Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Festakt zu Landkreisjubiläum

Einst zu klein, heute eine echte Größe: Landkreis Erding feiert 50-jähriges Bestehen

Stolz und Erleichterung: Landrat Martin Bayerstorfer bei seiner Rede im festlichen Ambiente des Klement-Saals.
+
Stolz und Erleichterung: Landrat Martin Bayerstorfer bei seiner Rede im festlichen Ambiente des Klement-Saals.
  • VonTimo Aichele
    schließen

Mit weniger als 80.000 Einwohnern lag der Kreis Erding bei der Landkreisreform 1972 unter der geforderten Größe. Von den einst 143 bayerischen Landkreisen blieb nur die Hälfte übrig. Warum Erding am Ende Glück hatte.

Isen/Landkreis Erding – Auch der Landkreis Erding war 1972 von Auflösung bedroht. Doch die Landkreis-Gebietsreform ging gut fürs Erdinger Land aus - und war der Startpunkt für eine Erfolgsgeschichte. Nun traf sich die Politik zum Festakt anlässlich dieses Jubiläums.

Nur knapp der Auflösung entgangen

Anfang der 1970er Jahre hätte sich wohl mancher Bayer gewundert, was 50 Jahre später landauf, landab als Erfolgsgeschichte gefeiert wird. Denn die Landkreis-Gebietsreform war höchst umstritten. Der damalige Vilsbiburger Landrat sprach von einem „Schafott für die Landkreise“, und tausende Wasserburger protestierten vor der Staatskanzlei. Verständlich, schließlich waren am Ende diese beiden unter den 72 Landkreisen, die 1972 aufgelöst wurden – und beinahe hätte es auch Erding getroffen. „Um ein Haar hätten wir dieses Jubiläum gar nicht feiern können, drohte doch die Auflösung des Landkreises“, sagte Landrat Martin Bayerstorfer am Montag beim Festakt in Isen.

Erleichterung und Stolz

Die älteren unter den rund 120 Ehrengästen im Gasthaus Klement – amtierende und frühere Bürgermeister, Kreisräte sowie weitere Vertreter des gesellschaftlichen Lebens – konnten sich noch lebhaft erinnern. Vielleicht mischte sich bei ihnen auch etwas Erleichterung in den Stolz der jüngeren Politiker auf den kraftstrotzenden Boom-Landkreis Erding.

Denn mit knapp unter 80 000 Einwohnern lag der Kreis Erding damals unter der vorgegebenen Schwelle. Von einst 143 bayerischen Landkreisen blieb am Ende nur die Hälfte übrig. Viele Gemeinden mit unter 2000 Einwohnern wurden aufgelöst, und Kommunen unter 5000 Einwohnern wurden zu Verwaltungsgemeinschaften zusammengefasst. Das Ziel dieser Reform beschrieb Regierungspräsident Konrad Schober in seinem Grußwort: „Das war damals nötig, um ein effizientes Arbeiten damals zu kleinen Landkreisen zu ermöglichen.“

Kommunen aus Mühldorf und Wasserburg

Der Landkreis Erding blieb also bestehen und war nur in Randbereichen betroffen. Zum 1. Juli 1972 wuchs er um die ehemalige Gemeinde Schwindkirchen aus dem Kreis Mühldorf sowie um das Gebiet der Gemeinden Isen, Mittbach, St. Wolfgang, Schiltern, Schnaupping, Westach und Pemmering aus dem aufgelösten und in der Folge viergeteilten Kreis Wasserburg. Isen und St. Wolfgang blieben eigenständige Kommunen. Goldach kam zum Landkreis Freising dazu.

An die Emotionen in betroffenen Orten erinnerte die Isener Bürgermeisterin Irmgard Hibler. Rund um Isen sei „der Blick immer Richtung Süden, also Wasserburg und Alpen, gerichtet“ gewesen. „Als gebürtige Mittbacherin wusste ich gar nicht, dass es Erding überhaupt gibt“, sagte sie unter Gelächter der Festgesellschaft. „Heute schätzen wir, wie attraktiv sich Erding entwickelt hat.“

Bayerstorfer stand vor der Herausforderung, als Festredner für seinen erkrankten Vorvorgänger, Altlandrat Hans Zehetmair, einzuspringen. Es gelang, der 56-Jährige trug den von dem Altphilologen mit literarischen und lateinischen Zitaten gespickten Text flüssig vor, der einen weiten Bogen vom frühen Mittelalter bis heute schlug.

Große Lösung versus Heimatgedanken

Zehetmair war zum Zeitpunkt der Reform Vize-Landrat und berichtet über den damaligen CSU-Innenminister: „Bruno Merk war für eine große Lösung, Erding und Freising sozusagen als Flughafenregion zusammenzulegen.“ Er selbst, so Zehetmair, habe dagegen Position bezogen und mit dem Heimatgedanken argumentiert. Sein heutiges Fazit: „Der Landkreis ist gestärkt aus der Reform hervorgegangen.“

Diesem Programmteil mussten die Festgäste durchaus ihre volle Konzentration widmen. Der offizielle Schlusspunkt war dann, schon etwas lockerer, die Bayernhymne, zu der sich der ganze Saal erhob. Begleitet von der Blaskapelle Isen zeigten sich dann viele der Ehrengäste über volle drei Strophen textsicher. Und das Menü rund um Ochsenbackerl als Hauptgang bildete schließlich den entspannt geselligen Ausklang.

„Regelung ist schlichtweg dumm“

„Ein nettes Zuckerl“ für Autofahrer aus Isen und St. Wolfgang brachte FW-Kreisrätin Maria Grasser zur Sprache: das historische Kfz-Kennzeichen WS (Wasserburg) für die Bereiche, die in dem bis zur Reform existierenden Landkreis gelegen hatten. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) bügelte das in der Kreistagssitzung ab, die direkt vor dem Festakt in St. Wolfgang stattfand. Bereits vor Jahren habe dies der Kreistag einstimmig abgelehnt, nachdem es seit 2013 die Möglichkeit gibt, Kennzeichen wie WS, VIB und MAI für aufgelöste Altlandkreise zu vergeben. Insbesondere die damaligen Bürgermeister von Isen und St. Wolfgang, Fischer und Schwimmer, hätten sich dagegen ausgesprochen. „Die Regelung ist schlichtweg dumm“, so Bayerstorfer. Denn während ein St. Wolfganger mit WS am Auto herumfahren dürfte, könne ein Schwindkirchener kein MÜ anbringen – „weil das kein Altlandkreis ist“.

Kommentare