ENTSCHEIDUNG DES GEMEINDERATES

Edling will mit professioneller Hilfe einen Entwicklungsplan für die Gemeinde angehen

Fragte auch die anderen Landkreisgemeinden, welche Erfahrungen sie mit ihren Entwicklungsplänen gemacht haben: Edlings Bürgermeister Matthias Schnetzer.
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Fragte auch die anderen Landkreisgemeinden, welche Erfahrungen sie mit ihren Entwicklungsplänen gemacht haben: Edlings Bürgermeister Matthias Schnetzer.

Edling wird einen Entwicklungsplan für die Gemeinde angehen und mit professioneller Hilfe ausarbeiten. Am Ende der Sondersitzung zu diesem Thema wurde der Beschluss mit nur einer Gegenstimme gefasst.

von Barbara Hilbert-Rieger

Edling – Wolfgang Baumann (ÜWG) erläuterte zu Beginn den vollständig erschienenen Räten und den erlaubten zehn Besuchern, was ein Ortsentwicklungsplan sei und was er für die Gemeinde bedeuten könne.

Bürger stärker einbinden

So solle die Gemeinde unter verschiedenen Aspekten in Interaktion mit den Menschen, die in der Gemeinde leben, betrachtet werden. Bürgerbeteiligung sei ein zentrales Element einer Entwicklungsplanung, die Bürger müssten mitentscheiden dürfen und es gelte, alle Gesellschaftsschichten für das Thema zu motivieren und zu aktivieren.

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Das könne unter anderem über Informationsveranstaltungen, Direkt- und Online-Umfragen oder Work-Shops erfolgen. Bei diesem Prozess könne man professionelle Hilfe einsetzen, es gebe einige Anbieter, die Prozess-Bausteine anbieten. Das Ziel des Prozesses sei es, Stärken und Schwächen einer Gemeinde herauszuarbeiten und daraus Entwicklungsziele zu formulieren.

Kostenpunkt: 90.000 Euro

Die Kosten könnten sich auf rund 90.000 Euro für eine Laufzeit von 15 Jahren belaufen, man könne aber städtebauliche Förderungen für die Entwicklung und spätere Projekte bekommen. Bedenken seien wichtig, erklärte Baumann auf Nachfrage, sie gehörten zum Prozess, sollten aber einen Beginn nicht infrage stellen.

Der Plan erstelle Leitlinien keine Gesetze. „Wir geben uns eine Richtung und setzen Leuchttürme“, meinte Baumann am Ende seiner Ausführungen.

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„Ich hatte ursprünglich Bauchweh“, eröffnete Bürgermeister Matthias Schnetzer (CSU) die Diskussion, deshalb habe er alle Landkreisgemeinden angeschrieben und um ihre Erfahrungen gebeten, die sehr unterschiedlich ausgefallen seien. Er wünsche sich aber eine längerfristige Entwicklung, die eine nachhaltige Wirkung habe.

Auf die Frage wie bindend so ein Entwicklungsplan sei, meinte Nicole Bauer-Schäfer (ÜWG), es sei kein fest geschriebenes Gesetz, sondern eine Leitlinie, die sich im Laufe der Jahre ändern könne und müsse.

Kein Dogma erwünscht

Auch für einen nachfolgenden Gemeinderat sehe sie keine Probleme, da der Plan „kein Dogma“ sei.

Dr. Stefan Schweitzer (CSU) wollte dem Antrag „grundsätzlich zustimmen“, erinnerte aber die Räte daran, dass damit viel Arbeit auf sie zukomme. Er sah einen großen zeitlichen, personellen und finanziellen Aufwand auf alle Beteiligten zukommen. „Alle müssen hier viel Zeit und Hirnschmalz investieren“, das müsse allen klar sein, „das geht nicht halbscharig, sondern nur mit Herz und Seele“.

Helmut Hammerbacher (UBG) erinnerte daran, dass die Gestaltungshoheit in den Händen der Gemeinde liegen solle. Man könne nicht immer nur reagieren, sondern müsse auch agieren und manches in eine gewünschte Richtung lenken. Trotz der Vielfalt der Aufgaben und der anstehenden Arbeit meinte er abschließend: „Ich würde anfangen.“

Bedenken geäußert

Mehr Bedenken äußerte der zweite Bürgermeister Jakob Berger (CSU), der letztendlich auch als einziger gegen den Antrag stimmte. Man habe doch in den vergangenen Jahren immer gut gehandelt und auf Probleme gut reagiert, man könne keine zehn Jahre im Voraus planen.

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Florian Prietz (UBG) sah auch eine Grundsatzentscheidung in der Entwicklungsplanung: „Wollen wir weiter wachsen?“, fragte er mit dem Verweis auf die gestiegenen Einwohnerzahlen oder schaffe sich die Gemeinde damit immer mehr Probleme.

Rudi Adler (CSU) meinte, das Ganze sei eine „gute Sache“, weil verschiedene Themen übergreifend gesehen werden könnten, aber er sehe keinen großen Bedarf, in Edling etwas Grundsätzliches zu ändern. Man müsse viele Stimmen anhören und aktuell bleiben. Zudem müsse man den Beteiligten erklären, dass nicht alles möglich sei, damit sie nicht enttäuscht würden.

Was will die Jugend?

Sandra Waldherr (UBG) fand es sehr wichtig, alle Bevölkerungs- und Altersschichten zu Wort kommen zu lassen. „Wir wissen doch nicht wirklich, was sich die Jugendlichen oder die Senioren wünschen.“

Nach längerer Diskussion mit viel Pro und wenig Kontra beschloss der Rat mit einer Gegenstimme den Entwicklungsplan anzugehen und als ersten Schritt einen Fachmann einzuladen und anzuhören. Antragsteller Wolfgang Baumann bedankte sich für die sachliche und konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema.

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