Das ehemalige KZ-Aussenlager Mittergars

Max Voglmaier aus Mittergars präsentierte anlässlich der Zeitzeugenveranstaltung mit Leslie Schwartz dieses bisher unbekannte Bild einer Lagerbaracke aus amerikanischen Archiven in Washington. Die Fotos werden im November 2015 im Rahmen einer Ausstellung zum Außenlager Mettenheim im Mühldorfer Haberkasten gezeigt. Repro: Basler
+
Max Voglmaier aus Mittergars präsentierte anlässlich der Zeitzeugenveranstaltung mit Leslie Schwartz dieses bisher unbekannte Bild einer Lagerbaracke aus amerikanischen Archiven in Washington. Die Fotos werden im November 2015 im Rahmen einer Ausstellung zum Außenlager Mettenheim im Mühldorfer Haberkasten gezeigt. Repro: Basler

Gars - Der Verein "Geschichtswerkstatt Mühldorf" hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des Nationalsozialismus im Landkreis zu erforschen und deren Zeugnisse zu dokumentieren.

Es wird berichtet: Mittergars war ein Außenlager des KZ Dachau und wurde im Oktober 1944 errichtet und dem Außenkommando Mühldorf unterstellt. Die 350 überwiegend jüdischen Häftlinge, größtenteils Ungarn, Polen, einige Litauer sowie Franzosen, waren für die Organisation Todt (Oberbauleitung Mühldorf) zum Bau der Rüstungsanlage im Mühldorfer Hart im Einsatz. (Anmerkung des Verfassers: Neben anderen Standorten in Deutschland sollten auch im Mühldorfer Hart Teile des ersten in Serie gebauten Düsenflugzeugs Me 262 hergestellt werden, um doch noch den "Endsieg" zu ermöglichen).

Das Lager, so die Autoren weiter, war 150 Meter lang und 75 Meter breit und bestand anfangs aus Zelten und später aus 33 primitiven Holzbaracken, die etwa 1,80 Meter hoch, drei Meter breit und sechs Meter lang waren. Die SS-Unterkünfte befanden sich außerhalb des Lagerzauns, jedoch in unmittelbarer Nähe. Das Lager hatte keine Brunnen; der benachbarte Bauer musste das Wasser anfahren. Das Gelände war mit einem doppelten Stacheldrahtzaun umschlossen, an der Straßenseite stand ein Wachturm.

Mittergars war als Todeslager berüchtigt. Aufgrund der schrecklichen hygienischen Verhältnisse starben viele Häftlinge, unter anderem am Fleckfieber. Neben "Vernichtung durch Arbeit" wurden auch viele Häftlinge durch direkte Gewalteinwirkung ermordet. Bereits um 4 Uhr früh konnte man die Schreie der Häftlinge beim Morgenappell in der Umgebung deutlich hören. Im Winter mussten sie barfuß in Holzschuhen arbeiten.

Max Voglmaier, Sohn des Landwirts, der das Wasser zum KZ-Lager lieferte, hält das Gedenken an das Außenlager Mittergars aufrecht. Er berichtet, dass es am 25. April 1945 geräumt wurde, die Häftlinge transportierte man in einem Zug ab. Die Amerikaner seien dann zu Kriegsende am 7. oder 8. Mai gekommen. Heute erreicht man die von Wald überwucherten Überreste des ehemaligen KZ-Außenlagers Mittergars, wenn man der Beschilderung an der Kreisstraße Jettenbach - Gars Bahnhof beim Abzweig Waldrandsiedlung folgt und beim Mahnmal in den Wald weitergeht. Führungen durch Max Voglmaier finden wieder am 8. September und am 8. November statt. ba

Kommentare