AUS DEM BAUAUSSCHUSS

Kein Biergarten am Wasserburger Inndamm, aber ein Imbisswagen in der Nähe schon

Berühmtester Fernseh-Imbisswagen: die Wurstbraterei im Kölner Tatort mit Dietmar Bär (links) und Klaus J. Behrendt. Ein ählicher Wagen mit Verzehrmöglichkeiten am Inndamm soll demnächst von April bis Oktober auf dem Parkplatz am Gries stehen.
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Berühmtester Fernseh-Imbisswagen: die Wurstbraterei im Kölner Tatort mit Dietmar Bär (links) und Klaus J. Behrendt. Ein ählicher Wagen mit Verzehrmöglichkeiten am Inndamm soll demnächst von April bis Oktober auf dem Parkplatz am Gries stehen.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Es gibt Sehnsuchtsbegriffe, bei denen dem Wasserburger das Herz aufgeht: ein Biergarten, am besten am Inn, beispielsweise. Doch baurechtlich klappt das nicht. Jetzt gibt es eine Mini-Alternative: einen Imbisswagen am Gries. Der Entscheidung ging eine hitzige Diskussion mit überraschenden Wendungen zuvor.

Wasserburg – Die jungen Betreiber, Julian Maron und Vroni Steer, wollen eine Art Bauwagen oder Foodtruck auf dem Parkplatz am Gries aufstellen. Hier können sich die Spaziergänger was zu Essen und zu Trinken holen und auf in der Nähe stehenden Tischen und Bänke verzehren. Kein großer Biergarten direkt am Inn also, ein kleiner Imbiss mit der Möglichkeit, sich mit einer Brotzeit mit Blick auf den Fluss hinzusetzen.

Christian Stadler, Fraktionsvorsitzender der Grünen, sah am Donnerstagabend im Bauausschuss baurechtliche Probleme. Das Vorhaben könnte als Schwarzbau interpretiert werden. Für ihn wird der Imbisswagen im Außenbereich stehen. Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann sieht dies anders: Bis zum Dammfuß handele es sich um Innenbereich, der Bauantrag sei also genehmigungsfähig.

Stadler meinte jedoch: Ein Imbisswagen sei kein Biergarten und auch kein Ersatz dafür. Als solcher dürfe er auch nicht bezeichnet werden. Wird er auch nicht, entgegnete Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) mit Verweis auf die Tagesordnung, wo stehe, dass ein Imbiss-/Verkaufswagen beantragt werde.

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Kölbl erinnerte an ähnliche Anlagen an der Isar in München: Imbissstände mit Tischen und Stühlen verteilt im Gelände zum Essen und Trinken to go beim Flanieren, ohne Konsumzwang. Ein Pfandsystem soll in Wasserburg die Rückgabe von Geschirr unterstützen und verhindern, dass es zu Müll durch Einwegprodukte kommt. Das Essen soll vor allem aus regionalen Zutaten bestehen, hieß es.

Wolfgang Schmid (CSU) findet jedoch: Der Zeitpunkt sei denkbar schlecht für ein solches neues Angebot. Es sei eine Konkurrenz zu den in der Pandemie schwer gebeutelten Wirten in der Stadt.

Konkurrenz zu den bestehenden Wirten?

„Muss das gerade jetzt sein?“, fragte er. Wenn die Staatsregierung „die Leute endlich wieder aus dem offenen Strafvollzug“ entlasse – eine Bemerkung, die ihm Kritik von Friederike Kayser-Büker (SPD) einbrachte – sollten vom neuen Ausgehschwung vor allem die bereits etablierten, heimischen Wirte profitieren. Die Gefahr einer Konkurrenz sah ganz klar auch Wirtschaftsreferent Christoph Klobeck (CSU).

Kölbl hielt dagegen, die Stadt solle froh sein über jedes Angebot, das eine zusätzliche Attraktion darstelle. Außerdem habe es im vergangenen Sommer eine große Konkurrenz zu den Wirten gegeben, die nicht auf Kritik gestoßen sei: der Altstadtbiergarten an der Rampe, betrieben von einem anderen Anbieter. Entscheidend sei nicht die Frage, wer der Betreiber sei. „Es geht nicht darum, ob einem die Nase passt oder nicht. Es gibt kein Gesinnungsbaurecht.“

Angesichts der Diskussion um die Konkurrenzfrage fühlte sich Chris Peiker von der Linken Liste „wie in einem falschen Film“. Niemals könne ein kleiner Bauwagen mit acht Quadratmetern Größe eine Konkurrenz zu den Wirtshäusern darstellen. Auch Stadlers Sorgen, die Besucher könnten den Inndamm noch mehr vermüllen oder wildbieseln, wollte Peiker nicht akzeptieren. Es sei doch nicht so, dass die Wasserburger alles „Saubären“ seien.

„Spazierwege sperren?“

„Am besten sperren wir die Spazierwege!“ konterte ein sichtlich genervter Bürgermeister Richtung Stadler. Kölbl platzte der Kragen: „Ich verstehe die Diskussion nicht. Seit Jahren wird geschrien nach einer Biergartenlösung, jetzt haben wir eine Minimalalternative und auch dieser Ansatz wird im Kein erstickt.“

Stadler warf Kölbl im Gegenzug vor, bei der Auflösung des Fletzinger Biergartens, der einem Wohnhaus wich, sich nicht so vehement für den Wirtsgarten eingesetzt zu haben. Kölbl sah sich von Stadler falsch zitiert und missverstanden.

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Die Fraktionsvorsitzende der SPD und Linken Liste Wasserburg, Friederike Kayser-Büker, schlug vor, sich von der Biergarten-Nostalgie generell zu verabschieden – und sich zu freuen, dass eine kleine Lösung möglich ist.

Mini-Projekt aus dem ISEK-Programm

Sie sieht auch das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) vor, unterstrich Norbert Buortesch vom Bürgerforum. Ausdrücklich seien dort viele Kleinprojekte – auch zur Steigerung der Erholungsqualität am Inndamm – aufgeführt worden. Wer das ISEK-Programm ernst nehme, sollte jetzt zustimmen und den jungen Betreibern eine Chance geben.

Dass der Imbisswagen nicht länger öffnen darf als die vorhandene Außengastronomie, darin waren sich alle einig. Der Bauantrag fand schließlich nur zwei Nein-Stimmen von Klobeck und Schmid (CSU). Stadler befürwortete ihn überraschend doch – weil er sich davon überzeugt habe, dass es sich doch – trotz dünner Informationen – um einen Bauantrag handele, der beraten worden und genehmigungsfähig sei, wenn die Absprache mit dem Landratsamt dies bestätige, begründete er seine Zustimmung.

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