Einzelhandel im Lockdown

Einkaufen jetzt auch per „Click & Collect“: Wasserburger Geschäfswelt begrüßt Entscheidung

Gefragt in Wasserburg: ein Schaufensterbummel, bei dem sich auch Kundin Michaela Wolf beim Innkaufhaus einen Artikel ausguckt, den sie sich nach Hause liefern oder neuerdings auch vor die Ladentür zur Abholung stellen lassen kann.
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Gefragt in Wasserburg: ein Schaufensterbummel, bei dem sich auch Kundin Michaela Wolf beim Innkaufhaus einen Artikel ausguckt, den sie sich nach Hause liefern oder neuerdings auch vor die Ladentür zur Abholung stellen lassen kann.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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  • Heike Duczek
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Der verlängerte Lockdown trifft den Einzelhandel schwer. Doch die Wasserburger Geschäfte sind kreativ, wenn es darum geht, neue Verkaufskonzepte zu entwickeln. Jetzt hat der Freistaat die Erlaubnis gegeben, den Abholservice „Click & Collect“ zu nutzen. Das wurde auch Zeit, finden die Geschäftsleute.

Wasserburg – „Gut, dass es nun endlich möglich ist, Kunden bestellte Ware auch an der Ladentür kontaktlos zu übergeben“, sagt Moritz Hasselt, Vorsitzender des Wirtschaftsförderungsverbandes (WFV). „So ein Schwachsinn, dass es bisher verboten war“, nimmt der Wirtschaftsreferent des Stadtrates, Christoph Klobeck, kein Blatt vor den Mund. „Im Supermarkt stehen die Leute seit Wochen aufeinander – und wir dürfen erst jetzt unsere Waren auch am Geschäft übergeben“, verdeutlicht Klobeck seine Frustration über die zögerliche Haltung des Freistaates, bei dem erst jetzt ein Umdenken in Richtung „Click & Collect“ kam.

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Klobeck: „Warum soll es nicht erlaubt sein, eine Exklusivberatung anzubieten?“

Klobeck ist der Meinung, trotz Lockdown könnte es sogar einen Schritt weitergehen: „Warum soll es nicht erlaubt werden, eine Exklusivberatung anzubieten?“ Als Beispiel nennt er sein Bettenfachgeschäft: Hier könnte auch eine Eins-zu-Eins-Beratung zum Matratzenkauf stattfinden – zu einem festgelegten Termin, hinter geschlossenen Türen, mit Abstand hinter Plexiglasscheiben, mit FFP-2-Masken und einem angeschlossenen Luftreinigungsgerät beispielsweise. So etwas müsste auch in Textilgeschäften möglich sein – „bei einer Art private Shopping“, wie Klobeck vorschlägt.

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Click and Collect im Handel: Ein Hoffnungsschimmer – nicht für alle

„Click & Collect“ wird auch nach Einschätzung von Hasselt als Rettungsanker für den Einzelhandel überschätzt. Denn es gebe bereits viele kreative Wege für den Verkauf in Corona-Zeiten. „Wasserburg liefert“ ist ein Beispiel: Auf der Internetseite des WFV sind Geschäfte mit Kontaktmöglichkeiten aufgelistet, die ihre Ware nach Hause zu den Kunden bringen. Viele nutzten vor allem kurz vor Weihnachten diese Chance. Dass Kunden ihre Produkte auch gerne an der geschlossenen Ladentür zu einer vereinbarten Uhrzeit abholen wollen, kann sich Klobeck gut vorstellen. Denn: „Die Leute wollen rausgehen – und wenigsten ein wenig Einkaufsstadtfeeling schnuppern.“ An der Ladentür stellen Klobeck und sein Team deshalb die Ware ab – und legen die Rechnung einfach bei.

Hasselt: „Wer in Wasserburg einkaufen will, kommt an sein Produkt

Schon vor der offiziellen Erlaubnis, per „Click & Collect“ einkaufen zu dürfen, haben Händler in Wasserburg ähnlich verfahren: Sie haben beispielsweise bei einem Geschäft, das noch offen hat, weil es Artikel des täglichen Gebrauchs wie Lebensmittel verkauft, ihre Ware zum Abholen abgegeben. „In Wasserburg helfen wir zusammen“, freut sich Klobeck über die gelebte Kollegialität.

Überblick: So kommt „Click and Collect“ bei den Händlern in Region an

„Fast jeder von uns ist schon seit dem ersten Lockdown sehr aktiv, wenn es darum geht, mit den Kunden in Kontakt zu bleiben. Ich glaube, ich darf mit Fug und Recht für mich und meine Kollegen behaupten: Wer in Wasserburg einkaufen will, kommt an sein Produkt – auch im Lockdown“, ergänzt Hasselt.

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Wichtige Brücke: das Schaufenster. In seinem Uhren- und Schmuckgeschäft erlebt der WFV-Vorsitzende oft, dass Kunden hier ausgestellte Ware abfotografieren, ihm das Bild per Mail zuschicken und sich das Schmuckstück zustellen lassen – und jetzt seit Genehmigung von „Click & Collect“ zu einem vereinbarten Termin am Laden abholen.

Umfrage im Einzelhandel: „Eine Chance zum Überleben“

Die Buchhandlung Herzog setzt auf „Click & Collect“, wie Filialleiterin Monika Herzog-Lamers bestätigt. Im Geschäft gibt es dafür extra eine Abholbox, bezahlt werden kann auch per Überweisung. Die Buchhandlung bietet ihren Kunden aber auch andere Möglichkeiten an, um Waren zu erhalten. Im Umkreis von zehn Kilometern liefern die Mitarbeiter die bestellten Bücher aus. Natürlich sei der Umsatz nicht so hoch wie sonst, „aber wir überleben“, so Herzog-Lamers.

„Click und Collect“ ist auch für Benjamin Gorgs vom Ezigaro Vapeshop Wasserburg die beste Möglichkeit, die Kunden weiter zu beliefern. Auf seiner Webseite können Waren bestellt werden. Den Zeitpunkt der Abholung mache er meistens über Whatsapp mit den Kunden aus. Es sei eine gute Möglichkeit für ihn, auch in Lockdown-Zeiten weiterhin Handel mit E-Zigaretten zu treiben.

Beim Handwerkshop Würth ist es sogar weiterhin möglich, persönlich einzukaufen, zumindest für Geschäftskunden. „Wir stellen die Grundversorgung im Bereich Handwerk da“, so ein Mitarbeiter der Niederlassung Wasserburg. Wem allerdings der längere, persönliche Kontakt zu risikoreich sei, der könne sich auch über „Click & Collect“ die Waren holen oder direkt online bestellen und sie liefern lassen.

Click & Collect: So funktioniert es

Bayern erlaubt dem Einzelhandel nun auch den Abholservice „Click & Collect“. Online-Bestellungen dürfen künftig im Laden abgeholt werden, wie Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger nach der jüngsten Kabinettssitzung in München sagte. „Das ist für viele Händler, gerade auch für den kleineren Einzelhandel, vielleicht der letzte Strohhalm.“ In anderen Bundesländern war der Service bislang schon erlaubt. Bayern hatte davon bislang aber aus Angst vor Kundenansammlungen vor den Geschäften Abstand genommen. Die Abholung der Ware soll laut Bayerischer Staatskanzlei unter Einhaltung der Abstandsregeln möglich sein – in Zeitfenstern und mit FFP2-Masken.

Verlängerung des Lockdown: „Wir werden es überleben“

Wasserburg – „Wir werden die Verlängerung des Lockdown überstehen“, ist Moritz Hasselt, Vorsitzender des Wirtschaftsförderungsverbandes (WFV) Wasserburg, überzeugt. „Es sind harte Zeiten für den Einzelhandel, es wird auch in Wasserburg den einen oder anderen treffen, der die Krise nicht überlebt. Doch ich bin optimistisch, dass es nicht zu einem großen Innenstadtsterben kommen wird.“

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Mut macht dem Vertreter der Geschäftswelt in Wasserburg die Erfahrung aus dem Sommer, als die Kunden nach dem ersten Lockdown wieder in die Stadt geströmt seien und fleißig eingekauft hätten. Auch die Gastronomie sei wieder gut gefüllt gewesen. Trotz Kurzarbeit und Arbeitsplatzsorgen bei manchen Bürgern hätten die meisten in Oberbayern viel Geld im Portemonnaie – auch weil sie 2020 keine Reisen unternehmen konnten und es weniger Einkaufsmöglichkeiten gab. „Wenn wir wieder aufmachen dürfen, werden die Leute ihr Geld auch ausgeben“, ist Hasselt überzeugt.

Der Lockdown habe zwar viele Menschen – auch ältere – in den Online-Handel getrieben. „Doch ich erlebe auch eine große Solidarität der Kunden gegenüber dem örtlichen stationären Einzelhandel“, stellt er fest. Viele würden bewusst die Bestell und Liefermöglichkeiten der Wasserburger Geschäfte nutzen – statt Amazon und Co. Eigene Online-Shops aufzubauen, sei bei vielen Einzelhändlern jedoch kaum möglich. Der Aufwand für die Pflege sei enorm, außerdem sei es sehr schwer, gegen die großen Plattformen anzukommen und gefunden zu werden. „Wenn du ein tolles Produkt hast, ist es einfach, wenn du 1000 Produkte einstellen musst, ist es den Aufwand nicht wert“, so Hasselt.

„Es hilft nichts. Die Gesundheit der Menschen geht vor“, sagt er angesichts der Tatsache, dass das Weihnachtsgeschäft stark gelitten hat und vor allem Textilgeschäfte unter dem ausgefallenen Schlussverkauf leiden. „Wir müssen es jetzt durchziehen. Je besser wir uns an die Auflagen halten, desto schneller sind wir durch.“

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