„ALLES FASSADE“

Endlich wieder Kunst: Pepe Kremer stellt im Wasserburger Ganserhaus aus

Optische Täuschung durch Licht und Schatten: Pepe Kremer aus Rott fotografiert Fassaden und lässt sie durch den Bildausschnitt wie abstrakte Gemälde wirken. Unser Bild zeigt ihn vor dem Zyklus „Blaue Perspektive“, entstanden in Wasserburg.
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Optische Täuschung durch Licht und Schatten: Pepe Kremer aus Rott fotografiert Fassaden und lässt sie durch den Bildausschnitt wie abstrakte Gemälde wirken. Unser Bild zeigt ihn vor dem Zyklus „Blaue Perspektive“, entstanden in Wasserburg.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Fassaden alter Häuser sind wie die Gesichter hochbetagter Menschen: Sie erzählen, was sie erlebt haben. Pepe Kremer aus Rott versteht es, Fassaden mit seiner Spiegelreflexkamera so in Szene zu setzen, dass sie wie abstrakte Gemälde wirken. Im Ganserhaus Wasserburg zeigt er ab 14. März seine Werke.

Wasserburg – Unperfekt, marode, ramponiert – und gerade deswegen schön: Das sind die Fassaden alter Häuser. Sie erzählen Geschichten, verbergen Geheimnisse, haben viel erlebt. Pepe Kremer aus Rott versteht es, sie mit seiner Spiegelreflexkamera so in Szene zu setzen, dass sie spektakuläre Kontraste, optische Täuschungen und eine Sogwirkung entfalten. Und dann schreinert er seinen Bildern einen Rahmen.

Streift mit Katrin Meindl vom AK68 durch die Ausstellung: Fotokünstler Pepe Kremer.

„Book&Look“

„Alles Fassade“ heißt seine Ausstellung im Ganserhaus, die am Sonntag, 14. März, um 13 Uhr beginnt und bis Sonntag, 11. April dauert. Besuchen kann man sie nach Voranmeldung unter Telefon 08071/4484. Öffnungszeiten sind donnerstags bis sonntags von 13 bis 18 Uhr.

Endlich wieder Leben im Ganserhaus

„Endlich kehrt wieder Leben ein“, freut sich Katrin Meindl, Zweite Vorsitzende des AK68, dem das Ganserhaus gehört. Seit Dezember war geschlossen wegen des Lockdowns. „Einfach mal weg von dem ganzen Corona-Gedöns, abschalten, sich freuen, was anderes sehen“, sagt sie beim Rundgang durch die Ausstellung.

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Mit Blick auf Vorbereitung und Aufbau spricht sie von einer Zitterpartie. „Alles hing und hängt von den Inzidenzen ab. In Rosenheim ist ja alles zu“, so Meindl.

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Kremer hat seine Bilder großformatig auf MDF-Platten drucken lassen und 60 Rahmen geschreinert. „Wir zittern jetzt noch, ob nicht die ganze Arbeit für die Katz‘ war“, sagt sie. Aber zumindest für diesen Sonntag sei alles in trockenen Tüchern und laufend trudeln Anmeldungen ein. Die Idee der Reporterin, das Prinzip „Book & Look“ zu nennen, gefällt Kremer.

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Er sagt, zum Glück hänge seine Existenz nicht von seiner Kunst ab, er lebe von seiner Schreinerei. Manchmal baut er seine Fotokunst auch in Möbelstücke ein, etwa in ein Sideboard. „Wie es Berufskünstlern in der Pandemie ergeht, das ist schon heftig“, sagt er.

Gefällige Schönheit ist unerwünscht

Seine ersten Bilder schoss Kremer als Kind, als er eine ausrangierte Kamera zu Weihnachten geschenkt bekam. Eine längere Schaffenspause gab es, als der Umbruch zur digitalen Fotografie kam – was aber an den Lebensumständen gelegen habe. „Da waren meine Kinder wichtiger und auch das Arbeiten“, erzählt der Rotter. Dann fand eine digitale Spiegelreflexkamera den Weg zu ihm und er legt wieder los. Seit rund zehn Jahren fotografiert er nun auf diese Art. Es wird nichts verfälscht und auch nichts bearbeitet.

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Unter den Exponaten, die der 61-Jährige im Ganserhaus aussstellt, sind auch Motive von Hausfronten aus Wasserburg und weiteren Orten in der Region. „Mein Hauptanliegen ist es, dass der Betrachter darin was entdeckt, sich fragt, warum ist da dieser Fleck? Oder welche Familie, welches Schicksal verbirgt sich hinter der Fassade? Sie erzählt eine Geschichte, wie das verlebte, zerfurchte Gesicht eines hochbetagten Menschen.“

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