Endlich wieder frei: So erlebte die neunköpfige Familie Gries aus Gars 14 Tage Quarantäne

Endlich darf Familie Gries wieder zusammen essen, spielen und kuscheln. Und endlich können sie wieder ihr Haus und ihren Garten verlassen, einkaufen und zur Schule gehen, Freunde einladen und Besuche machen: Johanna (7), Sabrina (2), Alex (8), Maxi (13, hinten von links); Angi (18), Larissa (16), Christine (20, mitte von links) mit Papa Manfred und Mama Anneliese (vorne).
+
Endlich darf Familie Gries wieder zusammen essen, spielen und kuscheln. Und endlich können sie wieder ihr Haus und ihren Garten verlassen, einkaufen und zur Schule gehen, Freunde einladen und Besuche machen: Johanna (7), Sabrina (2), Alex (8), Maxi (13, hinten von links); Angi (18), Larissa (16), Christine (20, mitte von links) mit Papa Manfred und Mama Anneliese (vorne).

Es war ein Schock für Familie Gries aus Lengmoos (Gemeinde Gars), als der Anruf des Gesundheitsamtes kam: Der obligatorische Corona-Test der 16-jährigen Tochter Larissa in ihrem Berufsfindungsjahr war positiv. Die Folge: 14 Tage Quarantäne. Kein leichtes Unterfangen für eine Familie mit sieben Kindern.

Von Jessica von Ahn

Gars – .Am Anfang gab es Tränen. „Wegen mir müssen jetzt alle in Quarantäne“, schluchzte die 16-jährige, als Mutter Anneliese Gries sie nach dem Bekanntwerden ihres positiven Testergebnisses von der Schule abholte. Zu Hause verbrachte die 16-Jährige die Tage in ihrem Zimmer. Krank fühlt sie sich zu keinem Zeitpunkt der Quarantäne. Das Essen stellten ihr die Eltern in ein Regal vor der Zimmertür. „Mit Handschuhen habe ich das Geschirr dann wieder abgeräumt, separat in der Spülmaschine gewaschen. Ein Bad war nur für sie reserviert“, sagte Anneliese Gries.

Auch für die übrigen Familienmitglieder hieß es: separat leben. „Jeder sollte in seinem Zimmer blieben. Das hat das Gesundheitsamt erwartet. Doch das ist bei uns unmöglich.“ Denn nicht jedes der Kinder hat ein eigenes Zimmer, einige Schlafräume befinden sich im Keller mit wenig Sonnenlicht. „Und wie sollte ich denn ein zweijähriges Kind auf Distanz halten?“

Spürbare Auswirkungen der Isolation

Doch selbst bei den älteren Kindern ließen sich die Vorgaben nur schwer umsetzen. Der achtjährige Alex ist an Diabetes erkrankt, vor allem nachts können ihn die Eltern nicht alleine lassen. Zudem ließ sich der Zuckerspiegel des Sohnes in der Quarantäne anfangs nur schwer regulieren. Auch bei der siebenjährigen Johanna machte sich die Isolation mehr und mehr bemerkbar: Sie fing an zu stottern. „Alex und Johanna dachten doch: Wenn die Schwester das Virus hat, würde sie sterben“, sagt Mutter Anneliese.

Mit Masken im Haus

In den ersten Tagen seien alle mit Masken im Haus herumgelaufen, hätten immer Abstand gehalten. „Aber das hält keiner lange durch. Als dann unsere ersten Testergebnisse negativ ausgefallen waren, haben wir das gelockert. Die Zuckerwerte von Alex wurden wieder besser. Und Johanna stotterte weniger.“

Dank eines streng geplanten Tagesablaufs gelang es der Familie immer besser, den neuen Alltag zu ertragen. Nach und nach spielte sich auch das Homeschooling ein. Dennoch sei die Zeit in der Quarantäne tränenreich gewesen. Die Kinder keiften sich öfters an als sonst. Und die Zweitklässlerin Johanna weinte täglich, wenn ihre Schulkameraden morgens an ihrem Haus vorbei und ohne sie zum Schulbus gingen.

Das könnte Sie auch interessieren:

So meistert eine Soyener Großfamilie die Corona-Krise

Erkältung oder Corona? Mein Kind hat Symptome - darf es zur Schule?

Auch einen 18. Geburtstag feierte die Familie in Quarantäne: Angi war die (Un-)Glückliche. „Wir haben um 24 Uhr mit ihr angestoßen, aber das Erwachsenwerden hat sie sich einfach ganz anders vorgestellt.“ Die Familie grillte an diesem Tag, jeder suchte sich im Garten einen Platz mit viel Abstand. So saßen sie dann zusammen – und feierten doch noch ein bisschen.

„Das Schlimmste war, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein“, berichtet Vater Manfred Gries. „Es war ja nicht einmal möglich, den Rasenschnitt wegzufahren oder Druckerpapier zu kaufen.“ Freunde haben den Großeinkauf übernommen: „Sie haben immer wieder nachgefragt, ob sie wirklich 60 Eier kaufen sollten. Oder ob sechs Kilo Nudeln richtig sind.“

Keine weiteren positiven Tests

Nach zehn Tagen war die Quarantäne für Larissa um, so hatte es das Gesundheitsamt für sie festgelegt. Doch über die wiedererlangte Freiheit konnte sich die 16-Jährige zunächst nicht so recht freuen. Sie hatte Angst vor den Reaktionen der Klassenkameraden und der Mitschüler aus dem Musikunterricht. „Alle waren doch ihretwegen in Quarantäne“, erklärt die Mutter. Die gute Nachricht: Bei keiner Kontaktperson – weder in der Familie, Schule, dem Musikverein oder im Freundeskreis – fiel das Testergebnis positiv aus.

Ein Glas Sekt auf die Freiheit

Nach 14 Tagen war dann die Quarantäne für alle Familienmitglieder vorbei. Endlich. „Wir wollten eigentlich feiern, hatten geplant, Frühstücken zu gehen“, berichtet Mutter Anneliese. „Aber drei Arzttermine kamen uns dazwischen.“ Die zweijährige Sabrina musste zum Kinderarzt, Angi zum Kieferorthopäden und Mutter Annelies brach ein Zahn zu Anfang der Quarantäne ab.

Viel zu schnell haben Schule und Arbeit alle wieder im Griff. Immerhin: „Wir haben um Mitternacht mit etwas Sekt angestoßen“, sagt die siebenfache Mutter. „Und am ersten Sonntag nach der Quarantäne sind wir wandern gegangen. Einfach nur laufen, laufen, laufen. Und wieder Energie tanken.“

Kommentare