Verhärtete Fronten bei Käserei

Erneut Streik: Der Konflikt bei Alpenhain in Pfaffing spitzt sich weiter zu

Erneut wird bei Alpenhain in Pfaffing gestreikt: Gestern hat sich der Konflikt zugespitzt.
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Erneut wird bei Alpenhain in Pfaffing gestreikt: Gestern hat sich der Konflikt zugespitzt.
  • Heike Duczek
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Die Wortwahl wird immer schärfer, die Fronten verhärten sich: Der Tarifstreit bei der Käserei Alpenhain in Pfaffing droht zu eskalieren. Am Mittwoch (30. September) hat ein 24-stündiger Streik begonnen.

Pfaffing – Zum wiederholten Male sind am Mittwoch, 30. September, Mitarbeiter der Käserei Alpenhain in Pfaffing in den Streik getreten. Dazu hatte die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) aufgerufen. Die Beschäftigten aller drei Schichten beteiligten sich laut des Betriebsratsvorsitzenden Mehmet Bozkurt am Ausstand. Pro Schicht seien aktuell rund 40 Mitarbeiter zugeteilt, ergänzt Betriebsrats-Vize Rudi Vogel. Die Geschäftsführung von Alpenhain betont auf Anfrage, noch keine Aussagen über die Zahl der Streikende machen zu können, da dieser noch bis Donnerstagmorgen weitergehe. Bestätigt wird jedoch, „dass mehrere Produktionslinien im Unternehmen stillstehen.“

Betriebsrat wirft Unternehmen „irreführende Aussagen“ vor

Die NGG spricht von einem sich zuspitzenden Konflikt. Nach Streikbeginn warfen die Betriebsräte dem Unternehmen vor, die Situation durch „irreführende Aussagen“ verzerrt dargestellt zu haben. „Alpenhain behauptet, an einer innerbetrieblichen tariflichen Lösung mit der Arbeitnehmervertretung interessiert zu sein. Tatsächlich hat die Geschäftsführung bereits zehn Vorschläge für entsprechende Betriebsvereinbarungen abgelehnt“, sagt Betriebsratsvorsitzender Mehmet Bozkurt.

Das Unternehmen nimmt Stellung: „Tariflösungen sind nur zwischen Alpenhain und der Gewerkschaft möglich. Wir sind weiterhin an einer innerbetrieblichen Lösung bezüglich eines neuen Vergütungskonzeptes interessiert. Eine solche Betriebsvereinbarung ist mitbestimmungspflichtig. Daher wurde auch eine Projektgruppe gebildet, in welcher der Betriebsrat vertreten ist. Der Betriebsrat hat bisher keine Vorschläge zu einem neuen Vergütungskonzept vorgelegt.“

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Das Unternehmen habe sich sogar über Beschlüsse einer externen Einigungsstelle hinweggesetzt, kritisiert Bozkurt. So seien Beschäftigten, die sich nach Aufenthalten in Corona-Risikogebieten in Quarantäne begeben mussten, Löhne vorenthalten worden. Obwohl dies ein richterlicher Vergleich nicht vorsehe, unterstreicht er. „Das Unternehmen Alpenhain hat mit dem Betriebsrat eine Vereinbarung getroffen über die Behandlung von Rückkehrern aus Risikogebieten.“

Die Geschäftsführung von Alpenhain kontert: „Dies liegt etwa zwei Monate zurück. Die Corona-Thematik beinhaltet eine erhebliche Dynamik, die sämtliche Annahmen, die zu dieser Vereinbarung führten, obsolet gemacht hat. Vor diesem Hintergrund sieht das Unternehmen Alpenhain zwingenden Anpassungsbedarf und ist mit einem entsprechenden, zwingend notwendigen Anpassungswunsch an den Betriebsrat herangetreten. Der Betriebsrat hat sich diesem Thema in Gänze verschlossen.“

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Betriebsrat und NGG drängen seit über einem Jahr auf den Abschluss eines Tarifvertrages für die rund 450 Beschäftigen in Pfaffing. Alpenhain soll sich an den Branchenstandards für die bayerische Milchwirtschaft orientieren, so die Forderung. Bozkurt spricht von einer „nicht hinnehmbaren Lohn-Ungerechtigkeit“. „Unsere Haltung als Unternehmen zum Thema Tarif ist unverändert. Wir betonen hierbei, dass dies nichts mit Sturheit zu tun hat, sondern wir weiterhin eine innerbetriebliche Lösung im Interesse der Mitarbeiter und des Unternehmens bevorzugen“, so die Geschäftsführung. Die Alpenhain-Vergütungs- und Arbeitszeit-Konzepte seien markt- und branchenüblich, so die Unternehmensleitung.

Geschäftsführung hält Streikandrohungen für „verantwortungslos“

Mittlerweile sei das Vertrauen der Arbeitnehmervertretung gegenüber der Geschäftsleitung auf einem Tiefstand angekommen, sagen Gewerkschaft und Betriebsrat. Sollte sich die Haltung des Unternehmens nicht ändern, werde es zu weiteren längeren Streikmaßnahmen kommen. „Die Position der NGG und neuerliche Streikandrohungen halten wir insbesondere in schwierigen Corona-Zeiten für verantwortungslos“, entgegnet die Geschäftsführung.

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