In der Corona-Pandemie: 30 Prozent mehr Todesfälle im Wasserburger Land

Die OVB-Grafik fasst die wichtigsten Daten und Fakten der Standesamtsstatistik aus Wasserburg zusammen. Ersichtlich: der Baby- und Hochzeitsboom der vergangenen Jahre und die Auswirkungen von Corona im ersten Halbjahr 2020. Klinger/OVB.
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70 Sterbefälle musste das Standesamt Wasserburg im April beurkunden. Das ist eine erschreckende Zahl im Vergleich zur Zeit vor Beginn der Corona-Pandemie – und nicht die einzige auffällige Zahl in der Sandesamtsstatistik.

Wasserburg –Der Standesamtsbezirk Wasserburg umfasst neben der Stadt die Gemeinden Albaching, Amerang, Babensham, Edling, Eiselfing, Griesstätt, Pfaffing, Ramerberg, Rott und Soyen. Im Wasserburger Rathaus werden alle Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle aus diesen Orten und der Stadt beurkundet.

Diese Entwicklung könnte Corona geschuldet sein: Zwischen 427 und 478 Sterbefälle pro Jahr sind 2016 bis 2019 im Standesamtsbezirk Wasserburg gemeldet worden. Im Corona-Jahr weist die Statistik schon in den ersten sechs Monaten 308 Verstorbene auf. Eine „echt heftige Zahl“, bedauert Katharina Rimpfl vom Standesamt. Allein im April mussten 70 Sterbefälle beurkundet werden. „Wenn wir die Zahlen im ersten Halbjahr hochrechnen würden, hätten wir bei den Todesfällen heuer eine Steigerung von 30 Prozent gegenüber den Vorjahren.“ Ausschlaggebend für die hohe Todesrate waren jedoch nach Angaben des Standesamts nicht nur Erkrankungen am Corona-Virus, sondern allgemein eine hohe Sterblichkeit.

Paare verschieben Heirat auf 2021

2019 war hier ein regelrechtes Hochzeitsfieber ausgebrochen, freut sich Rimpfl. 282 Paare tauschten nach ihren Angaben die Ringe. Zum Vergleich: 2017 waren es 223, 2018 schon 256. In den ersten sechs Monaten des Corona-Jahrs 2020 wagten im Wasserburger Standesamtsbezirk dagegen nur 83 Paare das Ja-Wort. Dabei wäre der Trend zum Heiraten weitergegangen, doch viele Hochzeitswillige haben in den Wochen des Lockdowns das Fest abgesagt, erinnert sich Rimpfl. Kein Wunder: Bis Mitte April durfte das Brautpaar nur in Anwesenheit von zwei Trauzeugen Ja sagen.

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Langsam trauen sie sich wieder: Derzeit finden nach Angaben des Standesamts wieder sechs bis sieben standesamtliche Hochzeiten pro Woche statt. Den Heiratsboom wird das Corona-Jahr trotzdem unterbrechen, denn viele haben das Fest nach Angaben von Rimpfl auf 2021 verschoben.

Babyboom in Wasserburg

Seit Jahren verzeichnet das Standesamt Wasserburg einen Babyboom: 2019 gab es einen neuen Rekord: 845 neue Erdenbürger kamen auf die Welt. Im ersten Halbjahr 2020 waren es schon 464, es könnte 2020 also einen neuen Höchstwert geben.

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Das liegt auch am beliebten Kreißsaal im Romed-Klinikum Wasserburg, der 2019 erstmals die 800-Geburten-Grenze knackte. Außerdem wirkt sich die Schließung der Geburtsstationen in Prien (2015) und Bad Aibling (2017) aus.

Doppelt hält besser: Die meisten Kinder tragen zwei Vornamen

Die meisten Kinder, die im Standesamtsbezirk Wasserburg gemeldet werden, tragen zwei Vornamen: Bei 433 der 2019 geborenen Mädchen und Buben entschieden die Eltern: Doppelt hält besser. Seit 2016 ist dieser Trend zum zweiten Vornamen schon zu spüren.

Jahrelang war bei den Mädchen „Anna“ die erste Wahl (2016 und 2017), 2018 rutsche Anna auf Platz sechs, 2019 wieder vor auf Rang vier.

Im vergangenen Jahr war Johanna der beliebteste Vorname, gefolgt von Emma und Eva. Bei den Buben ist Lukas ganz vorne, gefolgt von Johannes und Jakob sowie gleichauf Jonas.

Beim zweiten Vornamen liegen seit 2016 Maria und Josef ganz vorne – sicherlich eine Reminiszenz an Tanten oder Onkeln sowie Großeltern, die diesen urchristlichen Namen tragen. Auch Marie nimmt dies auf – bei den Mädels ebenfalls ein beliebter zweiter Vorname. Bei den Buben ist in den vergangenen Jahren Alexander der zweithäufigste zweite Vorname gewesen.

Auffällig: Die Statistik im Standesamtsbezirk Wasserburg der vergangenen vier Jahre prägen vor allem traditionelle deutsche und bayerische Namen: Die Zeit von Torben und Jessica ist anscheinend vorbei. Auch der Trend zu kurzen Namen mit nur zwei Silben hält an.

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