Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Elfriede Kolbeck aus St. Wolfgang züchtet Dackel: Kult auf vier Pfoten

Elfriede Kolbeck und Paco, der den Dackelblick perfekt beherrscht. Duczek

Jahrzehnte galt er als der „Uncoole“ unter den Hunden. Der Dackel verkörperte quasi das deutsche Spießertum. Ein Sinnbild: der Wackel-Dackel im Auto älterer Herren mit Hut. Doch die Hunderasse erlebt derzeit eine Renaissance. Züchterin Elfriede Kolbeck weiß, warum.

St. Wolfgang/Landkreis – Wenn er sein Gegenüber mit seinen dunkelbraunen Knopfaugen anschaut, vermittelt Paco den Eindruck, als könnte er kein Wässerchen trüben. Doch er hat es faustdick hinter den Ohren. „Er ist halt ein Dackel“, sagt sein Frauchen erklärend. „Dackel sind Sturköpfe, eigenwillige Charaktere, die mitdenken und Befehle hinterfragen.“

Sieben Hunde unter einem Dach

Elfriede Kolbeck beherbergt daheim in St. Wolfgang gleich sieben dieser Charakterköpfe auf vier Beinen: Divana (15 Monate), Xina (sechs Jahre), Wenke (sechs Jahre), Vita (vier Jahre), Paco (neun Jahren), Lenz (sechs Jahre) und Jasko (acht Jahre). Wer mit so vielen Hunde-Persönlichkeiten unter einem Dach lebt, ist natürlich prädestiniert für das Ehrenamt als Vorsitzende des Dackelklubs für die Sektion Altötting-Mühldorf (Inn-Salzach-Region). Er hat 76 Mitglieder, die seit 31 Jahren die Ehre des Dachshundes mit den kurzen Beinen hochhalten.

Früher verspottet, heute beliebt

Das war nicht immer einfach, denn der Dackel galt lange als typischer Begleiter älterer Herren und Damen, wurde als „langgezogene Handtasche“ verspottet. Auch Expertin Elfriede Kolbeck wuchs nicht mit einem Dackel, sondern mit einem Schäferhund auf. Es war ihr Mann, der vom Dackel schwärmte – weil seine Großmutter ein tolles Exemplar der Gattung gehabt hatte, mit dem der Enkel so gerne spielte. 2004 überredete er seine Frau, das Dackel-Geschwisterpaar Anja und Axa aufzunehmen. Es war Liebe auf den ersten Blick, erinnert sich Elfriede Kolbeck. Das Glück war perfekt, nachdem sich mit den ersten beiden Welpen 2006 der Zuchterfolg einstellte. Anja kletterte die Karriereleiter hoch, gewann diverse Wettbewerbe. Das Ehepaar Kolbeck packte das Zuchtfieber.

Lesen Sie auch: Bayerns vielleicht schnellster Dackel kommt aus Mühldorf

Heute bestimmen die sieben Vierbeiner den Alltag im Zwinger in St. Wolfgang. Länger als eine halbe Stunde können Elfriede Kolbeck und ihr Mann das Haus nicht verlassen. Wenn doch, benötigen sie einen Hundesitter. Die Kinder – darunter eine Tierärztin – helfen bei der Bändigung der tierischen Bewohner. Trotzdem: Urlaub? Geht nicht. Doch Elfriede Kolbeck kann damitleben. „Nicht ohne meinen Dackel“, lautet ihr Motto. Es gibt kaum einen Abend, den sie allein auf dem Sofa verbringt. Stets gesellt sich einer der Sieben zu ihr.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Trotzdem ist die Dackelexpertin nach wie vor die Herrin im Haus. Erziehung ist wichtig beim Dackel, sonst übernimmt er das Kommando, weiß sie aus Erfahrung. „Der Dackel ist kein Pudel, der brav ist, weil er gefallen will. Der Dackel hat seinen eigenen Kopf.“ Damit er Herrchen und Frauchen nicht auf Letzterem herumtanzt, „muss er immer wissen, wer der Boss ist. Und das bin ich. Wenn er das nicht weiß, nutzt er das schamlos aus.“

Ein Vierbeiner, der arbeiten mag

Es gibt Dackel, berichtet die Expertin, die haben schon Ehen zerbrochen, weil sie Mann und Frau gegeneinander ausgespielt haben. Und welche, die die ganze Wohnungen zerlegen – aus purer Langeweile. „Denn der Dackel will gefordert sein. Er will arbeiten.“ Auch deshalb ist er der ideale Familienhund. Kinder halten mit ihrer oft verspielten Art den Vierbeiner auf Trapp. Da der kleine Hund außerdem so handlich ist und so verschmust, wird er immer häufiger angeschafft. In Wasserburg beispielsweise sind im Steueramt 21 Dackel gemeldet (darunter fünf Mischlinge, zwei Zwerg- und zehn Rauhaardackel). Insgesamt gibt es in der Stadt 536 Hunde.

Damit der Dackel nicht der Herr im Haus wird, ist Erziehung sehr wichtig, sagt Elfriede Kolbeck. Jeder sollte deshalb die Schulbank in der Hundeschule drücken, denn ohne Training lernt der Vierbeiner das Folgen nicht. Der Dackelklub mit Ausbildungsplätzen in Waldkraiburg und Mühldorf bietet spezielle Kurse für Welpen und Fortbildungen für erwachsene Vertreter dieses Rasse an. Die Dackel lernen, an der Leine zu gehen, zu schwimmen, zu jagen, Fährten nachzuspüren. Und die Halter lernen, die Sturköpfe zu bändigen, ohne ihren Charakter zu bekämpfen.

Lesen Sie auch: Kniffliger Fall: Wie Hund „Baba“ einen dreisten Täter überführte

Der ist von Hund zu Hund verschieden, sagt die Expertin. Sie muss es wissen, schließlich hat sie sieben Exemplare daheim – vom eher verschmusten Paco, der es sich gerne auf der Couch gemütlich macht und von hier aus seine Umwelt beobachtet, bis zur quicklebendigen Divana, die am liebsten durch den Garten tobt. Die Welpen kommen schon mit ihren besonderen Persönlichkeitsmerkmalen auf die Welt, berichtet die Züchterin. Der eine eignet sich eher für die Jagd, der andere ist so perfekt gebaut, das er Schönheitswettbewerbe gewinnt, einer ist ein Flitzer, ein anderer ein Stöberer.

Partnervermittlung per Internet

Das Erfolgsgeheimnis der Zucht: die perfekten Paare zu finden. Die Partnerschaftvermittlung verläuft – wie beim Menschen heute oft üblich – über das Internet. Oder auf Zuchtschauen. Wenn die Hündin läufig ist, darf sie den Rüden treffen – in der Regel müssen die Züchter beim Paarungsakt nicht nachhelfen. Jede Zuchtstätte wird vom Zuchtwart des Klubs abgenommen, regelmäßige Kontrollen sind an der Tagesordnung.

Im Klub geht es jedoch nicht nur um die Zucht, sondern auch um den Erfahrungsaustausch. In einer Hundeschule, in der auch andere Rassen vertreten sind, fühlt sich der Dackelhalter schnell wie ein Außenseiter, berichtet Elfried Kolbeck. Denn ein junger Dackel tut sich anfangs schwer mit dem Folgen. In den Kursen des Dackelklubs haben alle die gleichen Probleme. „Das tut der Seele gut“, sagt die Vorsitzende. „Die Mitglieder verstehen dich, wenn Dir Dein Dackel abhaut. Der Besitzer eines Golden Retrievers versteht das nicht. Trotzdem: Mir ist der Dackel lieber. Er ist halt ein ganz besonderer Hund.“ Paco schaut sie dabei mit seinem Dackelblick an – auch wenn er manchmal seinen Kopf durchsetzt: Böse sein kann sie ihm nicht.

Kommentare