen haben das Konzept nach eigenen Angaben bereits mit dem Kreisjugendamt Rosenheim abgesprochen, Fördermöglichkeiten abgeklärt, Gespräche mit Trägern geführt und auch nach Grundstücken Ausschau gehalten. Jetzt müsste nur noch die Gemeinde mitmachen.

Kein Entscheidungsdruck in Rott

Doch die Entscheidungsträger zeigen sich zurückhaltend. Von den 123 genehmigten Kindergartenplätze sind derzeit nur 94 belegt. Da ist noch Luft nach oben. Rott hat keinen Zeitdruck, hieß es im Gemeinderat. Bürgermeister Daniel Wendrock (parteilos) will dem Gremium noch weitere Konzepte zeigen. In der kommenden Sitzung wird sich der Katholische Kindergarten vorstellen. Auch der Besuch von Vertretern eines reinen Waldkindergartens ist geplant. Im Spätherbst soll entschieden werden, wie es in der Kindergartenplanung weitergeht.

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