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Betreuer gesucht

Wenn Eltern mal durchschnaufen müssen: Wasserburger Stiftung Attl unterstützt Familien mit behinderten Kindern

Hildegard Rotbucher mit ihrer Tochter Regina: Die alleinerziehende Mutter genießt die Zeit für sich, die ihr der Familienunterstützende Dienst der Stiftung Attl ermöglicht.
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Hildegard Rotbucher mit ihrer Tochter Regina: Die alleinerziehende Mutter genießt die Zeit für sich, die ihr der Familienunterstützende Dienst der Stiftung Attl ermöglicht.
  • VonBirgit Schlinger
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Die Tochter ist schwer krank, ihre Mutter pflegt sie zuhause. So ist es bei Hildegard Rotbucher, die mit Regina nahe Amerang wohnt. Die Alleinerziehende kümmert sich um ihre mehrfach schwerbehinderte Tochter, sobald diese von der Heilpädagogischen Tagesstätte nach Hause kommt. Doch wer unterstützt die Mutter?

Wasserburg/Attel – Seit vielen Jahren verhilft der familienunterstützende Dienst der Stiftung Attl (FUD) seinen Klienten zu einer wertvollen Auszeit – sowohl bei den Menschen mit Assistenzbedarf als auch bei ihren Angehörigen.

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So mancher kennt das ambulante Angebot noch unter dem Begriff „Familienentlastender Dienst“. Aber nach einer internen Neuausrichtung im vergangenen Jahr scheint Angelika Klein der neue Name treffender: „Wir bieten eine Unterstützungsleistung an, die im Rahmen der Verhinderungspflege, des Entlastungsbetrages oder der Freizeitassistenz abgerechnet werden kann. Das Angebot richtet sich sowohl an Angehörige, damit diese wieder Kraft tanken können, aber auch an unsere Klienten mit Unterstützungsbedarf, die diese Zeit nach ihren Wünschen gestalten.“

Angebot für Klienten und Angehörige

Hilfe erfahren hier auch die Rothbuchers in Amerang. Seit vier Jahren unterstützen zwei Betreuerinnen des FUD Mutter und Tochter. „Das Gute an diesem Modell ist, dass eine der beiden Betreuerinnen eigentlich immer Zeit hat, wenn ich Bedarf anmelde. Ich kann mich außerdem zu 100 Prozent darauf verlassen, dass sie pünktlich sind“, erzählt Hildegard Rotbucher. „Wir planen zwar prinzipiell im Voraus, aber manchmal brauche ich auch spontan eine Betreuung für Regina.“

Glücksfall für beide Seiten

Ihre Tochter sitzt im Rollstuhl und kommuniziert nur über Mimik und Gestik. „Regina braucht jemanden, der sehr viel Geduld hat. Auch wenn ich Hilfe von meiner Familie und Freunden erfahre, möchte ich deren Einsatz nicht überstrapazieren.“ Mit den Mitarbeiterinnen kann die Amerangerin die Zeiten festlegen – und nach Bedarf mit Freunden Essen gehen oder auch mal ein paar Stunden für einen längeren Ausflug anmelden.

Gemeinsam bespricht sie mit den Betreuerinnen, was Regina gern macht. Dazu gehören Spazierengehen, gemeinsame Brotzeiten, Vorlesen oder Musizieren. „Jede Unterstützungskraft hat ihre eigenen Stärken, von denen Regina profitiert. Sie haben vielseitige Angebote und machen Sachen mit ihr, die ich einfach nicht kann, wie ihr auf der Gitarre ein Lied vorspielen. Diese Auszeiten sind ein Glücksfall für uns beide.“

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Auch wenn Regina nicht spricht, kann die Mutter sehr gut einschätzen, ob ihr die Auszeit gefallen hat – je nachdem, wie sich ihre Tochter danach verhält. „Bislang hat sie sich immer gefreut. Denn das sind auch besondere Stunden für sie, wenn ihr jemand seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit schenkt.“

Angelika Klein ist für die Familien die erste Ansprechpartnerin beim FUD. Sie klärt in einem Erstgespräch den Bedarf und plant das Personal. Außerdem arbeitet sie mit den Familien die Betreuungsvereinbarung aus, die den inhaltlichen und zeitlichen Rahmen der Unterstützung festlegt. Je nach Pflegegrad stehen den Familien durch Pflegekasse beziehungsweise durch den Bezirk eine gewisse Anzahl von Stunden im Monat zu, die flexibel eingeteilt werden können. Die Abrechnung übernimmt dann die OBA – Offene Betreute Angebote, dem der FUD organisatorisch in der Stiftung Attl zugeordnet ist.

Lydia Brunnlechner weiß, dass ihr Bruder Walter mit Brigitte Steffan (rechts) eine gute Zeit verbringt. Die Ausflüge mit der Betreuerin fördern seine Selbstständigkeit und erweitern seinen Horizont.

Walter bekommt mehr Kontakt zu Menschen außerhalb der Familie

Wie wichtig die Unterstützung für Angehörige ist, weiß auch Lydia Brunnlechner. „Wir haben den FUD damals als Startpunkt gesehen für die Zukunft meines Bruders Walter“, sagt sie. Über den FUD und auch ergänzend über die Freizeitangebote der OBA - Offene Betreute Angebote in Wasserburg sollte der heute 54-Jährige mehr Kontakt zu Personen außerhalb der Familie bekommen.

Fotoalbum erinnert an gemeinsame Ausflüge

Betreuerin Brigitte Steffan kommt inzwischen seit ein paar Jahren zu Walter und hat eine enge Bindung zu ihm aufgebaut. Die gelernte Krankenschwester mit viel Erfahrung in der Heilerziehungspflege hat ihm von den gemeinsamen Ausflügen im vergangenen Jahr ein Fotoalbum gestaltet. Ausflüge zum Moorlehrpfad oder ins Museum, Minigolfen, Eisessen oder Bastelstunden finden sich hier wieder. „Ich kann allen Familien nur raten, dass sie sich öffnen und das Angebot des FUD wahrnehmen, weil es wirklich eine Entlastung ist“, betont Lydia Brunnlechner, und erklärt weiter: „Familie allein kann diese Vielfalt gar nicht leisten.“

FUD-Leiterin Angelika Klein

Interview mit FUD-Leiterin Angelika Klein

Seit fünf Jahren betreut Angelika Klein den FUD in Wasserburg. Die Sozialpädagogin koordiniert etwa

13 Betreuer und Betreuerinnen sowie 30 Familien. Die jüngste Klientin des FUD ist drei Jahre, der älteste ist 82 Jahre alt. Etwa 20 Prozent sind Kinder- und Jugendliche, 80 Prozent im Erwachsenenalter. Der FUD gehört organisatorisch zur OBA ( Offene Betreute Angebote der Stiftung Att)l.

Wie können Familien Unterstützung anfordern?

Angelika Klein : Die Familien können jederzeit Kontakt mit mir aufnehmen. In einem Erstgespräch geben wir einen Überblick über die Möglichkeiten und Grenzen des FUD. Leider können wir nicht jeder Anfrage sofort nachkommen und müssen auf unsere Warteliste verweisen. Kontakt aufzunehmen, lohnt sich allerdings immer. Manchmal zieht eine Familie um oder beendet die Zusammenarbeit. Oder jemand, so wie jetzt Walter, wechselt auf eine Wohngruppe.

An wen richtet sich das Angebot?

Klein: Das Angebot dient natürlich den Klienten – es soll für sie immer eine gewinnbringende Zeit sein. Aber auch die Angehörigen profitieren davon. Sie erhalten mal Zeit zum Durchschnaufen, und wenn es nur zwei oder drei Stunden sind. Mal für sich sein, sich unbeschwert mit Freunden treffen, etwas Schönes unternehmen – das bleibt für viele sonst auf der Strecke. Die Angehörigen wissen, dass sie sich auf die Übungsleiterinnen und Übungsleiter verlassen können. Das erleichtert ihnen das Loslassen. Oft gehen die Betreuungen über Jahre, sodass die Beziehung zwischen Familie und den Übungsleitern sehr vertrauensvoll wird.

Was können Sie anbieten?

Klein : Welche Angebote wir durchführen, hängt von den Vorstellungen der Familien ab. Manche wünschen sich zum Beispiel Zeit zum Lesen oder einen Museumsbesuch. Andere wollen ein Bewegungsangebot für ihren Angehörigen und sei es, wenn man eine kleine Spazierrunde auf dem Weg zum Kaffeetrinken einlegt. Wichtig für uns ist, dass wir gut im Gespräch sind und die Wünsche klar geäußert werden.

Die Betreuer werden gut auf ihre Aufgaben vorbereitet, durch die Fachkräfte der OBA gecoacht und dauerhaft begleitet. FUD ist allerdings mehr als Organisation und Durchführung der Betreuungen. Wir stehen bei allen Fragen rund ums Thema Behinderung zur Verfügung und versuchen, gemeinsam mit den Familien Lösungen zu entwickeln.

Was erwarten Sie von den Betreuern und Betreuerinnen?

Klein : Die Übungsleiter sollten Offenheit, Freude am Umgang mit Menschen und Geduld mitbringen. Eine Fachausbildung ist für diese Tätigkeit nicht notwendig, auch wenn einige Mitarbeitende über eine solche verfügen.

Wie setzen Sie die Betreuungskräfte ein?

Immer zwei Personen betreuen abwechselnd möglichst langfristig eine Klientin oder einen Klienten – natürlich prüfen wir im Team, wer zu wem passt. Derzeit kümmern sich etwa 13 Betreuerinnen und Betreuer um 30 Familien, wobei Alter und Grad der Bedürfnisse sehr stark variieren. Das Angebot steht und fällt mit unserem Team: Je mehr Betreuer zur Verfügung stehen, desto besser.

Wie profitieren die Betreuungskräfte von der Arbeit?

Klein: Die Betreuer können ihre Stärken und persönlichen Fähigkeiten in die Arbeit einbringen. Viele erzählen mir, dass sie mit ihren Klienten eine schöne und erfüllende Zeit verbringen. Egal ob sie Familien im FUD oder die OBA im Freizeitbereich unterstützen – diese Zeit ist für alle ein Gewinn.Interview Birgit Schlinger

Weitere Betreuer gesucht

Der Familienunterstützender Dienst der Stiftung Attl (FUD) und die OBA (Offene Betreute Angebote) suchen dringend Unterstützung: Betreuer oder Betreuerinnen im FUD oder in der OBA für Freizeitangebote, im Ehrenamt oder auf Stundenbasis. Ansprechpartnerinnen sind Angelika Klein (FUD), Theresa Fuchs (Leitung OBA) und Ulrike Ott, (Freizeit OBA). Sie sind erreichbar über Telefon 08071/102 855 und per Mail an ba@stiftung.attl.de

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