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Unser Reporter hat es in Haag ausprobiert

E-Car-Sharing im Praxistest: Schweben statt Fahren mit „Mümo“

Laden am Bahnhof in Regen: Zeit für eine einstündige Pause.
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Laden am Bahnhof in Regen: Zeit für eine einstündige Pause.
  • VonKarlheinz Günster
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Seit wenigen Monaten parkt ein elektrisch betriebenes Auto zum Mieten in Haag – versehen mit einem auffälligen Logo des landkreisweiten Projektes „Mümo“. Wie praktikabel ist Car-Sharing-Modell der Elektromobilität? OVB-Autor Karlheinz Günster, der zuvor noch nie ein Elektroauto gefahren ist, macht den Praxistest.

Haag – Mit dem Renault Zoe geht es in den dünn besiedelten Bayerischen Wald – mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen.

Das Auto ist am Schachenwald geparkt. Was man mitbringen muss: Ein Handy und die Fähigkeit und Geduld, darauf eine App zu installieren. Das Handy sollte auch das Navi sein, denn im Auto gibt es leider keines.

Zuerst registrieren, dann fahren

Am Anfang steht eine Registrierung auf der Internetseite www.muemo.bayern. Dort ist auch zu lesen, dass dieses Projekt „innovative Ansätze“ erprobe, den Individualverkehr zu reduzieren. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorerst auf drei Jahre.

Konto anlegen

Anzulegen ist bei der Anmeldung zuerst ein Konto bei „Mümo“ mit persönlichen Daten plus Angabe einer Bankverbindung, um das Mieten zu bezahlen. Spannend kann es bei der Überprüfung des Führerscheins werden, sobald er schon etwas älter ist. Zu empfehlen ist die App „Postident“, die auch mit dem „grauen Lappen“ etwas anfangen kann.

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Abfotografieren und zusammen mit einem dreisekündigen Video von sich als Lebendbeweis hochladen und dann ein paar Minuten warten. Alternativ geht die Bestätigung des Führerscheins auch im Rathaus. Diese Überprüfung der Fahrerlaubnis ist jedes halbe Jahr zu wiederholen. Mit einem QR-Code kommt die passende App aufs Handy, die Zugriff auf den Standort verlangt, um das Angebot anzuzeigen. Das geht alles recht flott, beim Aufruf der App werden bereits die verfügbaren Fahrzeuge im Landkreis angezeigt. Das sind unter anderem ein Elektro-Roller und der Renault Zoe in Haag, ein Lastenfahrrad und ein weiterer Zoe in Ampfing, ein E-Bike plus sieben-sitziger Nissan in Oberbergkirchen.

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Die Buchung in der übersichtlich gehaltenen Oberfläche erfolgt über einen Kalender, den man selbst abonnieren kann. Dieser Planer und das, was er anzeigt, ist dann auch der größte Schwachpunkt. Denn der Nutzen steht und fällt mit der Verfügbarkeit der Fahrzeuge. Aber so ist das nun einmal mit allen Mietautos. Es gibt Stunden-, verbilligte Tages- und Wochenendtarife, hinzu kommen die gefahrenen Kilometer.

Kosten errechnen

Pro Stunde sind das 2,50 Euro plus 15 Cent je Kilometer. Aufladen ist im Preis eingeschlossen, eine Vollkasko-Versicherung mit 300 Euro Selbstbeteiligung auch. Bei Unfall oder Panne hilft ein Pannenservice rund um die Uhr.

Das Fahrzeug sollte sauber hinterlassen werden, denn eine Sonderreinigung kostet 400 Euro. Der gesamte Vorgang des Anmeldens, Mietens und auch der Rückgabe läuft elektronisch ab.

Beim Auto angekommen, wird es spannend. Das Handy öffnet nach Aufruf der App über Bluetooth die Türen. Der Autoschlüssel in Form eines Transponders liegt im Handschuhfach. Ein Leitfaden in einem kleinen Ordner informiert über das Wichtigste.

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Der erste Blick in den Innenraum des fast neuen Wagens mit gut 8000 Kilometern ist ernüchternd: Einen Staubsauger hat er wohl selten gesehen. Also los in Richtung Tankstelle zum Reinigen, denn so mag ich nicht losfahren.

Apropos fahren: Das Auto schwebt mehr, als das es fährt. Das muss die Zukunft sein, denke ich, eine ordentliche Beschleunigung ohne Schalten stört den Vorwärtsdrang. Kein Brummen, kein Vibrieren, kein Motorgeheule – das beeinflusst das Gefühl für die tatsächliche Geschwindigkeit: Ich bin immer wieder zu schnell.

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Elektrisch unterwegs in Niederbayern. Das Informationsangebot im Cockpit des Renaults ist überschaubar.

Die Batterie ist nach 150 Kilometern bei 65 Prozent. Auf der steilen Ruselhochstraße hinter Deggendorf sinken der Ladestand und die Reichweite, sodass ich überlege, ob das wirklich eine gute Idee war, losgefahren zu sein, ohne einmal nach einer Elektrotankstelle geschaut zu haben. In der Kreisstadt Regen bin ich immer noch bei über 50 Prozent. Wo lade ich hier auf? Die Ladekarte ist im Handschuhfach. Also den Anbieter EnBW ins Navi getippt, und schon tauchen einige Adressen zu Ladestellen auf. 60 Kilometer sind aber mindestens zu fahren.

Wenn dort vielleicht alle „E-Tankstellen“ belegt oder gar geschlossen sind, wird’s knapp. Also schaue ich bei EnBW direkt auf der Internetseite. Dort wird die Installation der App „EnBW mobility+“ nahegelegt. Nach dem Öffnen des Programms lüftet sich plötzlich ein Schleier: Die Welt ist voller Ladestationen. Entfernung, Typ, frei oder nicht: All das wird angezeigt, samt Route. Alleine zwölf hier in Regen, alle paar Kilometer folgen weitere.

Schnell eine Ladesäule gefunden

Ich fahre zum Bahnhof, suche mir die passende Säule, stecke das Kabel ein, halte die Karte dagegen und werde übers Handy zum Ladestand benachrichtigt. Ökostrom heißt dabei, dass derjenige das Geld erhält, der auch Ökostrom liefert. Eine gute Stunde hab ich jetzt Zeit, da hätte ich mir mit etwas Planung die vorherige Parkgebühr sparen können.

So einfach kann das sein. Entspannt gehts zurück in Richtung Heimat, jetzt auch etwas flotter.

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