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„Soala Roa“: Neuer Straßenname mit Historie

Ein bisschen Seemannssprache verhilft Haag zu einer eigenen „Reeperbahn“

Bürgermeisterin Sissi Schätz am „Soala Roa“, dem Wegesrand der einstigen Seiler von Haag.
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Bürgermeisterin Sissi Schätz am „Soala Roa“, dem Wegesrand der einstigen Seiler von Haag.
  • VonLudwig Meindl
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Auf die „Haager Reeperbahn“ führten Ludwig Meindl und Alfons Reiter Bürgermeisterin Sissi Schätz. Nein, um ein Rotlichtviertel geht es hierbei nicht. Aber immerhin: um ein bisschen Seemannssprache

Haag Anlass war die Installation eines neuen Wegschildes mit der Beschriftung „Soala Roa“. Grundstücksanlieger Alfons Reiter hatte die Idee dazu und die Umsetzung eingeleitet. Dieser „Rain“, Wegrand, der „Seiler“, also Seilemacher, lag einst zwischen Pfarrschuster, später „Gasthof Schex“, und einstigem Kino, heute Jugendzentrum.

Alte Namen nicht vergessen

Durch das Anbringen des Schildes hofft Alfons Reiter, dass der alte Name im Haager Volksmund nicht vergessen wird. Der Stichweg zwischen Mühldorfer- und Lerchenberger Straße ist schnurgerade und entstand einst als Bahn für das Spannen der Seile, die aus Hanf, Flachs und Pferdehaaren hergestellt wurden.

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Haag hatte bereits im Jahr 1600 zwei Seilereien, erklärte Ludwig Meindl, den Unterseiler im heutigen „Haus der Braut“, wo 1900 Friedrich Wilhelm Ernst zusätzlich als Seifensieder und Kaufmann arbeitete und früher die Seile für das Aufhängen der Haager Kirchturmglocken gefertigt wurden. Daneben gab es oberhalb der Rute den Oberseiler, ehemals Drogerie Irrgang, wo Generationen der Seilerfamilie Heilingbrunner lebten. Nachfolger war Max Buchner. Ein Vorgänger hieß Johann Nepomuk Heilingbrunner, der 1860 Bürgermeister von Haag war und 83 Jahre alt wurde.

„Wer Seilermeister werden wollte“, so Meindl weiter, „musste ein Seil fertigen, das einen 24-Kilo-Mehlsack nach oben ziehen konnte.“

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Die erste Erwähnung habe der Historiker Rudolf Münch für das Jahr 1596 recherchiert. Damals hätten sich die Haager Seiler geweigert, Stricke für das Fesseln der Führer des Bauernaufstandes herzustellen: „Die Seile mussten daraufhin in Wasserburg eingekauft werden.“

Seemannssprache spricht von „Reep“

Alfons Reiter erinnerte an den Namen „Kinogassl“ für den historischen Stichweg und berichtete, dass auf der gegenüberliegenden Seite die Brauerei Unertl ebenfalls an dem Anbringen eines Schildes Interesse zeige. „Schön, dass die Wegverbindung zwischen Lerchenberger- und Mühldorfer Straße heute wieder genutzt werden kann“, kommentierte Bürgermeisterin Sissi Schätz. In den neuen Bebauungsplänen bemühe man sich wieder, traditionelle Fußwege zu erhalten.

Hier wurden die Seile gespannt

Das Seil, das einst aufgespannt wurde, heißt in der Seemannssprache und im Niederdeutschen auch „Reep“ und die entsprechende Bahn somit „Reeperbahn“. So war die sündige Meile Hamburgs einst eine 300-Meter lange Spannanlage für Seile, erklärt Ludwig Meindl, der hier augenzwinkernd von der „Haager Reeperbahn“ spricht, die zwischen Pfarrschuster und Schex lag.

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