Ahnenforschung

Eine Wasserburger Patrizierfamilie als Wohltäter und Menschenfreunde

Die Genealogie und Geschichte der Rats- und Stifterfamilie Gumpeltsheimer dient diesen November als Archivale des Monats
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Die Genealogie und Geschichte der Rats- und Stifterfamilie Gumpeltsheimer dient diesen November als Archivale des Monats

Kennen Sie die Gumpelzhaimer? Drei Mappen umfasst die handschriftliche Genealogie und Geschichte der zu Wasserburg, Trostberg, Augsburg, Linz und zuletzt in Regensburg ansässigen Patrizierfamilie. Ein Einblick in die Archivale des Monats November.

Wasserburg – Diesen November dient die Ahnenforschung, die dazu Ende des 19. Jahrhunderts betrieben wurde, als „Archivale des Monats“ des Stadtarchivs Wasserburg. Stadtarchivar Matthias Haupt berichtet von Ahnenforscher Eduard Wimmer, „Major und Bezirkscommandeur“, der die Unterlagen 1888 bis 89 zusammengetragen hat.

Die Mappen beinhalten unter anderem Stiche von Adam, Georg und Esaias Gumpelzhaimer, Fotografien von Grabstätten sowie hochwertige Zeichnungen von Familienwappen und Stammtafeln. Neben der Genealogie der Kernfamilie, die mehrere Schreibweisen hat, werden auch verwandte Familien, wie die Geschichten der ratsbürgerlichen Familien Reitter, Copauer und Praidtlohn, aufgearbeitet.

Die Gumpelzhaimer, so erläutert Haupt, waren eine Bürger-, Patrizier-, Rats-, Stifter- und Handelsfamilie. „Zu den bekanntesten Mitgliedern gehört, neben Georg Gumpelzhaimer dem Älteren, wohl dessen Sohn Jörg (Georg) Gumpeltsheimer, genannt der Jüngere.“

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Der letzte Gumpelzhaimer wohnte am Wasserburger Marienplatz

Jörg Gumpeltsheimer der Jüngere verstarb am 10. Januar 1599 als letztes männliches Familienmitglied, das in Wasserburg verblieben war. Er hinterließ ein Vermögen von mehr als 100 000 Gulden. Verheiratet war er mit Maria Madtin, erläutert Haupt weiter. Der reiche Mann bewohnte in der Stadt das Haus Nummer 17 am Marienplatz. Heute ist dort das Goldbecker-Haus mit den Markthallen ansässig. Die vier Töchter aus dieser Ehe waren allesamt mit Rats- und Handelsherren Wasserburgs oder umliegender Städte verheiratet.

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Neben Grabdenkmälern an der Jakobskirche wird den Gumpelzheimern im unteren Burgerfeld mit einem Straßennamen gedacht. Die Benennung sei jedoch ohne Benennungsbeschluss des Stadtrates erfolgt, so Haupt. 1927 wurde schließlich der Straßenname gemäß eines Aktenvermerkes für die damals neu ausgebaute Straße im entstehenden Siedlungsgebiet festgelegt, ohne jedoch durch den Stadtrat bestätigt zu werden.

„Der Aktenvermerk gibt über die Benennungspraxis keinen Aufschluss“, erklärt Haupt, „im Stadtratsprotokoll fällt der Straßenname nur im Zusammenhang mit einer anderen Wegebenennung.“

Familiengeschichte nicht ausgewertet

Auch unklar ist, ob die Verwaltung mit dem Straßennamenvorschlag vorhatte, den gesamten (Wasserburger) Familienzweig oder nur ein bestimmtes Familienmitglied der Gumpelzhaimer zu ehren.

„Bis heute fehlen leider moderne Auswertungen der Familiengeschichte“, erklärt der Archivar. Dabei verzeichnet das Stadtarchiv 124 Archivalien zum Wasserburger Familienzweig der Gumpeltsheimer beziehungsweise zu deren zahlreichen Stiftungen.

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Allmosen für die Armen

„Als erstes Mitglied ist Bürger Hans Gumpelzhamer 1440 nachgewiesen“ erläutert Haupt, „ab 1510 hatten die Familienmitglieder bedeutende Ratsämter inne.“

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Die Wohltätigkeit der Familie findet sich zunächst als Zu-Stiftung Georg Gumpelzhaimer des Älteren 1586 wieder. Dabei sollten jährlich für zehn Gulden schwarzes Wasserburger Tuch gekauft und an Arme unverarbeitet zur Herstellung von Bekleidung gespendet werden. Diese Stiftung entwickelte sich schließlich in eine eigenständige bürgerliche Almosen-Stiftung „für Allmosen, Heiratsverwilligungen, arme und kranke Bürger“. Diese kann bis in das 19. Jahrhundert hinein nahezu lückenlos verfolgt werden.

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