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DER KÜRZESTE WEG FÜR SALZFUHRWERKE:

Durch den Tunnel auf die Burg

... aber sie birgt ein „dunkles Geheimnis“: Einen Stollen zur Burg hinauf.
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... aber sie birgt ein „dunkles Geheimnis“: Einen Stollen zur Burg hinauf.

Ob Tourist oder Einheimischer: An der verrotteten Holztüre auf halber Höhe der Berggasse ist jeder schon einmal vorbeigekommen, wenn er die Treppen hinauf zur Burg gestiegen ist. Doch was verbirgt sich hinter dieser Türe?

Wasserburg – Von der Burg bietet sich ein wunderbarer Blick über die Altstadt – und auf die Treppen, die die Berggasse nach oben verlängern. Bei der Hälfte des Aufstiegs machen viele Halt, um zu verschnaufen – vor einer alten Holztür, die durch ein schmiedeeisernes Gitter verschlossen ist. Zwei kleine vergitterte Fenster auf Knöchelhöhe lassen ein Minimum an Tageslicht ins Innere, das durch die Tür verborgen ist. Doch was befindet sich dahinter? Und wieso ist der Zugang verwehrt? Handelt es sich gar um einen mystischen Geheimgang?

„Nein, ein Geheim- gang ist es nicht“ Werner Gartner

„Ein Geheimgang ist es nicht“, lacht Werner Gartner. „Aber ein etwa 100 Meter langer unterirdischer Zugang ist es sehr wohl. Wir stehen hier vor dem Rest des ehemaligen Tunnelzugangs zur Burg.“ Gartner, der eines Tages auch an der Tür vorbei kam, fragte sich nicht nur, was wohl dahinter sei, der stellvertretende Bürgermeister ging der Sache nach. Und stellte fest: Es wird es interessant. Handelsleute haben diesen Gang im 15. Jahrhundert als Fahrweg und Verbindungsstraße von der Stadt, der Ledererzeile, zur Burg genutzt. Das belegen Recherchen von Stadtarchivar Matthias Haupt. Urkundlich im Stadtarchiv erwähnt wurde dieser Fahrweg als „Furtaller Berg“ bereits 1515.

„Zu dieser Zeit florierte der Salzhandel und machte Wasserburg zu einer reichen Stadt“, erzählt der zweite Bürgermeister mit leuchtenden Augen. „Die Handelsleute kamen von München und benutzten diesen Weg, um das Salz abzutransportieren. Der Salzstadel am heutigen Kaspar-Aiblinger-Platz diente als Lager. Dort wurden die Fuhrwerke aufgeladen und mithilfe von Pferdegespannen über die Ledererzeile und die Berggasse, die früher ein Hang war, bis zur Burg hinauftransportiert. Etwa auf Höhe der heutigen Ampelanlage ‚Auf der Burg‘ kamen die Pferde raus.“

Der Weberzipfel war damals das Ende der Ledererzeile, die Neustraße existierte noch nicht. Alte Planzeichnungen aus dem Stadtarchiv verdeutlichen, dass die Berggasse erst nach dem Bau der Neustraße im Jahr 1852 grundlegend umgestaltet wurde. Aus dem alten Fahrweg entstand die heutige Treppe, die zur Burg führt. Gartner findet: „Heutzutage ist der alte Fahrweg nur noch schwer vorstellbar. Der Gang ist das letzte Überbleibsel des Salzwegs der Kutscher quer durch die Stadt.“

Der Wunsch, einen Blick hinein in den alten Gang zu werfen, wird größer. Die verrottete Tür riecht leicht modrig, im Innerern des Ganges gähnende Leere. Sobald sich die Augen an das wenige Licht gewöhnt haben, wird klar, dass man sich in einem etwa 100 Meter langen Gang befindet, der abrupt an einer senkrechten Mauer endet. Das Mauerwerk ist teilweise von tiefen Rissen durchzogen. Es ist feucht und nass, an der Decke des Gewölbes haben sich dunkle Wasserflecken gebildet. Bei einem Rundblick wird deutlich, wie eng die Straßen damals gewesen sein müssen - ein Wunder, dass die Pferde hier überhaupt durchkamen.

„Die Eigentümer versuchten, den Tunnel als Lagerstätte für Wein oder Äpfel und Obst zu nutzen“, schildert Werner Gartner. „Doch aufgrund der Nässe war das unmöglich, die Korken und Früchte hätten alle zu faulen begonnen.“ Nachdem die ehemaligen Eigentümer schließlich nichts mehr mit dem alten Gebäude anzufangen wussten, haben sie es vor etwa 20 Jahren der Stadt Wasserburg überschrieben.

Gartner möchte nun den ehemaligen Zugang zur Burg öffentlich machen. „Es ist schade, wenn ein solches Kleinod im Herzen von Wasserburg im Verborgenen bleibt.“ Am Eingang der schmiedeeisernen Tür stellt sich Gartner ein historisches Schild vor, das die Geschichte der Berggasse und die ursprüngliche Nutzung des Ganges erklärt. Der Tunnelzugang selbst soll mit LED-Lampen geringfügig beleuchtet werden, um die alte Bausubstanz für Bürger und Touristen sichtbar zu machen. Auch in eine nächtliche Stadtführung könnte der Gang eingebunden werden.

Der Antrag ist längst bearbeitet, die Umsetzung der Idee, der Öffentlichkeit den alten Tunnel zu präsentieren, soll noch im Jahr 2017 sein. „Es wäre schließlich auch bedauerlich, ließe man die Tür und den Gang dahinter bei einem Aufstieg zur Burg im wahrsten Sinne des Wortes weiterhin einfach nur ‚links liegen‘“, so Gartner.

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