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Nachruf

Einer der bekanntesten Tankstellenbetreiber verstorben: Trauer um Wasserburger Original

Robert Zeislmeier
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Robert Zeislmeier
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Er war ein Wasserburger Original: geradeheraus, zielstrebig, fleißig, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen: Wasserburg trauert um Robert Zeislmeier, Seniorchef der gleichnamigen Tankstelle, der nur fünf Tage vor seinem 85. Geburtstag überraschend nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist.

Wasserburg – Am Donnerstag, 25. August, ist um 10 Uhr der Seelengottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Jakob mit anschließender Urnenbeisetzung auf dem Altstadtfriedhof.

Um Robert Zeislmeier trauern die Angehörigen – Ehefrau Marianne, Sohn Robert, Schwiegertochter Claudia und die Enkel Patrick und Adrian, die Mitarbeiter im Betrieb, einige schon seit über 40 Jahren dabei, und viele Menschen im Wasserburger Land. Denn die Tankstelle Zeislmeier an der Salzburger Straße, aufgebaut vom Verstorbenen, ist eine der bekanntesten in der Region.

Arbeit und Familie waren sein Leben

In der Stadt und im Umland kennen viele den engagierten Unternehmer, der bis zuletzt präsent im Betrieb war.

„Mein Vater war hart zu sich selbst – manchmal auch gegenüber anderen Menschen, aber immer gerecht“, charakterisiert Sohn Robert Zeislmeier junior den Verstorbenen. Die Arbeit und die Familie waren sein Leben, berichtet er. Für Hobbys habe der Vater kaum Zeit gehabt, obwohl er Mitglied in vielen Wasserburger Vereinen war. Erst in den letzten Jahren seien er und seine Mutter, die stets eine Einheit gebildet hätten, gerne mal für ein verlängertes Wochenende nach Südtirol gereist.

Gelernter Müller

Dafür war lange keine Zeit, denn Robert Zeislmeier war Unternehmer durch und durch. Geboren wurde er als ältester Sohn am 16. August 1937 auf einem Bauernhof in Mainburg in der Hallertau. Er wuchs behütet mit seinen zwei Schwestern und seinem Bruder auf. Die Eltern betrieben neben der Landwirtschaft auch eine Mühle und ein Sägewerk. Robert Zeislmeier lernte deshalb den Beruf des Müllers.

Aus dem Nichts heraus Betrieb aufgebaut

Als Kind auf dem Land bekam der Pferdeliebhaber gravierende Ereignisse vom Krieg nicht mit, berichtet der Sohn. Sein Vater ging nach Landshut und heiratete 1966 seine Frau. Gemeinsam starteten sie als Pächter einer Tankstelle in München durch. Doch Robert Zeislmeier wollte auf eigenen Beinen stehen. Das Ehepaar beschloss, in Wasserburg eine eigene Tankstelle zu eröffnen. Aus dem Nichts heraus hätten die Eltern den Betrieb aufgebaut – „mit 200 Mark Wechselgeld in der Kasse“, erinnert sich der Sohn. Die anfängliche „Bruchbude“ wurde saniert und als „freie Tankstelle Zeislmeier“ 1970 eröffnet. 2020 feierte sie das 50-jährige Bestehen.

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Der Firmengründer war ein umtriebiger Chef, er lebte und arbeitete nach dem Prinzip „Stillstand ist Rückstand“. Etwa alle zehn Jahre wurde „alles umgekrempelt„ ,so der Sohn, also kräftig investiert. Dabei war Robert Zeislmeier oft seiner Zeit voraus: 1974 errichtete er eine der ersten Waschstraßen in Bayern. 1975 baute er die Tankstelle auf Selbstbedienung um. Auch Krisen überstand der Verstorbene mit Fleiß und Hartnäckigkeit: Schwerste Zeit waren die Jahre 1972 und 1973 mit der Ölkrise und den temporären Fahrverboten. 1984 erfolgte ein weiterer Umbau, die Tankstelle wurde vergrößert. 1987 kam dann die Umgehungsstraße, sehr umstritten in Wasserburg. Doch Robert Zeislmeier begrüßte die Maßnahme angesichts der Dauerstaus in der Stadt, für diese Haltung musste er auch viel Kritik einstecken. Das war für ihn kein Beinbruch: Denn mit seiner Meinung hielt er nicht hinter dem Berg.

Eine der wenigen freien Tankstellenunternehmer

1989 erweiterte er das Firmenareal durch Kauf des Nachbargrundstücks, baute eine Motorrad-Werkstatt mit Ausstellungsräumen hinzu. 2005 dann das Ende der Zusammenarbeit mit Esso: Robert Zeislmeier war seitdem einer der wenigen freien Tankstellenunternehmer in der Region.

In Vaters Fußstapfen trat 1993, nach seiner Ausbildung zum Großhandelskaufmann und Meisterprüfung als Kfz-Elektriker, Sohn Robert Zeislmeier, unterstützt von Ehefrau Claudia.

Der Vater nahm bis zuletzt regen Anteil am Betriebs- und Tagesgeschehen in der Stadt. Als politisch interessierter Mensch verfolgte er mit großem Interesse auch die Diskussion um das Ende des Verbrennungsmotors.

Begeisterter Großvater

In den letzten Jahren sahen ihn die Wasserburger immer seltener auf der Kehrmaschine sitzen, mit der er morgens auf dem Firmengelände unterwegs war. Gesundheitlich ging es Robert Zeislmeier nicht mehr so gut. Trotzdem traf sein Tod die Familie „völlig unvorbereitet“, wie der Sohn sagt. In großer Trauer sind auch die Enkel, denn Robert Zeislmeier liebte die beiden über alles. „Was der Opa sagte, wurde gemacht“, erinnert sich Robert Zeislmeier junior schmunzelnd. Sogar Streiche hätten Großvater und Enkelsöhne gemeinsam ausgeheckt – „fast so wie bei Michel aus Lönneberga“. Ein unschlagbares Trio, wie der Sohn berichtet.

Er liebte das einfache Leben

Sein Vater liebte das einfache Leben: Er brauchte keinen Luxus, war sparsam – auch ohne Blick auf den Kontoauszug – zufrieden, wenn es der Familie und dem Betrieb sowie den Mitarbeitern gut ging. Und ein ehrbarer Kaufmann, wie er im Buche steht.

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