„Ein Menschenfischer im Auftrag Jesu“: Wasserburg verabschiedet Pfarrer Schinagl in Ruhestand

Adieu, Herr Pfarrer!
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Adieu, Herr Pfarrer!
  • vonKarheinz Rieger
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„Dass ich Stadtpfarrer in Wasserburg gewesen bin, war mir stets eine große Ehre!“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Dr. Paul Schinagl im Pfarrsaal von St. Jakob endgültig von seinen langjährigen Wegbegleitern, Mitarbeitern und seiner Pfarrgemeinde.

Wasserburg – Wegen der Einhaltung der Corona-Regeln war dabei nur ein beschränkter Kreis zur Feierstunde zugelassen, was aber der Wertschätzung, die dem scheidenden Geistlichen entgegengebracht wurde, keinen Abbruch tat. Die musikalische Begleitung in den Ruhestand übernahmen Anja Zwiefelhofer und die Familie Geiger.

Corona und die strengen Auflagen

30 Jahre wirkte Dr. Paul Schinagl, der 1987 zum Priester geweiht wurde, in Wasserburg, zunächst ab 1990 fünf Jahre als Kaplan, dann als Stadtpfarrer in den beiden Pfarreien St. Jakob und St. Konrad. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Isolde Brandl, die die Moderation des Abends übernommen hatte, lud auf Grund dieser langen Zeit des kirchlichen Wirkens die anwesenden Gäste zu einer kleinen Zeitreise ein, die in der Bekanntgabe des angekündigten Ruhestandes am 24. November 2019 eine Zäsur im kirchlichen Leben der Stadt markierte.

Ab da hätte die Frage der künftigen Entwicklungen in der Kirchengemeinde im Vordergrund gestanden, die durch Corona so gar nicht wie eigentlich geplant in feierlichen Schritten vonstattengehen konnten. Beginnend mit dem abgesagten Ostergottesdienst hätten fünf Monate strengste Auflagen bei kirchlichen Veranstaltungen auch die geplante Verabschiedungsfeier im Juli verhindert. Häppchen und Getränke, sowie geselliger Plausch müssten auch jetzt bedauerlicherweise entfallen. Isolde Brandl überreichte dem neuen Ruheständler schließlich das Abschiedsgeschenk der Pfarrgemeinde. Künftig wird ein Originalbild des bekannten Wasserburger Malers Otto Geigenberger das private Wohnzimmer im Burgerfeld zieren.

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Bürgermeister Michael Kölbl freute sich in seinen Grußworten, dass dem scheidenden Stadtpfarrer Wasserburg zur Heimat geworden sei. Dieser wolle künftig hier auch seinen Ruhestand genießen, „sich seinem geliebten FC Bayern widmen und seinen Hobbys wie dem Fischen nachgehen“. Jetzt könne er dies ungehindert tun, was ja in der Vergangenheit arbeitsbedingt nicht so gelungen sei. Schinagl habe in den vergangenen Jahrzehnten eine ganze Generation begleitet. Dabei seien ihm besonders die Kinder und Jugendlichen am Herzen gelegen, der wöchentliche Besuch des Kindergartens sei ihm wichtig gewesen.

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Mit Schmunzeln wies Kölbl aber auch an den beständig auftauchenden gleichen Hut als Verkleidung bei Pfarrfaschingsfeiern hin und darauf, dass das Tanzbein zu schwingen, nicht so die Sache des Pfarrers gewesen sei. Dagegen habe er sich anderen weltlichen Dingen nicht abgeneigt gezeigt. Die Verbundenheit mit den Vereinen der Stadt, besonders mit den Schäfflern, sei ihm immer wichtig gewesen. Kölbl bedankte sich abschließend für die unkomplizierte Zusammenarbeit mit ihm und der Stadt und wünschte Schinagl Gesundheit und Gottes Segen in der Zukunft.

Für die Wasserburger Vereine sprach Helmut Samer lobende Worte. Dr. Paul Schinagl sei nicht nur Priester mit der Liebe zu Gott gewesen, sondern auch Mensch. Dies habe sich auch in den Beziehungen zu den örtlichen Vereinen gezeigt. Er sei auch immer, vor allem den Schäfflern gegenüber, ein guter Gastgeber gewesen. In der Zukunft sei für den Ruheständler jedenfalls immer ein Platz beim Sport in der Badria-Halle frei.

Als Ruhestandspfarrer weiter gebraucht

Seinem Nachfolger Bruno Bibinger wünschte Samer in diesem Zusammenhang ‚viel Einfühlungsvermögen „für Gott und seine Schäfchen“.

Klaus Vogl, neuer Dekan des Dekanats Wasserburg, wählte als zentrale Botschaft an den neuen Ruhestandspfarrer Schinagl dessen Fischerei-Hobby aus. Der Fisch als urchristliches Erkennungszeichen sei Bekenntnis zu Jesus, verbunden mit der Verkündigung dessen Botschaft. Schinagl solle auch weiterhin Menschenfischer im Auftrag Jesu sein, auch wenn manchmal das ausgeworfene Netz leer bliebe. Als ‚Goldstücke‘ bezeichnete Vogl seine Ruhestandspfarrer im Dekanat, zu denen Dr. Paul Schinagl jetzt gehöre, und auf die man, wie auch nun ihn, weiter angewiesen sei.

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