Freude bei Kindern und Eltern in der Region: Spielplätze nach Corona-Schließung wieder offen

Schaukeln, rutschen, wippen: Ida Luckabauer (9, links) und Josefine Falk (7) sind nach den Ausgangsbeschränkungen der vergangenen Wochen nicht mehr daheim zu halten, weil endlich die Spielplätze wieder freigegeben sind. Klemm
+
Schaukeln, rutschen, wippen: Ida Luckabauer (9, links) und Josefine Falk (7) sind nach den Ausgangsbeschränkungen der vergangenen Wochen nicht mehr daheim zu halten, weil endlich die Spielplätze wieder freigegeben sind. Klemm
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
    schließen

Ida ist außer Rand und Band, schlägt Räder in der sattgrünen Wiese, saust die silberne Rutsche auf dem Spielplatz im Burgerfeld hinunter und hängt sich kopfüber in das Netz am Klettergerüst. „Hier ist es schon cool, ich kann machen, was ich will und mich austoben“, sagt die Neunjährige aus Wasserburg.

Wasserburg – Der Grund: Endlich sind die Spielplätze nach dem Corona-Lockdown wieder geöffnet.

Endlich darf Ida Luckabauer (9) aus Wasserburg sich nach dem Corona-Lockdown zum Spielen wieder mit Freunden auf dem Spielplatz treffen. Das Mädchen hat keine Geschwister, der heimische Garten ist klein. „Für sie waren die letzten Wochen ein bisschen härter als für unsere Kinder“, sagt Regine Falk, die mit ihrer Tochter Josefine (7) und der quirligen Ida aus der Nachbarschaft zum Spielplatz geradelt ist.

Das könnte Sie auch interessieren: Aus dem Corona-Tagebuch einer Wasserburger „Familienmanagerin“: Mit Pumuckl und Mebis cool bleiben

Die Ausgangsbeschränkungen seien sehr zu Lasten der Eltern und Kinder gewesen.

Die Falks haben zwei Kinder und einen großen Garten mit Holzpferd und Kletterbäumen. Die Geschwisterkinder hatten immerhin noch einander. „Oft musste ich an die Familien denken, die weder Garten noch Balkon haben. Für die hat die Öffnung der Spielplätze vermutlich einen noch größeren Stellenwert“, so Regine Falk.

Entlastung für die Eltern

Dass die Mädchen und Buben in Bayern jetzt wieder Toben, Schaukeln und Rutschen dürfen, „das ist wieder ein bissl Freiheit für die Kinder – und für die Eltern eine Entlastung. Weil es nun einfach ein zusätzliches Freizeitangebot gibt: den Spielplatz“. Ein stückweit Normalität kehre damit zurück.

+++

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

+++

„Ich will Rutschen“, ruft Ida und saust zu dem kleinen Hügel, Josefine hat sie im Schlepptau. Regine Falk sieht den Mädchen zu und freut sich für sie. In Zeiten der Ausgangsbeschränkungen, wo alle Schulen geschlossen waren, die Eltern plötzlich Lehrer sein mussten, gleichzeitig Homeoffice oder ihre reguläre Arbeit sowie den Haushalt auf die Reihe zu kriegen hatten, sei für viele Familien die Belastungsgrenze erreicht gewesen.

Urlaub mit Homeschooling gepaart

Sie habe sich drei Wochen Urlaub nehmen können. „Da ist es am Anfang noch lustig mit Homeschooling. Aber dann wird es zach“, sagt die zweifache Mama. Ohne Zeit- und Arbeitsdruck ginge das ja noch. Aber wer beruflich in dieser Konstellation voll abliefern müsse, habe es ungleich schwerer. „Die Luft ist raus, es reicht“, sagt sie über die Situation für die Familien.

Erwachsene könnten sich theoretisch selbst regulieren, wenn in Zeiten des Lockdowns alle daheim aufeinander hocken, beispielsweise um 4 Uhr aufstehen, um in Ruhe zu arbeiten, oder eben nachts. „Aber schlimm ist zuzusehen, wie die Kinder leiden. Und dass man nichts tun kann, weil man nicht handlungsfähig ist wegen der Umstände“, so Falk.

„Kinder brauchen Kinder“

Man könne sich noch so tolle Programme zur Unterhaltung ausdenken, „aber Kinder brauchen Kinder. Man kann ihnen die Freunde nicht ersetzen“. Auch seien andere erwachsene Bezugspersonen wichtig. Da dürfe man die Bedeutung der Lehrer nicht unterschätzen.

„Meine Tochter hat mich beim Homeschooling eingewiesen, wie ich meine Rolle als Ersatzlehrer zu machen habe. Sie hat Lob eingefordert, mir gesagt, ,da gehört aber ein Häkchen hin oder ein Smiley drunter‘ .“ Wenn Eltern plötzlich auch noch Lehrkräfte sein müssen, bedeute dies Stress und eine Belastung für die Eltern-Kind-Beziehung, ist Regine Falk überzeugt.

Ida hat zwei Harry-Potter-Bände ausgelesen

Ihr Tochter Josefine sagt, „ich hab mich sehr gelangweilt“ im Lockdown. Zum Glück durfte sie auf Mamas Handy in der Audiothek Geschichten anhören. „Ich kenne jetzt alle Folgen von Figarino mit seinem Fahrradladen und seinem Piratenkater Long John.“ Wie sich die Mama so als Lehrerin gemacht hat? „Na, ein bissl streng war sie schon, finde ich“, sagt die siebenjährige Josefine. Ihre Freundin Ida seufzt laut und rollt mit den Augen. „Meine Mama war ja total oft in der Telefonkonferenz. Also ich freu mich schon, meine Lehrer wieder zu sehen.“

Einmal die Woche Video-Chat mit der Klasse

Ida besucht die dritte Klasse der Grundschule „Am Gries“. Einmal die Woche gibt es einen Klassen-Video-Chat. „Damit wir quatschen können miteinander, was wir so tun“, erklärt Ida. Zum Beispiel, dass sie jetzt Lesen gut findet. Zwei Harry-Potter-Bücher hat sie schon ausgelesen und ist jetzt beim dritten Teil angelangt. Sie hat einen Deal mit ihren Eltern: Wenn sie einen Band liest, darf sie den Film dazu sehen.

„Ja, viele Kinder haben das Lesen für sich entdeckt“, freut sich Regine Falk. Auch ihre Tochter Ida, die die erste Klasse besucht. Wie es im Moment aussieht, wird Josefine ab 18. Mai wieder Präsenzunterricht haben, Ida hofft auf eine Rückkehr vor Pfingsten. Da ist noch eine Zeit lang hin. Rumsausen, hüpfen, wippen, von der Schaukel springen, das ist es, was im Moment für die Mädchen zählt. Und den Spielplatz neu für sich entdecken. Es ist zwar noch der selbe Platz, die selben Geräte. Aber, „das ist einfach alles so toll“, so Ida.

Mit Erkundung der Natur Kinder durch den Lockdown gebracht

Auch Sarah Schallwig ist mit drei ihrer vier Kinder auf dem Spielplatz. „Endlich können sie wieder in Gesellschaft sein. Auch wenn sie anderen Kindern nicht nah sein dürfen, ist doch endlich wieder Leben um sie herum und die ganzen Reize sind wieder da. Da ist wichtig“, sagt die 41-Jährige. Den Lockdown habe sie mit ihren Sprößlingen (3,5,7 und 13 Jahre) recht gut hinbekommen. „Wir haben die Natur erkundet, noch viel mehr als sonst. Und das haben die Kinder sehr positiv erlebt.“

Mehr zum Thema

Kommentare