Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„Wir wollen zeigen, was Frauen können“

Edlingerin Vroni Berndl ist neue Frauenbeauftragte der Kreisfeuerwehr: Das hat sie vor

Vroni Berndl ist die neue Frauenbeauftragte des Kreisfeuerwehrverbands Rosenheim.
+
Vroni Berndl ist die neue Frauenbeauftragte des Kreisfeuerwehrverbands Rosenheim.

„Beim Einsatz bist du aber nicht dabei, oder?“: Solche Fragen kennt Vroni Berndl. Die 24-Jährige von der Edlinger Feuerwehr ist die neue Frauenbeauftragte des Kreisfeuerwehrverbands Rosenheim. Warum es diesen Posten noch immer braucht und was sie alles vorhat.

Edling/Rosenheim – Veronika Berndl ist die neue Frauenbeauftragte beim Kreisfeuerwehrverband Rosenheim. Zusammen mit ihrer Kollegin Sophie Hamberger aus Bernau am Chiemsee, wird sie in den nächsten sechs Jahren dafür sorgen, dass noch viel mehr Feuerwehren im Landkreis weibliche Unterstützung bekommen.

Die beiden Feuerwehrfrauen haben das Amt erst ganz frisch inne, aber die ersten Pläne sind schon geschmiedet. „Wir wollen zeigen, was die Frauen alles können, und vor allem Mut machen, sich auch als Frau den Aufgaben bei der Feuerwehr zu stellen“, so die ersten Überlegungen von Veronika Berndl. „Wir werden viel Öffentlichkeitsarbeit betreiben, sodass es immer mehr publik wird, dass es auch genauso Kameradinnen bei den Wehren gibt“.

Quote bei 12,4 Prozent

Dass es hier noch einiges aufzuholen gibt, dazu erzählt Berndl eine kleine Anekdote: „Ich sperrte bei einem Kirchumzug die Straße ab, da sprach mich ein älterer Mann an und meinte, ob ich wirklich bei der Feuerwehr wäre. Zum Spaß habe ich die Montur nicht an, dachte ich mir. Nachdem ich ihm erzählte, dass ich aktiv bei der Feuerwehr bin und wir uns darüber unterhielten, wie toll das doch wäre, meinte der Mann am Schluss – ‚beim Einsatz bist aber nicht mit dabei, oder?‘ “

Dass Frauen bei der Feuerwehr nur zum Händchenhalten dabei sind, ist oft das Bild der Öffentlichkeit. „Das können wir zwar auch“, lacht Berndl, „aber wir arbeiten genauso mit wie die Männer“.

Wobei es nicht so klingen soll, dass die Kameraden ein Problem damit hätten, wenn Frauen ein Amt bekleiden. Darin sieht jedenfalls die 24-Jährige kein Problem. „Die Schwierigkeit liegt wohl eher darin, dass es bislang eben immer nur Männer waren“. Es soll normal werden, dass weibliche Kameradinnen dabei sind. In einigen Wehren ist das schon durchaus der Fall, aber eben nicht in allen. Die Frauenquote liegt bayernweit bei 12,4 Prozent, „nicht wirklich viel“, findet Berndl.

Bei der Edlinger Feuerwehr, in der die Referendarin zur Realschullehrerin seit 2015 Mitglied ist, haben sie mittlerweile zehn erwachsene Kameradinnen, bei der Jugend sind es elf Mädchen. Das macht Berndl stolz. War es doch für sie damals gar nicht so einfach, Fuß zu fassen – als einzige Frau in der Edlinger Feuerwehr.

Die 24-Jährige wurde einstimmig von den weiblichen Teilnehmerinnen der 117 Feuerwehren aus dem Landkreis Rosenheim zur Frauenbeauftragten gewählt. Das Amt gibt es erst seit 2017. Derweil hat Berndl mit zwei anderen Feuerwehrkolleginnen den Bundeskongress der Feuerwehrfrauen in Hamburg besucht. Dort waren zwei Tage voll mit Workshops geboten, mit Themen wie Großtierrettung, technische Hilfestellung und auch Bus und Lkw wurden zerlegt.

Berndl findet, dass dies so „ein Sonderding für Frauen“ ist und meint dazu: „Solange wir so etwas brauchen, sind wir noch nicht da, wo wir hinwollen. Wenn das weibliche Geschlecht etabliert sei, dann würden auch keine Frauenworkshops mehr gebraucht oder eine Frauenbeauftragte“, sagt sie. Aber noch wäre es nicht so weit.

Vroni Berndl bei einer Übung zur technischen Hilfeleistung.

Sie selbst stieg 2015 mit als fast 18-Jährige bei der Feuerwehr ein. Mittlerweile ist sie Jugendwartin, hat einen Motorsägen- und Lkw-Schein, ist im Atemschutz ausgebildet und startet jetzt im September einen Maschinistinnen-Lehrgang. Für die Mädchen in der Jugendfeuerwehr ist Berndl somit ein Vorbild. Für sie selbst war und ist „der Papa das große Vorbild. Er hat mir gezeigt, wie toll das Ehrenamt ist und wie viel Spaß es macht“. Jetzt ist Berndl selbst Vorreiterin und will die Jugend motivieren.

Zu Einsätzen wird die Edlingerin wohl in der nächsten Zeit nicht mehr so oft kommen, denn das Referendariat schickt sie nach Bayreuth, „aber am Wochenende bin ich immer zu Hause und das Amt der Frauenbeauftragten wird auf alle Fälle ausgefüllt. Die Feuerwehr ist einfach meine Leidenschaft, mein großes Hobby“, verdeutlicht sie. Mit Blick auf die Frauenquote bei den bayerischen Wehren, gäbe es aber sicherlich auch in Franken einiges zu tun.

Der prägendste Einsatz für Berndl war der große Bauernhofbrand von Anzenberg bei Edling. „Ich war im ersten Fahrzeug mit dabei und brauchte vor Ort erst einmal ein paar Minuten, denn so einen großen Feuerball hatte ich noch nie gesehen. Gott sei Dank kam weder Mensch noch Tier zu schaden“, blickt die die 24-Jährige zurück.

Mut machen, Brücken bauen

Auch der Mannschaftsgedanke, das reibungslose Zusammenarbeiten der Feuerwehren aus den verschiedenen Gemeinden hat Berndl enorm beeindruckt. „Da ist es egal, ob Mann oder Frau. Alle arbeiten an einer Lösung“. Bei einem anderen Einsatz – ein schwerer Autounfall – wurde ein 12-Jähriger schwer verletzt. Nach seiner Genesung besuchte er die Edlinger Feuerwehr und bedankte sich für die Rettung. Das sind für Berndl die Momente, wo sich all die Mühe und harte Arbeit lohnt.

Jeder, der Interesse hat, bei der Feuerwehr mitzumachen, kann sich jederzeit melden, auch bei Veronika Berndl. „Ich hatte erst letztens ein Gespräch mit einer 50-jährigen Frau, die immer schon zur Wehr wollte, aber in ihrem Alter gar nicht mehr daran dachte, das tun zu können. Und jetzt ist sie mit dabei.“ Mut machen, Brücken bauen, Hilfestellungen bieten, Vorbild sein, das sind die Aufgaben der Frauenbeauftragten oder wie Berndl es sagt: „Die Mädchen und Frauen sollen denken: Das was die schaffen, das schaffen wir auch“.

Mehr zum Thema

Kommentare