Erleichterung bei Schulen im Wasserburger Land: „Endlich wieder Präsenzunterricht“

Freut sich über die neue Aula und viel Platz zum Abstand halten: Verena Grillhöls, Leiter des Wasserburger Gymnasiums.
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Freut sich über die neue Aula und viel Platz zum Abstand halten: Verena Grillhöls, Leiter des Wasserburger Gymnasiums.
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  • Christa Auer
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    Winfried Weithofer
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Dienstag startet ein ungewöhnliches Schuljahr. Es heißt, Lücken aus dem Homeschooling aufarbeiten, Abstand halten, Masken tragen. Wie ist die Stimmung in den Bildungseinrichtungen? Wie haben sie sich vorbereitet? Die Wasserburger Zeitung hat an drei Schulen nachgefragt.

Wasserburg/Obing – Das Luitpold-Gymnasium-Wasserburg (LGW) freut sich aus doppeltem Grund, dass Landratsamt und Bauleitung alles daran gesetzt haben, dass die neue Aula zum Schulstart fertig wird: Denn der großzügige, von viel Licht durchflutete Raum hilft nach Angaben von Schulleiterin Verena Grillhösl bei der Bewältigung der Abstandsregeln in Corona-Zeiten. Es ist so viel Platz da, dass hier drei Aufenthaltsbereiche für die Pause geschaffen werden können. Jeder Jahrgangsstufe wird ab Dienstag ein festes Areal auf dem Schulgelände zugeordnet, damit sich die Kinder und Jugendlichen nicht durchmischen. Der Pausenverkauf findet statt: Mit Masken können sich die Schüler aufstellen, um sich eine Brotzeit zu holen, berichtet Grillhösl

Gymnasium Wasserburg: Begrüßung heuer ohne Handschlag

.In den ersten beiden Wochen gilt am Gymnasium wie überall in Stadt und Landkreis Rosenheim auch im Unterricht Maskenpflicht. Auf dem Weg zur Klasse war das schon vor den Ferien so. „Das hat prima geklappt“, sagt die Schulleiterin. Sie hat auch die Markierungen auf den Fluren beibehalten – sie regeln einen Rechts- und Einbahnverkehr, „damit die Schüler nicht durcheinanderlaufen.“

Viele Lehrer des Gymnasiums haben noch in der letzten Ferienwoche an der Reihentestung in der Mensa teilgenommen – bisher ohne positives Ergebnis.

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Bis Weihnachten wird der Unterricht am Gymnasium etwas anders gestaltet als sonst: Denn es gilt nach Grillhösls Angaben, Lücken im Lehrstoff, entstanden durch das Homeschooling bei manchen Kindern, zu schließen. Stoff, der nicht behandelt werden konnte, haben die Lehrer in eine Datenbank eingetragen. Die wird jetzt abgearbeitet. Dafür gebe es bis Weihnachten Intensivierungsstunden und individuelle Lernzeiten. Einige Wahlkursangebote müssen deshalb vorerst gekappt werden. Trotzdem finde Wahlunterricht statt – in den Bereichen Musik (sogar die Chöre proben wieder auf Abstand), Sport und etwa beim Schulradio. Nach Weihnachten starten dann wieder die weiteren Wahlkurse – etwa für die Ausbildung der Schulsanitäter oder Streitschlichter.

Bis zum 31. Januar darf es nach Angaben der Schulleiterin keine Klassenfahrten geben. Was die Schüler freuen wird: Die Jahrgangsstufentests fallen heuer aus.

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Alle Klassen sind mit Desinfektionsmittel ausgerüstet, alle Flächen werden täglich gereinigt. In besonders kleinen Klassenräumen gibt es in der ersten Reihe eine Spuckschutzscheibe.

Die 106 neuen Fünftklässler wird Grillhösl wie immer begrüßen – „nur diesmal halt ohne Handschlag“. Pro Schüler darf heuer nur ein Elternteil mitkommen. Doch auch das Tutorenprogramm mit der beliebten Schulhausrallye finde statt.

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„Wir gehen dem Start gut vorbereitet und gelassen entgegen. Es sind herausfordernde Zeiten, doch wir nehmen die Situation professionell an“, sagt Grillhösl.

Realschule Wasserburg: 1000 Schüler – auf Abstand geht`s nur mit Maske

„Große Sorge habe ich nicht, weil wir sehr, sehr gut vorbereitet sind“: Der Leiter der Wasserburger Realschule, Markus Hösl-Liebig, geht mit einem guten Gefühl ins neue Schuljahr. Froh ist er, dass es keine coronabedingten Ausfälle im Kollegium gibt. Für die Einhaltung der Maskenpflicht und der Hygienemaßnahmen ist nach seinen Worten gesorgt. Gemäß den ministeriellen Vorgaben gebe es in jedem Klassenzimmer Desinfizierungsmittel, die Lehrkräfte würden die Anwendung überwachen.

Maske hilft bei Einhaltung des Abstandsgebots

Hösl-Liebig ist ein Befürworter der Mund-Nase-Bedeckung. „Ich sehe die Maßnahme positiv, weil uns kaum andere Möglichkeiten zur Verfügung stehen.“ Es gehe schließlich darum, knapp 1000 Schülerinnen und Schüler der Anton-Heilingbrunner-Realschule unterzubringen und gleichzeitig die nötige Distanz zu wahren. „Wenn die Maske getragen wird, entfällt das Abstandsgebot“, macht Hösl-Liebig klar. Deshalb bestehe keine Notwendigkeit, die Klassen zu verkleinern. Um auch auf den Fluren im Gebäude den Abstand zu sichern, seien eigene Pausenbereiche für die Jahrgangsstufen geschaffen worden.

Brückenangebote gegen Wissenslücken

Die durch Unterrichtsausfall in den vergangenen Monaten entstandenen Wissenslücken sollen durch ein Brückenangebot kompensiert werden, so Hösl-Liebig. Was ihm dagegen Sorgen bereite, sei der Verlust an Sozialkontakten außerhalb des Unterrichts. „Es ist alles sehr reglementiert. Für die Situationen, bei denen die Schüler eigentlich aufeinander zugehen müssen, ist relativ wenig Raum.“ Die Aufenthaltsbereiche sollen die Schülerbewegungen kanalisieren. So würden mehrtägige Fahrten – „wichtige Lernorte“ – noch bis ins neue Jahr ausfallen. Um zum Teil für einen Ausgleich zu sorgen, gebe es Projekttage.

Grund- und Mittelschule Obing: Regeln praktikabel

Thomas Duxner, Leiter der Grund- und Mittelschule Obing, freut sich, dass es nach den großen Ferien mit Präsenzunterricht weitergeht. „Man kann den Kindern schon was zutrauen, die Schüler waren sehr verantwortungsvoll und kooperativ“, hat er in den Schulwochen vor den Ferien festgestellt. Aus diesen positiven Erfahrungen schöpft der Hoffnung für das neue Jahr. Jetzt gelte es, die Lücken bei den Kindern und Jugendlichen, die die „Schlupflöcher“ des Distanzunterrichts genutzt hätten, zu schließen. So groß seien sie nicht gewesen, wie die guten Abschlüsse gezeigt hätten.

„Kinder und Jugendliche gehören und wollen in die Schule“

Duxner fühlt sich gut informiert. „Unser Schulamt unterstützt umfassend und kooperativ“, sagt er. Die Hygieneregeln seien praktikabel. Die Zeit des Homeschoolings habe trotz Möglichkeiten, Wissen digital zu vermitteln und Lerninhalte digital zu üben, gezeigt: „Direkter Kontakt Mensch zu Mensch ist unschlagbar. Kinder und Jugendlichen gehören und wollen in die Schule. Aber Sicherheit und Gesundheit haben Priorität.“ Der Rektor der Grund- und Mittelschule Obing stellt fest: „Ich bin berührt vom überzeugenden Willen der Eltern und Kinder, zu einem geregelten Schulbesuch beizutragen.“ Die Erstklässler und ihre Familien würden zuversichtlich an den Start herangehen. „Er darf anders sein. Das ist nicht zwingend schlimm.“

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