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Patientenversorgung gefährdet

„Kosten haben sich verdreifacht“: Energiekrise bedroht Rehakliniken im Chiemgau

Rehakliniken benötigen sehr viel Energie, beispielsweise für medizintechnische Gerätschaften.
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Rehakliniken benötigen sehr viel Energie, beispielsweise für medizintechnische Gerätschaften.

Rehakliniken bangen um ihr Überleben: Die Energiekrise setzt ihnen besonders schwer zu. Das fordern Medical Park und Schön-Klinik deshalb von Politik und Kostenträgern.

von Heike Duczek und Stefan Kohlert

Amerang/Vogtareuth – „Überproportional“ seien die Häuser von den derzeitigen Preisentwicklungen betroffen“, bedauert Ulf Ludwig, Geschäftsführer von Medical Park mit Verwaltungssitz in Amerang, „weil sie sehr viel Energie benötigen und diese nicht ohne Weiteres einsparen können.“ So müssten medizintechnische Apparate ebenso betrieben werden wie therapeutische Bewegungsbäder. „Wir können die Geräte nicht einfach ausschalten und auch Temperaturabsenkungen in den Schwimmbädern würden die therapeutische Zielsetzung gefährden“, warnt der Geschäftsführer.

Kostensteigerung doppelt so hoch wie die Inflationsrate

Als Folge der Preisentwicklung hätten sich die Energiekosten gegenüber 2021 verdreifacht. Auch die hohen Lebensmittelpreise würden voll durchschlagen. „Die Kostensteigerung in den Kliniken ist daher etwa doppelt so hoch wie die Inflationsrate“, erklärt Ludwig.

Das bestätigt auch Philipp Däuber, Pressesprecher der Schön Klinik Vogtareuth: „Die gestiegenen Preise stellen für energieintensive Unternehmen, wie sie Kliniken nun einmal sind, eine große Herausforderung dar“, verdeutlicht er. Die enorm gestiegenen Preise der vergangenen Monate seien in den Klinikbudgets, die mit den Kostenträgern im Voraus verhandelt würden, nicht berücksichtigt worden, erklärt Däuber.

Die Mehrbelastung könnten die Kliniken nicht kurzfristig weitergeben, beispielsweise an Kostenträger wie die Deutsche Rentenversicherung, die Krankenkassen oder Versorgungswerke. Diese müssten durch Zuschläge die höheren Kosten ausgleichen, findet Ludwig. Doch die Bereitschaft dazu fehle. „Die starren Vergütungsmechanismen im Gesundheitswesen machen uns zu schaffen“, kritisiert er. „Das bringt die Kliniken in eine bedrohliche wirtschaftliche Situation.“

Investitionsstau und Folgen der Pandemie wirken nach

Für die Branche wirke sich laut Ludwig der jahrelange Investitionsstau nun doppelt problematisch aus: Veraltete Strukturen, erneuerungsbedürftige Technik und fehlende Digitalisierung würden einen deutlich erhöhten Energieverbrauch verursachen. Nach zweieinhalb Corona-Jahren fehle den Kliniken aber ohnehin das Geld für Investitionen. Diesen Problemen müsste sich die Politik annehmen, moniert der Geschäftsführer. „Der aktuelle Krankenhaus-Rating-Report des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung sieht 60 Prozent der 1.900 Akutkliniken in Deutschland in den roten Zahlen. 20 Prozent seien insolvenzgefährdet“, sagt Ludwig. Zwar gebe es für die Rehabranche keinen vergleichbaren Bericht, er gehe aber für die 1.100 Rehakliniken von mindestens ähnlichen Dimensionen aus.

„Wenn sich die Träger in Sachen Kostenausgleich nicht bald bewegen, gefährden sie nachhaltig unser Gesundheitssystem. Tausende Arbeitsplätze und letztlich eine zielgerichtete Patientenversorgung sind gefährdet“, resümiert Ludwig.

Verbesserungen können Ausgaben nur gering ausgleichen

Seit Jahren sei das Team dabei, die Medical Park Kliniken etwa am Chiemsee auf energiesparende Technik umzustellen. „Wir haben LED-Leuchtmittel installiert, Lüftung und Kühlsysteme beispielsweise in Serverräumen sind optimiert, in unseren Blockheizkraftwerken setzen wir auf Kraft-Wärme-Kopplung“, erklärt der Geschäftsführer. Trotzdem könnten diese Einsparungen die erhöhten Ausgaben nur zu einem geringen Prozentsatz kompensieren.“ Weitere Einsparpotenziale seien jetzt nur noch mit erheblichen Investitionen zu erreichen, verdeutlicht er.

Auch Däuber bestätigt, dass die Schön Klinik sich schon länger damit beschäftige, Energie einzusparen. 2020 habe sich die Klinikgruppe unter anderem verpflichtet, ein Prozent des Strombedarfs pro Patientenbett einzusparen, das sei gelungen und entspreche in etwa dem Energieverbrauch von rund 167 Drei-Personen-Haushalten. 2021 ist nach seinen Angaben auf der Basis einer weltweit gültigen Norm ein Energiemanagementsystem eingeführt und zertifiziert worden. Der Energieverbrauch werde erfasst, Maßnahmen zur Verbesserung würden daraus abgeleitet.

Behandlungsqualität in den Häusern darf nicht leiden

Für das laufende Jahr sei das Ziel, den Verbrauch an Strom, Gas, Fernwärme und Öl weiter zu reduzieren – unter anderem durch Optimierung sowie Anpassung der Betriebszeiten technischer Anlagen. Mittelfristig würde der Einsatz von Wärmepumpentechniken, die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen und energetische Gebäudesanierungen eine große Rolle spielen, erklärt Däuber. Darüber hinaus gäbe es Überlegungen, energieintensive Anlagen wie zum Beispiel die Wäscherei an energieeffizientere Anbieter auszulagern. Die Betreiber würden sogar prüfen, stillgelegte Ölheizungen im Ernstfall wieder hochzufahren.

Bei allen Bemühungen dürfe ein Ziel jedoch nicht aus den Augen geraten: „Sämtliche Maßnahmen sollten den Komfort und die Behandlungsqualität für Patientinnen und Patienten in unseren Kliniken nicht mindern.“

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