Drogenkonsum und Beleidigungen: Doch Therapie in Wasserburg macht Hoffnung auf Heilung

Ein 20-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis befindet sich seit September dieses Jahres in der geschlossenen Maßregeltherapie der kbo-Inn-Salzach-Klinik in Wasserburg. Auslöser war, dass der junge Mann immer wieder wegen Autofahrten unter Alkoholeinfluss verurteilt worden war.

von Theodor Auer

Wasserburg– Auch Drogen spielten eine Rolle. Jetzt stand der Mann vor Gericht. Eine Besserung der Alkoholabhängigkeit war ohne eine geschlossene Therapie nicht abzusehen. So wurde er, statt eine Haftstrafe von 21 Monaten absitzen zu müssen, ins Inn- Salzach-Klinikum eingewiesen.

Beim Schnupfen der Drogen gefilmt und online gestellt

Aus der Zeit davor gab es noch Strafverfahren, die nun vor dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Hans-Peter Kuchenbaur in Rosenheim verhandelt wurden. Zwei Anklagen wurden verlesen. So hatte der Mann im April 2020 von einem Drogendealer ein Kokaingemisch erworben, sich beim Schnupfen der Drogen gefilmt und per Livestream auf Instagram präsentiert. Dies sah ein Beamter der Bundespolizei und informierte die Wasserburger Polizei. Eine Streife stattete dem Angeklagten umgehend einen Besuch ab. Diesbezüglich zeigte sich der Angeklagte geständig.

Einige Tage darauf, nach eigener Aussage sturzbetrunken, beleidigte und bedrohte der Angeklagte den Ehemann einer früheren Freundin, was dieser auf seinem Handy festhielt, auf einen Stick überspielte und an die Staatsanwaltschaft weiterreichte.

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Der 20-Jährige erinnerte sich an die Beleidigungen, nicht an die Bedrohungen. Wie der Kläger, ein 26-Jähriger aus Altötting, erklärte, fühlte er sich durch den damals sichtlich Betrunkenen nicht wirklich bedroht. Er wollte aber sichergestellt wissen, dass er von ihm in Zukunft nicht mehr belästigt würde. Hintergrund der Auseinandersetzung war, dass der Angeklagte möglicherweise der biologische Vater eines Kindes der Ehefrau ist, keinesfalls aber als aktiver Vater akzeptiert werden wird.

Angeklagter will Schulabschluss nachholen

Gemäß dem forensisch-psychiatrischen Gutachter Rainer Gerth aus dem Inn-Salzach-Klinikum arbeite der Angeklagte ausgesprochen positiv an seiner Therapie mit und sei bemüht, einen Hauptschulabschluss nachzuholen. Sein bisheriger Arbeitgeber habe seinem Mitarbeiter nicht gekündigt, sondern lediglich für die Dauer der Therapie freigestellt – dessen Zukunftschancen seien also durchaus positiv.

Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe empfahl, die bereits verhängte Einheitsjugendstrafe angemessen zu erhöhen und die Fortsetzung der Maßregeltherapie zu beschließen.

Der Staatsanwalt beklagte, dass der Angeklagte die Straftaten unter offener Bewährung begangen hatte. Er beantragte eine Erhöhung der Jugendstrafe von 21 auf 34 Monate.

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Rechtsanwalt Rolf Asmus verwies auf das Geständnis und die Einsicht seines Mandanten, der sich nun auf einem sehr positiven Weg befände, für den er weiter Hilfe benötige. Er beantragte eine Erhöhung der Strafe auf 24 Monate und die Weiterführung der Therapie. Das Gericht beließ es – unter Einbeziehung der vorangegangenen Gesamtstrafe – bei der Erhöhung auf 27 Monate.

Angesichts der scheinbar erfolgreichen Therapie könne der Angeklagte nach deren Abschluss auf freien Fuß kommen. Demzufolge sprach das Gericht eine Erhöhung der Strafe um sechs Monate aus.

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