Erste Schätzung der Stadtwerke

Wasserburger haben im Corona-Jahr im Durchschnitt nicht viel mehr Strom verbraucht

Arbeiten dahoam: Das hat Auswirkungen auf den Stromverbrauch – wenn auch in Wasserburg nur minimal.
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Arbeiten dahoam: Das hat Auswirkungen auf den Stromverbrauch – wenn auch in Wasserburg nur minimal.
  • Winfried Weithofer
    vonWinfried Weithofer
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Arbeiten im Homeoffice, lernen in der Homeschool: Viele erwarten, dass im Corona-Jahr 2020 der Stromverbrauch gestiegen ist. In Wasserburg wird sich dies bei den meisten Haushalten jedoch nicht dramatisch auswirken, so eine erste Schätzung der Stadtwerke.

Wasserburg – Rund 6500 Ablesekarten für 11.200 Zähler haben die Stadtwerke Wasserburg am Jahresende an die Bürger verschickt: „Sie haben fast alle ein bisserl mehr verbraucht“, berichtete Brigitte Lex, stellvertretende Leiterin der Stadtwerke, in einer ersten Bilanz.

Wegen Corona konnte der wirtschaftliche Eigenbetrieb der Stadt keine Mitarbeiter zum Ablesen des Wasser- und Stromverbrauchs losschicken. Die Stadtwerke sind deshalb froh darüber, dass die allermeisten Kunden – rund 90 Prozent – die Aufgabe übernommen haben. Nur bei einem geringen Teil hätten die Stadtwerke anrufen müssen, um die Angaben einzuholen. Gelang auch das nicht, wurde für die Rechnung eine Schätzung zugrunde gelegt.

Elektrische Geräte häufiger eingeschaltet

Die Abrechnungen machen deutlich, dass sich die Wasserburger wegen der Pandemie mehr zu Hause aufgehalten haben. So ist der Bedarf an Strom daheim leicht gestiegen. Fernseher, Laptop oder Herd: Elektrische Geräte wurden häufiger eingeschaltet.

Ob der lockdown-bedingte Rückgang beim Einzelhandel und in der Gastronomie die Steigerung beim Gesamtverbrauch wettgemacht hat, darüber kann Lex noch keine Aussage treffen, da die genauen Zahlen für 2020 noch nicht vorliegen.

Löwenanteil entfällt auf Großabnehmer

Für 2019 beziffert sie die gesamte Netzabgabe auf rund 53 Millionen Kilowattstunden. Der Löwenanteil entfällt dabei auf Großabnehmer wie zum Beispiel das Badria und einige andere mit 23 Millionen Kilowattstunden. Die Zahl ist seit Jahren rückläufig, weil die Verbraucher mehr und mehr eigenen Strom verwenden – etwa aus Fotovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerken.

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Für eine Einschätzung, wie sich das Corona-Jahr 2020 auf den Verbrauch ausgewirkt hat, hat der Autor dieses Berichts beispielhaft seinen Haushalt unter die Lupe genommen. Als absolut im Rahmen beurteilt Lex den Stromverbrauch der dreiköpfigen Familie in Höhe von knapp 2300 Kilowattstunden, das sind gerade mal 80 mehr als 2019. Auch beim Wasser – 129 Kubikmeter, ein Plus um 22 Kubikmeter – bewegt sich bei ihm alles im normalen Bereich. Im Durchschnitt liegt nach Angaben der Stadtwerke der tägliche Verbrauch bei 120 Liter pro Person, gut 130 Kubikmeter im Jahr.

Durchschnittlicher Mehrverbrauch von vier Prozent

Die meisten der 20 von den Stadtwerken exemplarisch ausgewählten Haushalte weisen im Einzelfall markante Änderungen auf, nimmt man aber einen Durchschnitt, ergibt sich kein dramatischer Mehrverbrauch. Die durchschnittliche Steigerung beträgt bei diesen 20 gerade mal vier Prozent.

Hier wird der Energieverbrauch der Bürger errechnet: Stadtwerke Wasserburg am Max-Emanuel-Platz

Für ganz Bayern hält der Verband der Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) einen Mehrverbrauch von fünf bis 15 Prozent für durchaus normal. „Und das macht sich leider auch auf der Rechnung der Versorger mit einem entsprechend höheren Betrag bemerkbar“, teilte der Geschäftsführer Detlef Fischer mit.

Bei Abschlagszahlung entgegen gekommen

Was die Restaurants in Wasserburg betrifft, ist beim Stromverbrauch eine deutlichere Bewegung zu verzeichnen: Zwischen neun und 27 Prozent ging es lockdown-bedingt im Verbrauch nach unten. Bei den Abschlagszahlungen kamen die Stadtwerke den Inhabern entgegen: Sie wurden entsprechend reduziert.

Gibt es viele Bürger, die ihre Rechnungen anzweifeln? Nein, sagt Lex, das sei nicht der Fall. Die meisten, die in der Kundenberatung anriefen, wollten eher ihre Abschlagszahlung korrigieren, damit sie am Jahresende eine Gutschrift erhalten. Eine Preiserhöhung für Strom sei dieses Jahr nicht geplant, bei Wasser habe es einen minimalen Aufschlag gegeben, so die Stadtwerke Wasserburg.

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