Ein Missionsarzt aus Wasserburg verwirklicht trotz Corona in Tansania sein Klinikprojekt

Seit Anfang August wird der Ausbau des ersten und zweiten Stockwerks des St. Clare Hospitals in Mwanza/Tansania umgesetzt. Finanziert wird das Projekt auch aus vielen Wasserburger Spenden.
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Seit Anfang August wird der Ausbau des ersten und zweiten Stockwerks des St. Clare Hospitals in Mwanza/Tansania umgesetzt. Finanziert wird das Projekt auch aus vielen Wasserburger Spenden.

Thomas Brei aus Wasserburg ist dankbar: „Ohne Spenden gäbe es das St. Clare Hospital hier in Tansania nicht, hätten viele junge Menschen keine Arbeit und mein Wunsch, meine Berufung auch im Aufbau eines Krankenhauses für die Armen und Kranken zu leben, stände nicht kurz vor der Verwirklichung.“

Von Ulrich Nathen-Berger

Wasserburg/Mwanza – In den vergangenen Monaten dachte Dr. Thomas Brei schon, dass er wegen der Corona-Pandemie seine St. Clare-Klinik am Viktoriasee als Sterbehospital umstrukturieren müsse. „Aber dem war nicht so“, wie der gebürtige Wasserburger den OVB-Heimatzeitungen jetzt berichtete. Der Missionsarzt und katholische Priester lebt und arbeitet seit 2011 in Tansania und verwirklicht in Mwanza seit 2015 sein Herzensprojekt: Eine Klinik für Kranke, die keine Mittel und keine Helfer haben – für den 49-Jährigen „eine ureigene christliche Aufgabe“.

Mit der 80-Betten-Klinik will er den Menschen medizinische Diagnostik und Behandlung auf einem modernen Stand der Wissenschaft bieten. Denn in weiten Teilen des Landes gibt es laut Brei nur eine unzureichende Grundversorgung und nur wenig fachärztliche Betreuung.

Finanziert wurde das Projekt des Internationalen Katholischen Missionswerks (Missio) mit vielen Spenden unter anderem auch aus Wasserburg: Die Rotarier halfen, das Inn-Salzach-Klinikum und die Romed-Kliniken ebenso, Hilfe kam von der Kolpingsfamilie, von Gymnasiasten, Klöpfelkindern, Basketballern, Realschülern, Sternsingern und vom Lions Club. Mit einem Bericht aus Tansania sorgte Dr. Clemens Bitter, Chefarzt der RoMed-Chirurgie, sogar für eine medizinische Welle der Hilfsbereitschaft: Ein ganzer Container voll mit medizinischen Gerätschaften aus Wasserburg ging auf die Reise nach Mwanza.

Eingeweiht wurde St. Clare im März des vergangenen Jahres, Schritt für Schritt ging das Hospital dann in Betrieb. Der Durchstart wurde heuer allerdings Corona bedingt erheblich beeinflusst. Denn statt den Patientenströmen, die die verschiedenen Facharztpraxen so nach und nach seit dem neuen Jahr belebt hatten, seien die Patienten ab Mitte März ausgeblieben. „Denn jede Klinik, die einen Corona-Patienten aufnehmen würde, müsste das gesamte Personal in Quarantäne schicken“, so Brei.

Durchbruch noch nicht erreicht

Deshalb wurde „der große Durchbruch“ noch nicht erreicht und gerade deshalb gilt Thomas Breis Sorge der Verdopplung der Patientenzahlen in jedem Monat sowie die Inbetriebnahme sämtlicher Fachbereiche wie Radiografie mit Röntgen, Mammographie, Ophtalmologie, Computertomografie und Ultraschall; Augenarztpraxis, Zahnarztpraxis, Labor, Gynäkologie, Sprechstunden der Spezialisten für Urologie und Chirurgie. Außerdem werden mittlerweile Patienten auf der Männer- und Frauenstation stationär aufgenommen.

Nebenbei schließen die lokalen Handwerker noch die letzten Bau- und Feinarbeiten an den Hauptgebäuden ab, das IT-System wird installiert, das neue Laborgebäude eingerichtet und nach und nach werden mehr Leute eingestellt.

Seit Anfang August wird der Ausbau des ersten und zweiten Stockwerks der Verwaltung und Apotheke „mit viel Gehämmere und Geklopfe“ umgesetzt, in denen vor allem das Apothekenlager sowie weitere Verwaltungsräume entstehen sollen. „Das Geld dafür steht schon lange bereit, doch wegen der Corona-Pandemie haben sich auch die Bauarbeiten verzögert“, so der Missionsarzt.

Brei: „Für diese finanzielle Hilfe sind wir den Sternsingern – auch denen aus dem Alt-Landkreis Wasserburg – dankbar, die dafür heuer über 100 000 Euro gesammelt haben.“

Dies ist der letzte Gebäudeteil des St. Clare Hospitals in Mwanza, der noch nicht fertig ist.

Danach ist Father Thomas, wie er in Mwanza genannt wird, endgültig „nur noch“ Missionsarzt und Priester – und nicht mehr Baumeister.

So erlebt der Missionsarzt die Corona-Zeit in Tansania

Dr. Thomas Brei : „Während Europa erneut in Angst, Zwiespalt und Ratlosigkeit angesichts der Corona-Pandemie versinkt, folgen die Tansanier dem neuen Motto des St. Clare Krankenhauses ‚Sisi tunatibu, Mungu anaponya‘, zu deutsch: ‚Wir behandeln, Gott heilt.‘ Fakt ist, dass es kein heimliches Massensterben oder überfüllte Krankenhäuser gibt, über die niemand im Ausland berichtet. Wer nicht so tief im Glauben verwurzelt ist, führt den milden Verlauf vielleicht eher auf folgende Tatsachen zurück: In Afrika hat man Erfahrung mit Pandemien und weiß die normale Handwasch- und Nieshygiene in jedem noch so kleinen Lokal oder Straßenimbiss einzuhalten. Das Durchschnittsalter der Tansanier ist 18; viele Menschen, die bei uns in die Risiko- und Hochrisikogruppen aufgrund ihres Alters eingestuft wurden, gibt es hier gar nicht mehr, weil das durchschnittliche Sterbealter bei 65 liegt.

Das tansanische Leben findet draußen auf der Straße statt. In abgedichteten Räumen schläft man höchstens, das heißt, der Luftaustausch der Aerosole ist wohl deutlich besser. Die Menschen sind viel weniger mobil; gereist wird nur für die Arbeit oder um Verwandte zu besuchen.

Es leben viel weniger Menschen auf eutlich mehr Platz. In Zahlen: Tansania ist zwei bis drei Mal so groß wie Deutschland, hat aber bisher nur circa 50 Millionen Einwohner. Woran immer es liegen mag, bisher leben die Tansanier ohne weitere Angst und Restriktionen.“

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