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*Interview* vor Lesung in Wasserburg

Wasserburger Autor Ralph Hammerthaler zeigt in seinem neuen Buch die Welt der Hooligans

Ralph Hammerthaler, gebürtiger Wasserburger, ist kein Fußballfan, trotzdem hat er einen Roman über einen Hooligan geschrieben, den es wirdklich gibt.
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Ralph Hammerthaler, gebürtiger Wasserburger, ist kein Fußballfan, trotzdem hat er einen Roman über einen Hooligan geschrieben, den es wirdklich gibt.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Sie gehören zur Welt des Fußballs: Hooligans. Ralph Hammerthaler, preisgekrönter Autor, widmet ihnen sein neues Buch. Im Interview berichtet der gebürtige Wasserburger, was ihn zu diesem Tatsachenroman inspiriert hat und wie es war, zur Recherche in die Szene einzutauchen.

Wasserburg – Nach zwölf Jahren ist er endlich mal wieder mit einer Lesung in Wasserburg, seiner Geburtsstadt: Der vielfach preisgekörnte Autor Ralph Hammerthaler, geboren 1965, liest am Mittwoch, 28. September, um 19 Uhr auf Einladung der Künstlergemeinschaft AK 68 im Ganserhaus aus seinem neuen Buch: „Ein kurzer Roman über Hooligan Til“. Im Interview erklärt er, warum der Antiheld so interessant für ihn war und was ihn, den Nichtfußballfan, bewogen hat, ihm ein Buch zu widmen.

Romane, Theaterstücke, Opernlibretti, Erzählungen, Essays, Biografien: Sie haben eine große Schaffenskraft und ein breites Repertoire. Jetzt ein „Kurzer Roman über Hooligan Til“. Was hat Sie dazu inspiriert?

Ralph Hammerthaler: In gewisser Weise ist Til aus meinem letzten Roman, „Die fünfte Nacht“, herausgewachsen. Da gibt es ein ungleiches Brüderpaar, der eine politisch links, der andere politisch rechts und noch dazu Hooligan. Zwar lieben die Brüder einander, aber ideologisch sind sie über Kreuz. Jetzt hat der rechte Bruder einen eigenen Roman bekommen.

Die Fußball-Fachzeitschrift „11 Freunde“ attestiert Ihnen in der Auftaktkritik zu Ihrem Buch, dass es Ihnen gelinge, Interesse für den Antihelden zu entwickeln, ohne sich mit ihm gemein zu machen. Haben Sie in der Szene recherchiert? Gab es für Til, den Hooligan, ein Alter Ego?

Hammerthaler: Ja, „Hooligan Til“ ist ein Tatsachenroman. Nachdem der reale Mensch niedergestochen worden war und tagelang im künstlichen Koma lag, nahm er eine Therapie in Angriff. Die Therapeutin riet ihm, sein Leben aufzuschreiben. „Da bist du mir eingefallen“, schrieb er mir in einer E-Mail. Der Impuls kam also, was ziemlich ungewöhnlich ist, von ihm. Das war ein Vorteil. Und dann brachte er mich mit weiteren Hools zusammen. Ich gebe gerne zu, dass ich mit ihnen gute Abende und Nächte verbracht habe, redend, trinkend und vor allem: lachend. Haarsträubende Geschichten, aber immer mit Humor erzählt. Ohne ihre offenen Auskünfte hätte ich das Buch nicht schreiben können.

Til wirkt wie eine gespaltene Persönlichkeit: beruflich angesehen, liebevoller Partner, der seine Freundin heiraten möchte. Manchmal offenbart er jedoch eine empfindliche Seele. Nur im und am Stadion lässt er die Sau raus. Sein Machogehabe passt eigentlich gar nicht zu ihm. Oder doch?

Hammerthaler: Man kann den einen Til nicht ohne den anderen haben. Seine Facetten, seine Widersprüche aber machen ihn literarisch so interessant. Gleichzeitig lassen sich durch eine solche Figur einige Klischees über Hooligans aufbrechen. Letztlich ist ja jeder Mensch ambivalent. Es wäre ein langweiliger Mensch, wenn nicht.

Sie waren Autor bei der Süddeutschen Zeitung, Kulturredakteur in Berlin, haben dann ganz umgesattelt auf die Schriftstellerei. Warum?

Hammerthaler : Schon von Jugend an wollte ich Schriftsteller sein. Nur habe ich mich lange nicht getraut, alles auf eine Karte zu setzen. Man muss ja auch von irgendwas leben. Irgendwann aber war ich dann so weit.

Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Hat die journalistische Arbeitsweise Ihnen beim Schreiben geholfen?

Hammerthaler: Ja und nein. Ja, was den Umgang mit Sprache betrifft. Man kann ja mit Sprache einiges anstellen. Ja auch, was Recherchen betrifft, obwohl ich da auch viel von meinem Studium der Soziologie gelernt habe, ihren Techniken für biografische Interviews und Feldforschung. Letztlich aber muss sich literarisches Schreiben von journalistischem Schreiben abgrenzen. Journalismus hat die Tendenz, die Dinge auf den Begriff zu bringen. Er will Meinung und Orientierung bieten. Literatur dagegen versucht, diese Begriffe wieder zu öffnen. Nichts ist so einfach, wie es scheint. Mir geht es darum, ein Gespür für Ambivalenzen zu entwickeln und schnellen Urteilen zu misstrauen. Bevorzugt halte ich die Dinge in der Schwebe. Das hat mehr mit unserem Leben zu tun als die vermeintlich klare Aussage, der Brustton der Überzeugung, die Rechthaberei.

Verfolgen Sie als gebürtiger Wasserburger die Spiele der Löwen? Hooligans gibt es da ja nicht, aber viele spannende und manchmal auch harte Auseinandersetzungen auf dem Rasen.

Hammerthaler: Nein, leider nicht. Aber als Schriftsteller zieht mich das Wort von den Löwen an. In meiner Jugend in Wasserburg habe ich etliche Jahre Basketball gespielt. Viele Jahre später habe ich dann aus der Ferne mitgekriegt, dass die Wasserburger Basketballerinnen sehr erfolgreich geworden sind. Eigentlich waren das die Mädels schon immer, erfolgreicher als wir, die Jungs.

Das Buch

Der Alltag von Til, Ende 30, wird von einem magischen Viereck bestimmt: Da ist sein Job in der mittleren Führungsebene eines Logistikzentrums, den er verantwortungsbewusst wahrnimmt, da ist die Diskothek, an deren Tür er entscheidet, wer Zutritt hat und wer draußen bleibt, da ist seine Freundin Silja, mit der er eine liebevolle Beziehung führt, und da ist vor allem der Fußball, den er früher aktiv betrieb und dem er noch immer verbunden ist, nicht nur als Jugendtrainer, sondern auch als Mittelpunkt einer Hooliganclique. Seine Mannschaft: der Meidericher Spielverein 02 Duisburg. Vor allem wenn der MSV gegen Schalke oder Köln antritt, steht Randale auf dem Programm. Dann verabreden sich Til und seine Leute mit den gegnerischen Hools zum Kampf, bei dem sie brutal aufeinander losgehen und sich ein Katz- und Mausspiel mit der Polizei liefern. Til ist ein Machertyp, breitschultrig, muskulös, präsent – einer, der gleichermaßen von Frauen wie von Männern bewundert wird. Doch er ist nicht unverwundbar, wie sich nach einem verhängnisvollen Kneipenabend zeigt...(Verlag Quintus)

Infos zur Lesung

Mittwoch, 28. September 2022, 19 Uhr

Ralph Hammerthaler liest aus Kurzer Roman über Hooligan Til

Moderation: Katrin Meindl

Ort: Galerie im Ganserhaus, Schmidzeile 8, 83512 Wasserburg am Inn

Eintritt: 5 Euro

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