Gefahrguteinsatz

Eiselfing: Lkw-Fahrer lässt hunderte Liter ätzende Flüssigkeit einfach am Straßenrand ablaufen

Der Gefahrguteinsatz bei Hafenham, Gemeinde Eiselfing
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Der Gefahrguteinsatz bei Hafenham, Gemeinde Eiselfing
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Unfassbarer Umweltfrevel bei Eiselfing: Der weißrussische Fahrer eines Gefahrgut-Sattelzuges hat rund 500 Liter einer ätzenden Flüssigkeit einfach neben die Straße bei Hafenham abgelassen.

Hafenham, Gemeinde Eiselfing - Der Großeinsatz für Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und weitere Fachkräfte der Sicherheitsbehörden wurde am 29.10.20 um 09.15 Uhr ausgelöst. Der Einsatzgrund: „Ein Gefahrgutlaster hat mehrere hundert Liter einer Flüssigkeit einfach ins Erdreich abgelassen. 

Der Gefahrguteinsatz bei Hafenham, Gemeinde Eiselfing

Vor Ort mussten die zahlreichen Einsatzkräfte das eigentlich Unfassbare feststellen. Ein 40-jähriger weißrussischer Fahrer eines Gefahrgut-Sattelzuges hatte tatsächlich zirka 500 Liter einer ätzenden Flüssigkeit einfach neben die Straße bei Hafenham abgelassen, nachdem ihn eine Eiselfinger Tankreinigungsfirma wegen seines nicht leeren Anhängers zuvor abgewiesen hatte. Als der Lkw-Fahrer bei der gleichen Tankreinigungsfirma erneut um die Reinigung anfragte, kam dortigen Mitarbeitern der plötzliche Verlust des Gefahrgutes komisch vor und verständigte sofort die Polizei.

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Bagger trägt verseuchtes Erdreich ab

Die schnell eingetroffenen Einsatzkräfte sperrten den gefährdeten Bereich weiträumig ab und die Spezialkräfte der Feuerwehr erkundeten die Gefährdungssituation. Letztlich konnte eine unmittelbare Gefährdung im Umfeld der Einsatzstelle zum Glück ausgeschlossen werden. Um Schäden für die Umwelt vorzubeugen wurde frühzeitig begonnen, das verunreinigte Erdreich mit einem Bagger bis zu acht Meter tief abzutragen und der sicheren Entsorgung zuzuführen. Diese Arbeiten werden noch bis die Abendstunden andauern. Personenschäden gab es nicht.

Der Gefahrguteinsatz bei Hafenham, Gemeinde Eiselfing

Bis zum 100 Kräfte im Einsatz

Im Einsatz waren bis zu 100 Einsatzkräfte der Feuerwehren Wasserburg, Eiselfing, Aham, Bachmehring, sowie der Gefahrgut-Zug der Landkreis-Feuerwehr aus Prien und Bernau. Ebenso waren im Einsatz ein Katastrophenschutz-Team des Landkreises sowie der Kreisbrandrat. Des Weiteren war der Rettungsdienst vor Ort und Fachkräfte des Landratsamtes und Wasserwirtschaftsamtes, als auch der Bürgermeister der Gemeinde Eiselfing. Die Polizei Wasserburg war mit einigen Streifen vor Ort und nahmen den Lkw-Fahrer wegen des Verdachts einer Umweltstraftat vorläufig fest. Ein Team des Gefahrguttrupps der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim übernahm unter Fachleitung der Staatsanwaltschaft Rosenheim die Sachbearbeitung.

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Der Weißrusse wurde nach erfolgter erkennungsdienstlicher Behandlung und Zahlung einer Sicherheitsleistung wieder entlassen. Neben einer empfindlichen Strafe wird auf den Fahrer sowie der polnischen Spedition des Sattelzuges hohe Kosten für den Einsatz und die Entsorgung kommen.

Lkw-Fahrer droht Strafanzeige

„Es handelt sich um einen Straftatbestand, der LKW-Fahrer handelte vorsätzlich“, bestätigt Markus Steinmaßl, Leiter der PO Wasserburg auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Bei der abgelassenen Flüssigkeit handle es sich um eine ätzende Chemiekalie, die zur Herstellung von Beton gebraucht wird.

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Der Lkw-Fahrer wurde von einer Tankreinigungsfirma, bei der er seinen Tank reinigen lassen wollte, abgewiesen, weil sein Tank nicht leer war. „Die Firma kann ja nur einen entleerten Tank reinigen“, so Steinmaßl weiter. Der Lkw-Fahrer hätte zum Entleeren eine Sonderentsorgungsfirma aufsuchen müssen. „Diesen Aufwand wollte er sich offenbar sparen und ließ die Gefahrstoffe am Straßenrand an. Als er recht schnell wieder beim Tankreiniger auftauchte, kam dem das spanisch vor, dass der Fahrer so plötzlich die 500 Liter losgeworden war und verständigte die Polizei“, sagt Steinmaßl lobend.

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