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Im Kampf gegen Leukämie

„Ein Leben retten, ist einfach“, sagt ein Stammzellenspender aus Rott

Michael Katzenberger ist Stammzellenspender. Dieses Foto zeigt ihn bei der Entnahme im Jahr 2018. Mit seiner Geschichte will er Menschen dazu ermutigen, sich registrieren zu lassen.
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Michael Katzenberger ist Stammzellenspender. Dieses Foto zeigt ihn bei der Entnahme im Jahr 2018. Mit seiner Geschichte will er Menschen dazu ermutigen, sich registrieren zu lassen.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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Michael Katzenberger aus Rott hat ein Leben gerettet, vor etwa zwei Jahren hat er Stammzellen gespendet. Inzwischen hat er Kontakt mit der Geretteten: Terri heißt sie, kommt aus Amerika und hat einen Sohn. Mit seiner Geschichte möchte er andere bewegen, sich ebenfalls typisieren zu lassen.

Rott – „Danke, dass du meine Mutter gerettet hast“, heißt es in dem Brief, den der zehnjährige Chase an Michael Katzenberger aus Rott geschrieben hat. Seine Mutter war an Leukämie erkrankt, Katzenbergers Stammzellen haben sie vor dem Tod bewahrt.

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Eigentlich, erklärt Michael Katzenberger, sei er nur deshalb zum Lebenretter geworden, weil ein guter Freund kein eigenes Auto hatte. „Das war 2002“, sagt er. „Da war ich gerade 18 und auf der Faschingsfeier in der Rotter Halle.“ Der Freund fragt ihn, ob er ihn zu einer Typisierungsaktion nach Großkarolinenfeld fahren könne.

Katzenberger willigt ein, und lässt sich ganz spontan selbst registrieren, ohne recht zu wissen, was das eigentlich bedeutet. „Mir wurde gesagt, da kann man Leben retten und wenn man jemanden helfen kann, dann macht man es halt.“

Glücklich hält Patientin Terri die Stammzellen von Katzenberger in der Hand. Inzwischen geht es ihr gesundheitlich wieder gut.

Mit acht Spritzen wird sein Körper auf die Entnahme vorbereitet

Erst acht Jahre später wird ihm klar, dass die Aussage „man kann da Leben retten“ auch ernst gemeint war. Ein Brief der Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) erklärt ihm, dass er als potenzieller Spender in die engere Auswahl kommt. „Das war auch das erste Mal, dass ich mich so richtig mit dem Thema auseinandergesetzt habe“, sagt er. Ohne zu zögern, lässt sich Katzenberger für weitere Untersuchungen Blut abnehmen. Die Enttäuschung ist groß, als sich der behandelnde Arzt schließlich für einen anderen Spender entscheidet.

Das Leben nimmt seinen Lauf, irgendwann vergisst Katzenberger, dass er sich registriert hat, bis er 2018 einen weiteren Brief von der AKB erhält, mit der dringenden Bitte, sich zu melden. „Ich war der einzige Treffer“, erklärt Katzenberger. „Mir wurde gesagt, es eilt.“ Wieder zögert der Rotter nicht.

Entnahme dauert etwa 45 Minuten

Er bereut es nicht. „Es ist so einfach, ein Leben zu retten.“ Mit acht Spritzen über vier Tage verteilt wird sein Körper dazu angeregt, Stammzellen zu produzieren. Alles verläuft problemlos. „Ich hatte nur manchmal ein Zucken, wie wenn man einen Weidezaun berührt“, erklärt Katzenberger. Zur Arbeit habe er ohne Problem gehen können.

Kurz vor der Entnahme dann der Schock: Der Termin muss verschoben werden, der Gesundheitszustand der Patientin ist zu kritisch. „Da habe ich mir natürlich große Sorgen gemacht.“ Er hofft und bangt, dass es zu einem weiteren Termin kommt.

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Nach einigen Wochen kommt die Entwarnung: Der Zustand hat sich verbessert. Es kann losgehen. Lediglich 45 Minuten dauert die Entnahme, dann werden die Stammzellen auf ihre Reise geschickt.

Erster Briefkontakt nach acht Monaten

Nach acht Monaten erhält Katzenberger schließlich die Nachricht: Die Spende war erfolgreich, zusammen mit zwei zu diesem Zeitpunkt noch anonymen Briefen. Den einen hatte Chase geschrieben: „Danke, dass du meine Mutter gerettet hast.“ „Das war heftig“, sagt Katzenberger, „Ich wusste bis dahin nicht, dass sie Mutter ist.“

Jetzt, zwei Jahre danach, hat er regelmäßig Kontakt. Terri heißt die Gerettete. Sie ist 46 Jahre alt und stammt aus den USA. „Es ist ein seltsames Gefühl, zu wissen, dass da jemand auf der anderen Seite der Welt ist, der jetzt mit dir verbunden ist“, sagt er.

Der große Traum von Katzenberger: Terri persönlich kennenzulernen. Bisher hat Corona das Vorhaben verhindert, doch sobald es möglich ist, will er sich in den Flieger setzen. „Ich plane schon mit Chase, was wir dann alles machen“, sagt Katzenberger. Ein Baseballspiel wollen die beiden sehen. „Und ich wurde zum richtigen amerikanischen Barbecue eingeladen.“

„Lieber Spender, ich bin so dankbar, dass du meine Mutter gerettet hat“, schreibt Chase, der Sohn von Terri, in einem ersten anonymen Brief an Katzenberger.

„Wenn ich mich nicht registriert hätte, wäre Terri tot“

Mit seiner Geschichte möchte Katzenberger aufklären. „Es herrscht viel Missinformation über dieses Thema.“ Viele Menschen würden unbegründete Ängste von einer Spende abhalten. Er sei beispielsweise gefragt worden, ob er bei einer Spende querschnittsgelähmt werden könne. „Dabei laufen die meisten Spenden heutzutage über das Blut ab“, stellt er richtig.

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In Pandemiezeiten ist es wichtiger denn je, sich registrieren zu lassen, denn aufgrund ausfallender Typisierungsaktionen sind die Neumeldungen von potenziellen Spendern 2020 um 37 Prozent gefallen, wie das zentrale Knochenmarkspende-Register Deutschland mitteilt.

Katzenberger ist überzeugt: Jede registrierte Person macht einen Unterschied. „Wenn ich mich nicht registriert hätte, wäre Terri mit Sicherheit tot.“

Spender werden auch Corona-Zeiten: So geht es

Auch in Corona-Zeiten ist eine Registrierung als Stammzellenspender möglich. Zwar gebe es nur wenige Typisierungsaktionen, wie Cornelia Kellermann, Pressesprecherin der AKB, bestätigt. Es gibt aber noch andere Möglichkeiten. In einigen ausgewählten Städten wie Nürnberg und Straubing ist es inzwischen möglich, einen Wangenabstrich beim Coronatest vorzunehmen. Auch Blutspender können um eine Registrierung bitten. Sie müssen nur ein Formular, das vom Blutspendedienst ausgehändigt und an die AKB weitergereicht wird, ausfüllen. Eine Registrierung ist aber auch von Zuhause aus möglich. Ein sogenanntes Lebensretterset kann unter akb.de/registrierung oder über die Webseite von Michael Katzenberger second-chance.org angefordert werden. Mit diesem Set kann der Spendenwillige entweder zum Hausarzt gehen und einen Bluttest vornehmen lassen oder einen Wangenabstrich bei sich selbst vornehmen. Informationen gibt es unter akb.de.

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