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ER WIRD ÜBERALL ERKANNT – SELBST IN FLORIDA

Eduard Weilnhammer aus Haag ist mit 84 noch immer Fahrlehrer aus Leidenschaft

Mit 84 Jahren immer noch im Einsatz: Fahrlehrer Eduard Weilnhammer aus Haag.
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Mit 84 Jahren immer noch im Einsatz: Fahrlehrer Eduard Weilnhammer aus Haag.
  • Petra Maier
    VonPetra Maier
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Vor 60 Jahren nahm Eduard Weilnhammer das Steuer der Fahrschule Weilnhammer in Haag selbst in die Hand und seitdem lässt der 84-Jährige nicht mehr los: Die Geschäfte hat er zwar vor 20 Jahren an seinen Sohn Markus übergeben, aber die Fahrschüler unterrichtet der Senior weiter in Theorie und Praxis.

Rechtmehring/Haag– Es gibt Menschen, die vergisst man nie im Leben: Dazu gehören die erste große Liebe, der Klassenkamerad, der immer alles besser konnte als man selbst – und natürlich der Fahrlehrer. Eduard Weilnhammer (84) ist einer von ihnen. Seit über 60 Jahre bildet er Fahranfänger aus und ist noch immer in Amt und Würden.

Unzählige Fahrschüler hat er auf ihre Prüfungen vorbereitet, in Praxis und Theorie unterstützt und motiviert. „Das ist eine große Vertrauenssache zwischen Fahrlehrer und Schüler“, weiß Weilnhammer zu berichten.

Hallo Ed, bist du auch da?

Eine Verbindung, die nie endet, das belegen die vielen positiven Begegnungen mit ehemaligen Schülern, die Weilnhammer immer wieder erfreuen, sogar in Florida. Dort erkannte ihn ein Fahrschüler in einem Hotel und rief quer durch den Saal „Hallo Ed, bist du auch da?“

Das erste Fahrschulauto von Eduard Weilnhammer: Eine kombinierte Schaltung aus Knüppel- und Lenkradschaltung war die Besonderheit dieses schicken Opels.

Doch bevor es zu all diesen freudigen Begegnungen kam, hatte der junge Eduard eine Menge Arbeit zu erledigen. Zunächst erlernte er in der Landwirtschaft die Grundkenntnisse, dann das Müllerhandwerk und schließlich ließ er sich in Braunschweig zum Fahrlehrer ausbilden. „Der Beruf hat mich schon immer interessiert“, erinnert er sich heute. Der Kontakt mit den Menschen war und ist ihm wichtig.

In Haag übernahm er vor etwa 60 Jahren die Fahrschule Müller. Seit dieser Zeit ist die Hauptgeschäftsstelle in Haag, Zweigstellen wurden in Hohenlinden, Forstern, St. Wolfgang, Waldkraiburg und Soyen betrieben. 1973 gründete der selbstständige Unternehmer zusätzlich ein Busunternehmen mit 10 Bussen, die Linien- und Ausflugsverkehr anboten.

Seinen ersten, grauen Führerschein besitzt Eduard Weilnhammer immer noch. Bestens kann er sich an seine Fahrstunden erinnern. Er brauchte damals ungefähr 10 Stunden, um den Führerschein für PKW zu erwerben. Später folgten der LKW- und der Busführerschein.

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„Eine Fahrstunde kostete 10 Mark“, erinnert er sich, „der Sprit kostete 43 Pfennig und ein Auto etwa 12.000 Mark“, fügt er wie aus der Pistole geschossen hinzu. Das waren noch andere Zeiten. Heute koste ein Führerschein im Durchschnitt etwa 2000 Euro, bestätigt Weilnhammer.

Prüfungsort war damals Haag, später wurde er nach Wasserburg verlegt, weil es dort größere Kreuzungen gab.

Fit im Dschungel der Verordnungen

2001 übernahm Sohn Markus die Fahrschule. Seitdem führt er die Geschäfte, doch sein Vater arbeitet weiterhin fleißig mit. Auch mit fast 85 Jahren ist der ehemalige Kreisvorsitzende der Verkehrswacht Wasserburg und der Fahrlehrer Wasserburg, absolut fit im Dschungel der immer neuen Verordnungen. „Seit 1. April“, so lässt er im Interview mit unserer Heimatzeitung gleich mal wissen, gibt es eine neue Verordnung.

Wer einen alten Führerschein besitzt, in dem vermerkt ist, dass er nur Automatikfahrzeuge fahren darf, kann in der Fahrschule zehn Fahrstunden mit Schaltgetriebe nachholen und eine 15-minütige Testfahrt mit einem Fahrlehrer machen. Dafür bekommt er eine Bestätigung, mit der er beim Landratsamt den Automatikeintrag aus seinem Führerschein löschen lassen kann. Wer einen neuen Führerschein macht, kann seine Fahrstunden und die abschließende Prüfung mit einem Automatikfahrzeug machen und braucht lediglich zehn zusätzliche Fahrstunden mit einem schaltgetriebenen Fahrzeug, damit sein Führerschein für Automatik- und Schaltgetriebe gilt. Wer diese zusätzlichen Stunden nicht macht, bekommt weiterhin „nur“ den Automatik-Führerschein.

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Neben seinem großen Fachwissen bringt der erfahrene Fahrlehrer aber auch sein großes Einfühlungsvermögen in den Fahrschulalltag ein: „Noch heute gebe ich Auffrischungsstunden für Frauen, die ihren Führerschein schon lange haben, aber Jahrzehnte nicht mehr selbst gefahren sind“, sagt Weilnhammer.

Frühe Verkehrserziehung: Eduard Weilnhammer erklärte in jungen Jahren bereits Grundschülern die Regeln des Straßenverkehrs.

Ihnen die Angst vor dem Straßenverkehr zu nehmen und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wiedergeben zu können, sei nach wie vor eine bereichernde Aufgabe. Besonders stolz war er aber im März dieses Jahres: Da stellte er seinen jüngsten Enkel zur praktischen Fahrprüfung vor – und der bestand zur großen Freude des Opas mit bestem Erfolg.

Fahrschülerin würgt bei der Prüfung das Auto ab und verschwindet für 3 Tage

Während seiner langen Laufbahn als Fahrlehrer hat Eduard Weilnhammer aus Rechtmehring einiges erlebt. Ein paar Anekdoten hat er unserer Heimatzeitung verraten:

„Die Schülerin ist relativ gut gefahren, allerdings, sie war sehr nervös. Als der Prüfer das Anfahren am Berg verlangte, kam es zu einem einmaligen Vorfall: Die Schülerin legte den 1. Gang ein, um dann mit der Kupplung das Anfahren vorzubereiten. Dreimal ging der Versuch schief, sie würgte in ihrer Prüfungsaufregung den Motor 3-mal ab. Dann zog sie die Handbremse, riss die Tür auf und lief davon. Erst nach 3 Tagen kam sie wieder nach Hause. Wir hatten uns große Sorgen gemacht. Nach einigen Wochen bestand sie die Wiederholungsprüfung mit Bravour.“

„Eine mir gut bekannte Frau aus der näheren Umgebung von Haag hat wollte ihren Führerschein unbedingt in München machen. Sie sagte: „In Haag kennen mich so viele Leute, die nicht wissen sollen, dass ich den Führerschein mache. 3-mal fiel sie in München durch die Prüfung – immer bei dem selben Prüfer. Die vierte Prüfung absolvierte sie schließlich in Haag. Wie es der Zufall will, kam wieder der selbe Prüfer. Ihr Kommentar: ‚Ich bin jetzt ganz froh, dass es wieder der Prüfer ist, da ich ihn jetzt schon gut kenne.‘“

„Vor dem Impfzentrum musste ich neulich beim Ausparken gut aufpassen. Eine hilfsbereite Frau hat mir mit perfekten Handzeichen das Verlassen der Parklücke erleichtert. Ich drehte die Autoscheibe herunter und bedankte mich für diese tolle Hilfe. Sie sagte: ‚Das habe ich vor 50 Jahren in einer Fahrschule in Haag gelernt.‘ Ein schönes Erlebnis.“

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