Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Entnahmeerlaubnis für Meggle

Edlings Bürgermeister sagt „Wasser für die Bürger hat Vorrang“

Bis zu drei Millionen Kubikmeter Wasser möchte die Molkerei Meggle ab 2020 aus dem Grundwasser auf dem Gemeindegebiet Edlings entnehmen. Das verunsichert nicht wenige Menschen. Cater
+
Bis zu drei Millionen Kubikmeter Wasser möchte die Molkerei Meggle ab 2020 aus dem Grundwasser auf dem Gemeindegebiet Edlings entnehmen. Das verunsichert nicht wenige Menschen. Cater
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
    schließen

Meggle und das Grundwasser von Edling: Wenn dieses Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderates steht, gibt es keinen freien Platz im Sitzungssaal zu ergattern. Das Thema bewegt die Menschen. Nicht wenige haben Angst, dass Edling irgendwann auf dem Trockenen sitzt - auch wegen des Klimawandels.

Edling – Die vorhandenen Sitzplätze für die Öffentlichkeit reichten zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung nicht aus. Kein Wunder, ging es doch bei den ersten beiden Tagesordnungspunkten auch um die Trinkwasserversorgung der Gemeinde.

Diese erschien durch einen Antrag der Molkerei Meggle auf Erhöhung der Grundwasserentnahme zur Deckung des möglichen Bedarfs in der Produktion für die nächsten 20 Jahren auch bei der Mehrheit der Gemeinderäte als gefährdet.

Vor allem die beantragte Entnahmemenge von bis zu drei Millionen Kubikmetern, die lange Laufzeit aber auch das „zu geringe Engagement“ der Stadt Wasserburg, das Reitmehringer Gebiet samt Molkerei Meggle wenigstens zum Teil mit eigenem Trinkwasser zu versorgen, sorgte für Verärgerung.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Am Ende einer 90-minütigen Diskussion mit anwesenden Vertretern des Landratsamtes, des Wasserwirtschaftsamtes und der neuen Werksleiterin der Molkerei Meggle, Gudrun Steppich, wurde jedenfalls ein ausführlich formulierter, einstimmiger Beschluss gefasst, der alle Einwendungen, Anregungen und Bedenken zusammenfasste.

Bis zu drei Millionen Kubikmeter Wasser

Bis zu drei Millionen Kubikmeter Wasser möchte die Molkerei Meggle ab 2020 aus dem Grundwasser auf dem Gemeindegebiet Edlings entnehmen. Die dazu nötige Erteilung einer wasserrechtlichen Genehmigung, zuständig Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt, sollte bis Jahresende 2019 eigentlich vorliegen, der entsprechende Antrag wird seit dem 6. August bearbeitet. Das bestätigte Klaus Sandforth vom Wasserwirtschaftsamt.

Da der Meggle-Brunnen indirekt aber auch auf den Grundwasservorrat der Gemeinde zugreift, geht allgemein die Sorge um, dass bei einer erhöhten Entnahmemenge – auch unter Berücksichtigung von möglichen Veränderungen im Klima – die Trinkwasserversorgung der Edlinger und Ramerberger Bevölkerung gefährdet sein könnte.

Gut 6000 Einwohner hängen derzeit am entsprechenden Wassernetz, inklusive die der Antonius-Siedlung in Reitmehring, deren Trinkwasser traditionell bisher aus dem Meggle-Brunnen stammt.

Dumm nur, dass für diesen Brunnen derzeit nur ein „funktionsloses Wasserschutzgebiet“ ausgewiesen ist, da die Grundwasserströme, anders als ursprünglich angenommen, unter dem Edlinger Ortsgebiet verlaufen und damit die Voraussetzungen für ein „echtes Wasserschutzgebiet“ entfallen sind.

Bürgermeister Matthias Schnetzer (CSU) fasste deshalb gleich zu Beginn der Sitzung die Problematik zusammen und erwähnte auch die bisherige Erfolglosigkeit weiterer Probebohrungen in den letzten zweieinhalb Jahren. „Das Wasser wird knapper, Nachhaltigkeit ist ei oberstes Gebot“, betonte er und lobte dabei die IG Wasser, die seit zwei Jahren im Dialog mit der Molkerei das komplexe Thema beackere.

Ziele seien, so Schnetzer, dass die „Wasserversorgung für die Öffentlichkeit absoluten Vorrang vor einer betrieblichen Nutzung“ habe, dass die Molkerei Meggle ihren Wasserbedarf deutlich reduziere und Wasserburg seinen Anteil an der Versorgung trage, was die Molkerei Meggle und die eigenen Bürger auf dem Stadtgebiet (Antonius-Siedlung) betreffe. Er könne sich in die Entscheidungen der Verwaltung und des Stadtrates in Wasserburg dort aber nicht einmischen.

Bauliche Schwierigkeiten

Den derzeitigen Stand des Verfahrens erläuterte Claudia Schweinöster, zuständig für das Wasserrecht im Landratsamt Rosenheim.

Sie bestätigte die Antragsgrundlagen und die benötigten eigens getrennt ausgewiesenen und getrennt beantragten 40 000 Kubikmeter Trinkwasser für den Siedlungsbereich Reitmehring bis hin nach Attel.

Bauliche Schwierigkeiten seien Grund für einen Nichtanschluss an die Wasserburger Versorgung. Eine Stellungnahme der Stadt läge bereits vor, allerdings noch keine von weiteren Verfahrensbeteiligten, wie der Gemeinde Edling selbst.

Ziel: Erlaubnis vor Jahreswechsel

Auch die des Wasserwirtschaftsamtes sowie des Gesundheitsamtes stünden noch aus, seien aber wesentlich. Jedenfalls werde das Bewirtschaftungsinteresse gründlich geprüft, Ziel sei, vor Ablauf der alten Genehmigung zum Jahreswechsel eine neue Erlaubnis zu erteilen.

Klaus Sandforth betonte als Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes, dass es bei drei Millionen Kubikmetern um keinen Pappenstiel ginge. Die Menge sei aus dem natürlichen Angebot zu decken.

Nachschub meist im Winter gebildet

Dabei werde nur das jährlich neugebildete Grundwasser als nutzbar angesehen. Der Grundvorrat würde nicht angetastet. Georg Hiebl (CSU) befürchtete dennoch eine „zu große Entnahme“, da auch anderweitig ein hoher Wasserbedarf bestehe. Sandforth verwies in dem Zusammenhang aber auf die „ergiebigen Niederschläge“ in der Region, es sei hier anders als im Norden Bayerns. Das meiste neue Wasser werde übrigens im Winter gebildet, teilte er die Anwesenden mit.

Sichtweise der Molkerei

Gudrun Steppich erläuterte die Sichtweise der Molkerei Meggle, nicht ohne auf die historische Bedeutung des betrieblichen Standortes, die Arbeitsplätze und die bisher schon erfolgte Reduzierung des aktuellen Verbrauchs von 2,7 auf 2,3 Millionen Kubikmeter hinzuweisen.

„Natürlich wird weiter nach betrieblichen Einsparmöglichkeiten gesucht, aber man muss auch in die Zukunft schauen, um konkurrenzfähig zu bleiben“, sagte sie. Planungssicherheit für eine erweiterte Produktion und weiteres Wachstum des Betriebes seien unverzichtbar. Leider bekäme man aus dem Bereich Wasserburg nicht so viel Wasser, wie nötig sei.

Planfeststellungsverfahren der B304 als Hindernisgrund?

Laut Angaben der Stadtwerke Wasserburg könnten bis zu 1,2 Millionen Kubikmeter pro Jahr geliefert werden, bestünden die baulichen Versorgungsmöglichkeiten, bestätigte Bürgermeister Schnetzer. Dass die Verzögerung der Versorgung über die Stadtwerke an den fehlenden Ausbau der B304 im Ortsbereich Reitmehring gekoppelt werde, „ist nicht einzusehen“.

„Die Fakten sind schon über zwei Jahre bekannt, derzeit wird in Reitmehring aufgerissen“, so Schnetzer. Er fragte, warum sei die Wasserversorgung hier nicht gleich mit aufgenommen worden?

Bevölkerung hat bei Engpässen Vorrang

Letztlich stelle sich auch die Frage, was nach dem 31. Dezember geschieht, wenn bis dahin keine Regelung gefunden werde. Hier schlossen sowohl Klaus Sandforth als auch Claudia Schweinöster von Seiten des Landratsamtes eine kurzfristige Verlängerung der Erlaubnis der bestehenden Wasserentnahme nicht aus.

Laut Schweinöster sei auch die für 20 Jahre beantragte Trinkwasserentnahme aus dem Meggle-Brunnen für die Antoniussiedlung durch das praktisch „funktionslose Wasserschutzgebiet“ bestimmt nicht möglich. Hier würden aber Kontrollen die Wasserqualität auf alle Fälle vorläufig sicherstellen.

Jakob Berger (CSU) wollte in diesem Zusammenhang grundsätzlich wissen, ob ein Rechtsanspruch auf die Entnahmemenge und -dauer von 20 Jahren bestünde, es könne sich ja auch bei Meggle was ändern. Hier verwies Schweinöster auf den Vorbehalt bei solchen Genehmigungen zur Gegensteuerung bei veränderten Umständen während der Laufzeit sowie bei Veränderung der Produktion vor Ort.

In jedem Falle hätte amtlicherseits die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser absoluten Vorrang bei Engpässen in der Förderung.

Trinkwasser bei der Babynahrung

Die Rechte der Gemeinde bei Einsprüchen im Verfahren hinterfragte Georg Berndl (CSU). Hier fand Schweinöster deutliche Worte. Das Landratsamt habe ein Bewirtschaftungsermessen, es würde alles gewürdigt, im Bescheid nachvollziehbar dargestellt, aber man werde sich auch über Bedenken Edlings hinwegsetzen, wenn andere Punkte wichtiger erschienen.

Einsparmöglichkeiten hinterfragt

Die Einsparmöglichkeiten im betrieblichen Produktionsablauf hinterfragte Helmut Hammerbacher (UBG). Die Menge des benötigten Trinkwassers besonders im Bereich der Reinigung (etwa 40 Prozent Anteil), welches neben dem Kühlwasser (circa 30 Prozent) eigentlich ebenfalls im Produktionsprozess aufbereitet werden könnte, erschien ihm zu hoch.

Prozesswasser wird wieder verwendet

Laut Werksleiterin verbessere man die Wiederverwendung des Prozesswassers laufend, man prüfe ständig Einsparungen, könne aber beim Reinigungswasser nicht auf Trinkwasserqualität verzichten, da zum Beispiel im Bereich Babynahrung besondere Anforderungen bestünden. Hier könnten keine Abstriche gemacht werden.

Auf Nachfrage von Sandra Waldherr (UBG), ob man sich auf Seiten der Molkerei Meggle nach einer neuen Fördererlaubnis ausruhen werde bei der Suche nach neuen Quellen, verwies Steppich auf die Risikominimierung, die den Betrieb selbst drängten, die Suche nach weiteren Wasserquellen zu verfolgen.

Niemand will Meggle hängen lassen

In diesem Zusammenhang verwies Bürgermeister Schnetzer auf den bestehenden Notverbund, der aber die Produktion bei Meggle nur einige Stunden aufrechterhalten könnte und damit planungstechnisch eher unbedeutend sei.

Kritik: Wasserburg duckt sich weg

Dass niemand die Molkerei Meggle hängen lassen wolle, betonte Helmut Hammerbacher (UBG), die nächsten fünf Jahre sollten aber wie auch Josef Krieger (ÜWG), Günther Weiß (ÜWG) und Bürgermeister Mathias Schnetzer (CSU) betonten, genutzt werden, den „Druck auf Wasserburg zu erhöhen, das sich nicht wegducken darf“, wenn es um die Versorgung des eigenen Stadtteils als Pflichtaufgabe gehe.

Befristete Entnahme

Deshalb setze man sich auch auf eine befristete Entnahme von 2,3 Millionen Kubikmetern durch die Molkerei Meggle bis 2024 ein. Dieser Zeitraum sollte laut Beschlussvorlage genügen, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, dass der Molkerei Meggle bis zu 1,2 Millionen Kubikmeter von Seiten der Stadtwerke Wasserburg zur Verfügung gestellt werden könnten.

Letztlich aber müsse eine Lösung für alle gefunden werden, so Bürgermeister Schnetzer. Man wolle aber bei Entscheidungen gegen die Interessen der Gemeinde Edling auch einen möglichen Klageweg nicht ausschließen.

Mehr zum Thema

Kommentare