Einsturzgefahr droht: Die Wasserburger Stadtmauer bekommt eine Stütze

Instabil ist die Stadtmauer, in vielen Bereiche hat die Stärke sehr gelitten.
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Instabil ist die Stadtmauer, in vielen Bereiche hat die Stärke sehr gelitten.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Die Stadtmauer ist – neben der Burg und dem Rathaus – das wichtigste Bauwerk der historischen Altstadt. Seit bekannt ist, dass sogar Schichten aus dem 13. Jahrhundert erhalten geblieben sind, steht die Wehranlage noch mehr im Fokus des Interesses. Doch die immer wieder geflickte Mauer ist in Gefahr.

Wasserburg – Die mittelalterliche Befestigungsanlage droht zu zerbröseln – im schlimmsten Fall einzustürzen. Die Stadt startet 2021 eine große Rettungsaktion.

Enge Gassen erschweren die Sicherung der Stadtmauer

Im Mittelpunkt der Arbeiten im Bauabschnitt eins, der sich vom Friedhofstor bis zum Roten Turm zieht, steht nicht nur die Behebung der Schäden im Mauerwerk, sondern auch die Sicherung der Statik. Denn die ursprüngliche Mauerstärke von 3,36 Metern ist an einigen Stellen bis auf unter 50 Zentimeter zusammengeschrumpft, berichtete Felix Martin vom beauftragten Fachbüro im Stadtrat.

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Viel Spielraum, dies zu ändern gibt es jedoch nicht, denn zur Stadtseite hin befinden sich hier in den Gassen Garagenausfahrten. Bei einem Ortstermin mit Anliegern stellte sich heraus: Die Anwohner könnten nicht mehr ein- oder ausfahren, wenn die Mauer verbreitert oder zur Stadtseite hin abgestützt würde. Die Garagen befinden sich hier seit über 100 Jahren – sie haben quasi Bestandsschutz.

Stadtmauer wird von der Friedhofsseite her abgestützt

Der Stadtrat folgte deshalb der Empfehlung des Experten, die Mauer von der Friedhofsseite aus abzustützen. In Absprache mit der Friedhofsverwaltung und dem Landesamt für Denkmalpflege werden an vier Stellen ohne Gräbern Pfeiler mit horizontalen Balken gesetzt – eine Stahlkonstruktion, die nicht direkt an die Wand gestellt, sondern punktuell auf Abstand mit Zugankern, die die Mauer halten werden, versehen wird. Das soll optisch kaum auffallen.

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Während der Bauarbeiten können die Häuser für zwei bis drei Monate nicht angefahren werden. Auch ein Autokran kommt zu Einsatz, erläuterte Martin zu den Details der aufwendigen Maßnahmen. Der Stadtrat nahm den Vorschlag befürwortend zur Kenntnis. Die Arbeiten beginnen vermutlich im Herbst 2021. Die Stadt erwartet einen 50-prozentigen Zuschuss für die Finanzierung der Maßnahmen. Die Gesamtsanierung der mittelalterlichen Befestigungsanlage wird vermutlich über zwei Millionen Euro kosten.

Älteste Schicht aus dem 13. Jahrhundert

Auch das Mauerwerk wird saniert. Als historisch wertvoll gilt das Fischgrätmuster in der unteren, ältesten Schicht – eine Besonderheit, die nur noch am Haager Bugturm auftauche, so der Gutachter. In den oberen Teilen ist kleinteiliger gemauert worden – auch mit Ziegelbruch. Wasser hat den Materalien zugesetzt, die Betonabdeckung, aufgetragen im vergangenen Jahrhundert, ist marode.

Das Efeu an der Mauer ist ebenfalls geschützt. Es wächst hier seit 150 Jahren. Die Stadtmauer ist Bau- und Naturdenkmal gleichermaßen.

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