Kampf dem Müll

Verein „Ramadama“ ist auch 20 Jahre nach der Auflösung aktuell in Haag

Drei Pioniere in Sachen Abfallbeseitigung (von links): Werner Glasl, Charlotte Suchland und Sissy Schätz, als der Verein noch aktiv war.
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Drei Pioniere in Sachen Abfallbeseitigung (von links): Werner Glasl, Charlotte Suchland und Sissy Schätz, als der Verein noch aktiv war.
  • vonLudwig Meindl
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„Wegen Erfolgs aufgelöst“. Mit dieser Schlagzeile endete vor 20 Jahren die Geschichte des Haager „Müllvereins“. Die Früchte der Initiative genießen die Bürger heute noch, davon ist die damalige Vorsitzende und heutige Bürgermeisterin Sissi Schätz überzeugt.

Haag – An eine Bürgerinitiative, die bis heute ihre Auswirkungen hat, erinnerte Bürgermeisterin Sissi Schätz im Rahmen einer Dienstbesprechung im Haager Rathaus. Die Ziele seien erreicht, hieß es vor 20 Jahren. Das waren die Sanierung und Rekultivierung der Mülldeponie, die Senkung der Müllgebühren, das Einrichten eines Wertstoffhofs und das Aufstellen von Containern.

Die „Aktionsgemeinschaft Müllvermeidung, Sortierung und Verwertung“ war aus der Protestbewegung gegen die Mülldeponie des Landkreises im Haager Westen am Schachenwald entstanden. „Es hat permanent gestunken“, so die heutige Bürgermeisterin im Rückblick. Aus der Bewegung, die Heide Schmidt-Schuh organisierte, formierte sich der „Müllverein“, für den sie dann den Vorsitz über zehn Jahre übernommen habe.

Vorreiter in den 90er Jahren

„Wir haben uns Gedanken über die Verbesserung der Abfallsituation gemacht und diese umgesetzt“, erinnert sie sich. Erstaunlich klingt heute, dass damals in den 90er-Jahren schon die digitale Erfassung der Tonne vorgeschlagen wurde. Der Antrag kam aus Haag von Kreisrat und „Müllvereins“-Mitglied Egon Barlag. Das System der Chips ist heute Standard. Bürgermeisterin Sissi Schätz ist überzeugt: „Das trägt automatisch zum Reduzieren des Mülls bei. Jeder wirft nicht mehr alles in die Tonne.“

Umweltfreundliche Heftumschläge und Plastiksammlung

Weiter leitete der „Müllverein“ Vorschläge an die Schulen weiter zu umweltfreundlichen Heftumschlägen und Abfallvermeidung. Im „Hödl-Hof“ trafen sich die Mitglieder mit „Kolping“ zum Plastiksammeln in „Riesensäcken“. Daraufhin erfolgte der Abtransport zur Wiederaufbereitung. Im Zuge der aktiven Müllpolitik wurde Haag einer der ersten Wertstoffstandorte des Landkreises. „Das hat super funktioniert“, erinnert sich die damalige Vorsitzende. Die Bürger habe man damals schon an das Sortieren gewöhnt.

Herbert Zeilinger senior hatte dann die Idee des „Ramadama“. Man schwärmte einen Tag lang auf das gesamte Gemeindegebiet aus, um Abfall einzusammeln. Heute treffen sich zu dieser jährlichen Aktion im Durchschnitt 100 Helfer.

„Das bessere Mühlkonzept“

Zur Durchsetzung gelangte schließlich das „bessere Müllkonzept“. Vorher wurden die Tonnen wöchentlich geleert, dann kam die 14-tägige Abfuhr. Heute hat sie der Bürger zehnmal hinauszustellen, wofür er auch zahlen muss.

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Neben Kassier Werner Glasl tat sich Charlotte Suchland als Vordenkerin für verpackungsarmes Einkaufen und saisonales Verwenden von Gemüse hervor. „Daran haben damals vor 25 Jahren nur wenige gedacht“, so Schätz. Unermüdlicher Mitstreiter war Franz Moser, der zum Müllsammeln stets die Pflaster für Schnittwunden bereithielt – und sich meist auch selber verletzte.

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Die Akten der Mülldeponie von damals sind heute im Rathaus gelagert und können eingesehen werden. „Ramadama“ wurde zum Selbstläufer. Ein Verein für die Abfallwirtschaft ist nicht mehr nötig, resümiert Bürgermeisterin Sissi Schätz, doch könnte nach dem Vorbild des „Ramadama“ noch so einiges getan werden.

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