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Serie zur Gebietsreform 1971 Zeitzeuge Karl Fischberger (Teil 2)

Entscheidung zum Verbleib von Schlicht fiel auf dem stillen Örtchen

Im Jahr 1976 wurden das neue Feuerwehrhaus und die Gemeindekanzlei in Soyen fertig gestellt.
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Im Jahr 1976 wurden das neue Feuerwehrhaus und die Gemeindekanzlei in Soyen fertig gestellt.

Altbürgermeister Karl Fischberger aus Soyen (2008 bis 2020) hat als Zeitzeuge der Gebietsreform von 1971 in historischen Unterlagen geblättert. Zusammen mit den Erzählungen des Altbürgermeisters Hans Zoßeder entstand auf diese Weise ein lebendiger Bericht.

Anmerkung der Redaktion: Die im Folgenden angeführten Original Zitate von Hans Zoßeder stammen aus einem Interview anlässlich der 1200 Jahrfeier der Gemeinde Soyen „Erinnerungen eines Altbürgermeisters“. Das Interview führte 2016 der Soyener Gemeinderat Dr. Hans Hinterberger.

Soyen – Das mit der Freiwilligkeit der Gebietsreform ist im Falle von Soyen und Schlicht so eine Sache. Der Gemeinderat Soyen beantragt in seiner Sitzung vom Oktober 1970 bei der Gemeinde Schlicht die Gemeindezusammenlegung.

Schlicht hatte über 200.000 DM Schulden

Sollte der Zusammenschluss der beiden Gemeinden nicht zustande kommen, sei mit einer Kürzung oder auch Streichung von Zuschüssen für Straßenbau, Wasserversorgung und dem gemeinsam geplanten Schulhaus-Neubau zu rechnen. Man ersucht die Gemeinde Schlicht bei der bevorstehenden Landtagswahl im November 1970 einen Bürgerentscheid über die Gemeindezusammenlegung im Zuge der Wahl zu veranlassen.

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Die Haushaltslage der Gemeinde Schlicht wurde von den Schlichter Gemeinderäten in der Sitzung vom März 1969 bereits als angespannt und sehr kritisch beurteilt und ein Antrag auf Bedarfszuweisung im Hinblick auf die gegenwärtige finanzielle Notlage gestellt. Das Problem entstand durch notwendige Baumaßnahmen und die schon viele Jahre fehlende Schlüsselzuweisung.

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Hans Zoßeder: „Die Schlichter wollten grundsätzlich allein bleiben. Da hat es keine Einigung gegeben. Es war eine Bürgerversammlung, die im Februar 1971 stattgefunden hat. Beim Wirt in Rieden.

Da hat Landrat Bauer (Josef Bauer, Landrat des Landkreises Wasserburg 1970 bis 1972) in der Versammlung am Schluss gesagt: ‚Sollten die Gemeinderäte mit der Zusammenlegung mit Soyen nicht einverstanden sein, würde er den Beschluss unterstützen. Sie können sich dann orientieren und alleine bleiben.‘

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Das Schlusswort von Bürgermeister Eduard Kleiner war, ich vergesse es meiner Lebtag nicht: ‚Nur durch die Zusammenlegung mit Schlicht könnte sich Soyen aus seinem Chaos retten.‘

Das war wörtlich vom Kleiner! Aber ich habe gedacht: Wer hat da Chaos? Ich ja wohl nicht!

Damals hat Schlicht über 200.000 DM Schulden gehabt, Soyen 37.000 DM. Schlicht hatte durch den Straßenbau, die hatten mehrere Straßen ausgebaut, die höheren Schulden. Obwohl in Schlicht die ausgebauten Straßen alle über den Straßenzweckverband Wasserburg gebaut wurden, war kein Quadratmeter Grund erworben, keine Vermessung, alle Straßen die Soyen von Schlicht übernommen hat, wurden erst von der Gemeinde Soyen vermessen und der Grunderwerb erledigt.“

Es knistert zwischen den Gemeinden – und das nicht gerade im romantischen Sinn. Erst in einer späteren Gemeinderatssitzung der Schlichter, wieder beim Wirt in Rieden (14. April 1971), wendet sich das Blatt.

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Hans Zoßeder ist auf Bitten des Zeiten Bürgermeisters der Gemeinde Schlicht, Georg Zenz vor Ort und nutzt damals einen Ort der Stille, um auf unkonventionelle Art letzte Überzeugungsarbeiten zu leisten und eine Abstimmung herbeizuführen.

Hans Zoßeder: „Da hat Kleiner dann gesagt: ‚Jetzt machen wir Pause. Pinkelpause.‘ Na gut, dann sind die alle raus, ich bin nachgegangen. Dann habe ich zu einem der Räte gesagt, ich glaube zum Schmied Simon: ‚Jetzt nehmt einen Zettel und schreibt ‚ja‘ oder ‚nein‘! So hat die Wirtin dann den Frucade-Block rausgerissen. Da hat jeder ‚ja‘ oder ‚nein‘ draufgeschrieben. So hat es die geheime Abstimmung ergeben, den Willen haben sie bezeugt: Sechs mit ‚ja‘. zwei mit ‚nein‘. Wenn man heute die Bücher liest, steht nur eine mit ‚nein‘. Weil ich dann gefordert habe, sie müssen noch Handzeichen geben und abstimmen. Sonst ist es kein Beschluss. So ist es gekommen, dass Schlicht in Soyen eingemeindet wurde. Es war aber eine Sache, die beim Wirt von Rieden im Häusl draußen ausgeredet worden ist. Schon interessant, das weiß kein Mensch.

Karl Fischberger, Bürgermeister in Soyen von 2008 bis 2020.

Wenn ich das nicht mal erzählen kann, dann erfährt es niemand. Es hat sich ja nichts verändert für Schlicht, alles nur Verbessert. Die Schlicht hat heute eine Gemeindeverwaltung, wie sie sie noch nie hatte. Schlicht hat heute alle asphaltierten Straßen von der Gemeinde Soyen erworben bekommen und vermessen. Die anderen, die noch nicht ausgebaut waren, haben wir noch ausgebaut. So ist es für Schlicht gelaufen.“

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Die Gemeinde Soyen in ihrer heutigen Form – Hans Zoßeder hat sie vorgedacht und durchgesetzt. Die „Frechheit“, die ihm einst sein Amtsvorgänger Hamberger unterstellt hat, hat sich ausgezahlt.

Hans Zoßeder, Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Soyen ist im März 2020 im Alter von 88 Jahren verstorben.

Staatsministerium wollte Soyen zum Stadtteil von Wasserburg machen

Die freiwillige Vereinigung bringt den Fortbestand der Gemeinde Soyen – vermutlich in letzter Sekunde. Denn in den Amtsstuben der höheren Behörden in München liegen längst andere Pläne vor: Soyen als ein Teil der Stadt Wasserburg im Landkreis Rosenheim. Schlicht als ein Teil des Marktes Gars im Landkreis Mühldorf.

Altbürgermeister Hans Zoßeder: „Da habe ich nach München gerufen: ‚Wo kommt jetzt Schlicht hin?‘ ‚Ja nach Mühldorf!‘ ‚Die haben wir doch im Februar schon eingemeindet, freiwillig zusammengelegt?‘ Da höre ich, wie das Papier raschelt in seinem Akt. Dann sagt er: ‚Tatsächlich, das haben wir übersehen…‘. Und so ist die Gemeinde Schlicht zu Soyen gekommen, wie dann die Zusammenlegung verpflichtend geworden ist. Sonst wäre die Gemeinde Soyen heute nicht mehr auf der Welt.“ In der Entscheidung des Bayerischen Innenministeriums vom 28. Juni 1971 zu der freiwilligen Eingliederung der Gemeinde Schlicht in die Gemeinde Soyen heißt es: „Die Bürger der eingegliederten Gemeinde (Schlicht) haben sich in einer geheimen Abstimmung mit Mehrheit (67 Prozent) gegen die Eingliederung ausgesprochen. Dem Antrag kann nicht entsprochen werden, weil die Gemeinderäte der beteiligten Gemeinde ihr Einverständnis zur Eingliederung trotz des negativen Ergebnisses der Bürgerabstimmung mit sechs zu einer Stimme erklärt haben.“

Soyen lehnt Aufteilung des Wasserburger Landkreises ab

Bürgermeister Eduard Kleiner verstirbt im Mai 1971, und so übernimmt der Zweite Bürgermeister Georg Zenz die Amtsgeschäfte der noch bestehenden Gemeinde Schlicht bis zur Eingliederung in die Gemeinde Soyen. In seiner letzten Sitzung am 30. Juni 1971 beschließt der Gemeinderat Schlicht noch über die Wahl der beratenden Mitglieder, die zukünftig dem Soyener Gemeinderat angehören sollten. Am 5. September 1971 fanden dann die ersten gemeinsamen Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen der neuen Gemeinde Soyen statt.

Am 21. Oktober 1971 befasst sich der Gemeinderat Soyen mit der Stellungnahme zum Anhörungsverfahren zur Gebietsreform, in der es um die Änderung der Landkreise ging. Der Vorschlag der Bayerischen Staatsregierung vom 6. Oktober 1971 mit der Aufteilung des Landkreises Wasserburg in vier Teile wurde vom Gemeinderat Soyen einstimmig abgelehnt.

Später gab es noch einen Beschluss des Gemeinderats Soyen vom April 1973, in dem der Gemeinderat auf Anfrage der Nachbargemeinden einen Zusammenschluss der Gemeinde Soyen mit der Einheitsgemeinde Attel/Edling als Verwaltungsgemeinschaft (eventuell mit den Gemeinden Pfaffing und Albaching) befürwortet. Dazu kam es jedoch nicht, da die Gemeinden Attel und Edling der Stadt Wasserburg zugeordnet wurden. Die Gemeinde Edling konnte 1978 ihre Selbstständigkeit wieder erlangen.

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