Eine Wasserburger Familienmanagerin berichtet: So verlief die dritte Woche „Corona-Ferien“

Corona bestimmt auch die Mahlzeiten – vor allem, wenn es Buchstabensuppe gibt. Die Autorin

Es läuft immer besser bei unserer Autorin, die nun die dritte Woche Home-Schooling hinter sich hat. Der Alltag in der Corona-Krise hat sich eingespielt. Und trotzdem: Es ist ein merkwürdiges Gefühl, in die Osterferien aufzubrechen – und Ostern erstmals nicht im Kreise der Großfamilie zu feiern.

Wasserburg – Der Wecker steht auf 8 Uhr – ich habe verschlafen. Der Schnee ist schuld und die Zeitumstellung. Doch das merkt ja beim Home-Schooling keiner. Am Sonntag habe ich mit dem Sohn zusammen einen festen Wochenarbeitsplan geschrieben mit Zeiten für die einzelnen Schulfächer, Pausen, Sport und Musik. Damit starten wir in die dritte Woche „Home-Schooling“.

Montag

Ab heute sitzen wir gemeinsam in der Küche und arbeiten – das motiviert. Wir sind jetzt total durchgetaktet. Mehr als im normalen Alltag. Wir haben Gemüse ausgesät, das muss jetzt auch täglich gegossen werden. In der Pause bringt die Tochter den Plastikmüll weg, auf Inline-Skates natürlich. Der Große bringt den Kompost raus und setzt eine Maschine an, 30 Grad Buntwäsche. Ab 12.15 Uhr ist auch Mittagspause für ihn. Während ich das Mittagessen vorbereite, höre ich im Radio, dass die Ausgangsbeschränkungen verlängert werden. Nach dem Mittagessen setzt sich der Sohn wieder an seine Aufgaben. Die Tochter malt, bastelt und hört sich Geschichten an in ihrem Zimmer (danke, ARD-Audiothek!).

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Eine Freundin ruft an, sie steht am Gartenzaun und bewundert unsere neuen Hochbeete. Ein kurzer Ratsch auf große Distanz tut mir gut. Um 16 Uhr dann Sport für den Sohn und mich, anschließend Musik.

Dienstag

Wir sind pünktlich am Start. Mittlerweile ist unser Haus so sauber, dass es nur wenig zu tun gibt. Der Sohn ist happy mit unserer strikten Planung und kommt gut voran. Auch die Tochter ist fleißig. In der Vormittagspause bekommen wir einen Anruf einer Nachbarin: Sie hätten in der Wasserburger Zeitung gelesen, dass wir gerne Semmeln essen, und ob wir, da der Sohn vom Bäcker derzeit keine bekomme, vielleicht die Hälfte ihres selbst gebackenen Toastbrotes gerne hätten? Natürlich! Sie legen es vor die Haustüre, wir holen es ab. Das Mittagessen nutzen wir zur weiteren Bildung: Aus den Buchstabennudeln in unserer Suppe schreiben wir Wörter wie „CORONA“ und „COVID 19“ um die Wette. Die Tochter schreibt „QALE“.

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Später klingelt es an der Haustüre und als ich öffne, hängt Häkelgarn an der Klinke: Die Freundin von gestern hat ihren Mann damit beauftragt. Sie bekommen dafür ein Glas Honig von den Bienen aus unserem Garten. Jetzt können wir einen neuen Topflappen häkeln, unserer löst sich gerade auf. Später noch zum Bauer-Lagerverkauf, Lebensmittel abholen, die ich per Mail bestellt habe. Kombinieren wir mit Sport: Inline-Skates angezogen und los!

Mittwoch

Die Tochter quietscht: Sie hat es geschafft, den großen Bruder in den April zu schicken! Ich bekomme einen Anruf und falle natürlich total herein. Vormittag und Nachmittag sind schon „wie immer“. Auch mit ihren Aufgaben kommen die Kinder zurecht, sodass ich eine Runde Joggen kann. Am Nachmittag sollen die beiden an die frische Luft: Der Sohn wählt den Liegestuhl in der Sonne. Die Tochter flitzt mit den Inlinern durch das Viertel und verteilt ihre selbst geschriebene und gemalte Post für verschiedene Nachbarn.

Am Nachmittag dann Klavierunterricht über Skype. Am Abend kann sie nicht schlafen: Zeitumstellung und Sehnsucht. Sie ist wirklich verzweifelt: „Jetzt merke ich erst, wie lieb ich meine Freunde habe. Und meine Lehrerinnen.“ Sie weint lange.

Donnerstag

Heute Morgen sind wir zu viert. Der Papa fährt erst am Nachmittag zum Arbeiten. Wir machen natürlich Home-Schooling. Der Sohn ist schon so weit gekommen, dass er am Nachmittag frei hat. Wir finden Bastelanleitungen auf der Homepage unserer Grundschule zu Ostern. Und ein Rätsel.

Am Nachmittag macht die Tochter Kinder-Yoga – das gibt es auch auf Youtube. Später bauen die Kinder die wieder entdeckte „Corona-Bahn“ (früher „Carrera“) auf. Am Abend skypen wir Eltern über drei Stunden mit Verwandten aus Nordrhein-Westphalen. Das tut richtig gut.

Freitag

Fast geschafft – bald sind Ferien! Aber wir sind alle sehr müde. Wir starten auch ein wenig später als sonst mit Haushalt und Schule. Als ich von meinem Arzttermin zurückkomme, haben die Kinder ihre Pflichten schon erledigt.

Ganz unspektakulär haben also die Osterferien begonnen. Da werden der Papa und ich uns wohl mit der Betreuung und dem Arbeiten abwechseln. Der Papa will mit den Kindern ein Lager im Garten bauen. Oder einen Hühnerstall? Wir säen Ostergras aus und überlegen, wie wir dieses Jahr Ostern feiern – zum ersten Mal seit 13 Jahren nicht mit unserer Großfamilie.

Aus Rücksicht auf ihre Kinder schreibt unsere Mitarbeiterin anonym.

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