Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Aus dem Gerichtssaal

„Du gehörst angezündet“: Mann droht in Wasserburg mit Brandanschlag

Das Gericht war überzeugt: Eine brennende Flasche zu konstruieren, dazu gehört kriminelle Energie.
+
Das Gericht war überzeugt: Eine brennende Flasche zu konstruieren, dazu gehört kriminelle Energie.
  • VonTheo Auer
    schließen

Wut und Alkohol sind keine guten Ratgeber. Dies musste ein Angeklagter feststellen, der vor dem Schöffengericht Rosenheim stand, weil er im Raum Wasserburg eine Frau mit einem Molotow-Cocktail bedroht haben soll.

Wasserburg – Im Juni 2019 war eine 42-Jährige samt ihres Kindes obdachlos geworden. Ein 35-jähriger Facharbeiter bot ihr an, dass sie vorübergehend bei ihm unterkommen könne. Nach drei Monaten bat er sie, wieder auszuziehen. Die Frau bezog eine Wohnung unweit von der des Angeklagten. Dieser schwor Stein und Bein, dass es niemals zu sexuellen Kontakten gekommen sei.

Das jedoch behauptete diese bei einem Treffen am 15. Februar 2022 mit der Lebensgefährtin des Angeklagten, mit der sich dieser zwischenzeitig verlobt hatte. Der Mann beschuldigte daraufhin die ehemalige Mitbewohnerin der Lüge und versuchte vergeblich, seine Lebensgefährtin von seiner Treue zu überzeugen. Nachdem ihm dies zunächst nicht gelungen war, verließ er den Streitort und versuchte zuhause seinen Kummer mit Bier zu ertränken, so seine Erklärung vor Gericht. Stockbetrunken befüllte er in der Garage eine Limonadenflasche mit Benzin, steckte einen Lunten-Lappen in die Öffnung und ging die knapp 300 Meter zur Wohnstätte der angeblichen Verleumderin.

+++ Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier +++

Dort holte er aus – niemand konnte im Nachhinein erklären, ob es der Trunkenheit geschuldet war oder ob er im letzten Moment zur Besinnung kam – jedenfalls entglitt ihm die Flasche samt brennender Lunte, fiel zu Boden und brannte aus. Eine Gefährung habe nicht stattgefunden, so sagte es zumindest der Brand-Gutachter des bayerischen Landeskriminalamtes, Dr. Hans Zwicknagel, vor Gericht. Dafür sprach auch die Tatsache, dass das ursprüngliche Opfer das Feuer bemerkte, dieses fotografierte, das Foto an eine Freundin versendete und erst danach daran ging, den Brand zu löschen, wie sich vor Gericht herausstellte.

Wut und Alkohol als gefährliche Mischung

Das Gericht hatte nun zu klären, ob es ein misslungener Versuch einer Brandstiftung war oder ein abgebrochener und damit straffreier Vorgang. Eine belastbare Aussage war von dem Angeklagten nicht zu bekommen. Mit einem Blutalkoholgehalt von über zwei Promille war sein Erinnerungsvermögen getrübt. Jedoch konnte angesichts der zielgerichteten Anfertigung des verwendeten Brandsatzes von einer Affekthandlung keine Rede mehr sein, hieß es vor Gericht.

Seine Einlassung, er habe die Frau nur erschrecken und zur Rücknahme ihrer Behauptung bewegen wollen, erschien fragwürdig. Bereits bei dem Streittreffen hatte er nämlich laut Zeugenaussagen vor Gericht wörtlich ausgeführt: „Du gehörst angezündet.“ Außerdem habe er später in einer Sprachnachricht an seine Lebensgefährtin verkündet: „Die brennt heute Nacht.“

Er bestritt vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat die Tat keineswegs. Der Angeklagte beteuerte aber immer wieder, dass er der Frau nicht wirklich Schaden habe zufügen wollen.

Verbotene Kriegswaffe

Das konnte ihm der Staatsanwalt nicht glauben. Die vorher ausgesprochenen und eingestandenen Drohungen würden belegen, dass er die Brandflasche tatsächlich habe werfen wollen. Lediglich seiner Trunkenheit sei es zu verdanken, dass seine Absicht misslungen sei. Dazu handele es sich bei diesem Brandsatz um eine verbotene Kriegswaffe, was den Vorwurf nochmals erschwere. Es bedürfe schon einer enormen kriminellen Energie, eine solche Tat vorzubereiten und umzusetzen. Der Staatsanwalt forderte eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und drei Monaten.

Gute Sozialprognose

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Harald Baumgärtl, beleuchtete zunächst die Umstände, wobei er unterstrich, welch tragische Folgen aus einer solche Beschuldigung entstehen könnten, unabhängig davon, ob diese nun zutreffend oder erfunden seien. Erwiesenermaßen habe sich die Gefährdung jedoch im unteren Rand bewegt und eine zukünftige Gefährdung durch seinen Mandanten gebe es mit Sicherheit nicht. Immerhin habe der sich entschuldigt und die Entschuldigung sei im Gericht öffentlich angenommen worden. Sein Mandant sei niemals vorbestraft gewesen und habe sich in einer seelischen Ausnahmesituation befunden. Er sei seit vielen Jahren im gleichen Arbeitsverhältnis, in dem er nach seiner Entlassung aus der U-Haft sofort wieder arbeiten könne. Insgesamt sei die Sozialprognose seines Mandanten ausgezeichnet.

Der Verteidiger beantragte eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Angesichts der besonderen Umstände sei auch die Aussetzung zur Bewährung angemessen. Auch eine entsprechende Geldbuße könne und würde sein Mandant entrichten.

Nach reiflicher Überlegung verkündete das Gericht eine Haftstrafe von zwei Jahren die es, gerade noch, zur Bewährung aussetzte. „Wir hoffen, dass die Untersuchungshaft Ihnen klar machte, was ihnen wirklich gedroht hat“, so die Richterin. Das Gericht ging davon aus, dass eine Wiederholung einer solchen Tat nicht zu befürchten sei, verhängte aber eine Geldbuße von 5000 Euro und erlegte dem Angeklagten auf, seinen Alkoholkonsum auf ein eventuelles Suchtverhalten zu überprüfen.

Mehr zum Thema

Kommentare