Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Ein Büchlein als Geschenk zum Jubiläum

10 Jahre Rottmooser „Ohrkapelle“: Doris Müller weiß alles über die Geschichte

Eingebettet in weiße Blüten – so hat Doris Müller die Rottmooser Kapelle zum zehnjährigen Bestehen fotografiert. Sie selbst wollte nicht auf das Foto. „Ich mag einfach nicht im Vordergrund stehen“, sagt sie.
+
Eingebettet in weiße Blüten – so hat Doris Müller die Rottmooser Kapelle zum zehnjährigen Bestehen fotografiert. Sie selbst wollte nicht auf das Foto. „Ich mag einfach nicht im Vordergrund stehen“, sagt sie.
  • Petra Maier
    VonPetra Maier
    schließen

Die „Ohrkapelle“ von Rottmoos besteht seit zehn Jahren. Doris Müller, Vorsitzende des Fördervereins Rottmoos, hat dem kleinen Gotteshaus ein Büchlein gewidmet, in dem sie viele spannende Geschichten erzählt.

Wasserburg – Aus unterschiedlichem Holz wurde das Mobiliar in der Rottmooser Kapelle gefertigt. So steht es als Symbol für die Unterschiedlichkeit der Menschen, die diesen Ort der Stille seit zehn Jahren aufsuchen. Eine, die die „Ohrkapelle“, wie sie liebevoll genannt wird, ganz genau kennt, ist Doris Müller, die Vorsitzende des Fördervereins Rottmoos. Sie machte der Kapelle zum zehnjährigen Bestehen mit einem eigenen Buch ein ganz besonderes Geschenk: „Die Rottmooser Kapelle und ihr Patron Filippo Smaldone“ lautet der Titel.

Bescheidene Autorin bleibt im Hintergrund

Finanziert hat die 68-Jährige das Büchlein mit dem Erbe ihrer verstorbenen Mutter. „Ich wollte etwas Sinnvolles mit dem Geld anfangen und sicherstellen, dass Interessierte weiterhin Informationen über die Kapelle bekommen können, auch wenn ich selbst einmal keine Führungen mehr machen kann.“

Lesen Sie auch: Auch die Hände reden boarisch beim Einkauf im Evenhausener Dorfladen (Plus-Artikel OVB-Online)

Bescheiden wie sie ist, hat sie bei diesem Buch ihren Namen als Autorin nicht auf den Titel drucken lassen. „Ich mag einfach nicht im Vordergrund stehen, lieber im Hintergrund arbeiten“, verrät sie.

Kostenlose Rundgänge für hunderte Besucher

Und arbeiten kann sie: Bisher hat sie etwa 700 Besucher in kostenlosen Rundgängen durch die Kapelle geführt: Kommunion- und Firmkinder, Seniorengruppen, aber auch viele einzelne Privatpersonen. „So hat sich eine ältere Dame sehr gefreut, dass sie eine ganz individuelle Führung zum Geburtstag geschenkt bekam“, erinnert sich Doris Müller und ein evangelisches Brautpaar habe in der Rottmooser Kapelle den kirchlichen Segen erhalten.

Das könnte Sie auch interessieren: Sie leiht Gehörlosen ihre Stimme (Plus-Artikel OVB-Online)

Und so fing alles an: Unweit des Betreuungshofes Rottmoos, der vom „Fachverband für Menschen mit Hör- und Sprachbehinderung“ (BLWG) betrieben wird, stand eine Kapelle aus dem Jahr 1874. 1963 wurde sie im Zuge des Ausbaus der B15 abgerissen, „aber auch deshalb, weil eine fällige Sanierung mit Kosten bis zu 400.000 Euro nicht finanzierbar gewesen wäre“, ergänzt Müller.

Förderverein will die Kapelle neu errichten

2007 hatte der mittlerweile gegründete Förderverein die Idee, wieder eine Kapelle unweit des ursprünglichen Standorts zu errichten. „Die Grundidee bestand darin“, berichtet sie, „quasi ein ,offenes Ohr‘ zu schaffen sowohl für die Bewohner des Rottmooser Betreuungshofes, zu dem die Kapelle gehört, als auch für Menschen aller Glaubensrichtungen.“ Daraus entwickelte Holzbaumeister Markus Lutter, der einst als Zivildienstleistender im Betreuungshof tätig war, einen Kapellen-Grundriss in Form eines Ohres.

Lesen Sie auch: Gehörlose im Erste-Hilfe-Kurs: Warum der Song „Staying alive“ ihr nicht weiter hilft (Plus-Artikel OVB-Online)

Viele helfende Hände waren an der Errichtung und Ausstattung der Kapelle beteiligt: Das bunte Glasfenster ist eine Projektarbeit von gehörlosen und sprachgeschädigten Jugendlichen aus einer Einrichtung des BLWG in München-Johanneskirchen. Das Metallkreuz wurde von einem gehörlosen Mitarbeiter einer Kunstschmiede in Ebersberg gefertigt.

Filippo Smaldone widmete sein Leben den Gehörlosen

Ins Auge fallen auch die silberfarbenen Schriftzüge im Innern der Kapelle. Damit wurde ein Platz gefunden, das Andenken an verstorbene Bewohner der Einrichtung aufrechtzuerhalten. „Der separate Turm vor der Kapelle erhielt ein Jahr nach der Kapelleneinweihung „Zwillingssonnenuhren“, die weltweit einmalig sind“, weiß Doris Müller zu berichten.

Die Kapelle ist Filippo Smaldone geweiht, einem Priester, der in Lecce (Italien) sein Leben mit Hingabe gehörlosen und vom Leben beeinträchtigten Personen weihte. Zu der Ordensgemeinschaft, die zu Lebzeiten von Filippo Smaldone gegründet wurde, hat der Förderverein Rottmoos noch heute Kontakt. „Zwei Schwestern aus dem Orden der Salesianerinnen von den heiligsten Herzen sind zur Einweihung der Kapelle nach Deutschland gekommen und haben als besonderes Geschenk für die Kapelle eine Reliquie des Heiligen mitgebracht. Es ist die erste Kapelle im deutschsprachigen Raum, die ihrem Ordensgründer geweiht ist“, berichtet die kundige Kirchenführerin.

Kuriose Erinnerung an ersten Besuch in Lecce

An den ersten Besuch in Lecce erinnert sich die Buchautorin gern, speziell an das Geschenk des dortigen Hauspfarrers: einen lebensgroßen Keramikkopf von Filippo Smaldone. Der Karton mit dem Geschenk lief am Flughafen über das Band, durchfuhr das „Röntgengerät“ und verursachte helle Aufregung, als am Bildschirm die Umrisse eines Kopfes sichtbar wurden. Darüber schmunzelt Doris Müller noch heute.

Mehr zum Thema

Kommentare