Das Dorfleben in Amerang hat unter Corona gelitten, findet Bürgermeister Konrad Linner

An seinem Arbeitsplatz im Ameranger Rathaus: Bürgermeister Konrad Linner.
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An seinem Arbeitsplatz im Ameranger Rathaus: Bürgermeister Konrad Linner.
  • vonChrista Auer
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„Ich bin stolz darauf, die positive Entwicklung dieser schönen Gemeinde fortführen zu dürfen“, sagte Amerangs neuer Bürgermeister Konrad Linner bei seiner Vereidigung im Mai. Jetzt ist er 100 Tage im Amt und zog im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung ein erstes Fazit seiner bisherigen Amtszeit.

Amerang – „Gemeinsam Gemeinde gestalten“, so lautete der Leitspruch der neuen Ameranger Gemeindeliste, mit dem sie in den Kommunalwahlkampf zog – und mit ihrem Bürgermeisterkandidaten Konrad Linner am 15. März erfolgreich war: Seit 1. Mai ist der studierte Diplom-Sozialpädagoge und Praktische Betriebswirt Erster Bürgermeister der Gemeinde Amerang und jetzt 100 Tage im Amt. Im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung zog der 60-Jährige eine erste Bilanz aus seiner bisherigen Amtszeit.

Herr Linner, wie geht es Ihnen?

Konrad Linner: Uneingeschränkt gut, auch wenn die Arbeitsdichte in den ersten Wochen trotz und wegen „Corona“ sehr hoch war.

Themen weitgehend bekannt

Wie war für Sie der Schritt vom langjährigen Stellvertreter zum Rathauschef?

Linner: Das Wissen und die Erfahrung als Gemeinderat und Stellvertreter haben mir den Einstieg sehr erleichtert. Die Themen waren mir weitgehend bekannt und die Mitarbeiter in Verwaltung und Bauhof haben mir den Einstieg als neuer „Chef“ sehr leicht gemacht.

Was waren Ihre ersten Schritte in Sachen Kommunalpolitik, die Sie eingeleitet haben?

Linner: Ich habe versucht, in kurzer Zeit einen Überblick über die laufenden Projekte zu erhalten und was Wahl- und Corona bedingt Liegengebliebenes aufzuarbeiten war. Danach habe ich die Wichtigsten und Dringensten mit Nachdruck verfolgt. Dabei kam mir entgegen, dass es Corona bedingt wesentlich weniger Abendtermine gab. 

Als erstes neues Projekt galt es eine Waldkindergartengruppe zu organisieren. Zusammen mit der Kindergartenleitung und den Grundstückseigentümern ist es gelungen, das Konzept abzustimmen und die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Dank der großen Kooperationsbereitschaft von Wald- und Grundbesitzern wird es gelingen, den Kindern noch im Herbst dieses Jahres ein solch interessantes Angebot zu ermöglichen. 

Als wichtigen Schritt sehe ich auch die Klausurtagung des Gemeinderates an, in dem sich das neue Gremium mit der baulichen Entwicklung im gesamten Gemeindegebiet befasst hat und die grundsätzliche Linie für die kommenden Jahre vorgegeben hat. Hier war zu erkennen, dass das Gremium auch in dieser Wahlperiode konstruktiv und sachorientiert zusammenarbeiten wird.

Mit Bauland möglichst effektiv umgehen

Welchen Weg strebt die Gemeinde Amerang in puncto Wohnbebauung und Wohnraumschaffung an?

Linner: Mit der Einführung des Baugruppenmodells für das Einheimischenbauland in Evenhausen versuchte ich, neue Akzente in der Wohnraumpolitik zu setzen. Es geht in der Zukunft darum, mit dem knappen und auch teuren Gut Bauland möglichst effektiv umzugehen. Aus diesem Grund haben wir hier auch umgesteuert, um mit zusätzlichen Doppelhauslösungen dem Bedarf mehr gerecht werden zu können. In der Entwicklung des Baugebietes Kammerer Feldhaben wir mit der Beauftragung einer Objektplanung die Grundlage für ein breit gefächertes Angebot an verschiedenen Wohnformen gelegt. Dabei gilt es den Anspruch möglichst erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, mit dem Ziel einer ansprechenden Gestaltung eines neuen Ortsteils mit hoher Aufenthaltsqualität in Einklang zu bringen. Nun wollen wir über das Bauleitverfahren hinaus, diese Planung mit geeigneten Partnern auch umzusetzen.

Die Wirtschaft schwächelt wie zuletzt vor 50 Jahren. Gibt es in Sachen anstehender kommunaler Projekte eine finanzielle Kurskorrektur?

Linner: Derzeit sind die Rückmeldungen unserer Betriebe überwiegend beruhigend, jedoch können die Folgen für die öffentlichen Finanzen allgemein und mittelbar auch für die Finanzierung unserer vielfältigen Vorhaben noch wenig abzuschätzen. Sicher werden wir die Prioritätensetzung noch sorgfältiger vornehmen, um auch langfristig handlungsfähig zu bleiben.

Kindertagesstätte größtes Einzelprojekt

Wo sehen Sie – abseits der Corona-Krise – die größte Herausforderung für Ihre Gemeinde?

Linner: Grundsätzlich wird uns die älterwerdende Gesellschaft dauerhaft beschäftigen. Das ist sowohl im Wohnungsbau, als auch in den Versorgungsstrukturen in der Gemeinde ein zentrales Thema. Angemessene Wohnformen entwickeln, die Nahversorgung auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln sichern, sowie Treffpunkte und Betreuungsmöglichkeiten zu schaffen sind dabei wohl die wichtigsten Themen. Als größtes Einzelprojekt auch finanzieller Art wird in den nächsten Jahren der Neubau einer Kindertagesstätte in Amerang, was einen wichtigen Beitrag für eine familienfreundliche Gemeinde darstellt.

Gibt es ein Thema, das Sie persönlich besonders bewegt?

Linner: Den Zusammenhalt in der Gemeinde bewahren und die aktive Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger in Vereinen und Initiativen weiterentwickeln. „Social Distancing“ wird seine Spuren im Zusammenleben hinterlassen. Die zurückliegenden Monate haben anfangs große Hilfsbereitschaft hervorgebracht, im Laufe der Kontaktbeschränkung aber auch eine Tendenz zum Rückzug ins Private. Deshalb ist es mir wichtig, das Gemeindeleben wieder vielfältig aufleben zu lassen, damit insbesondere für Familien und die Seniorinnen und Senioren Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht wird.

Gemeinsame Informationsveranstaltung geplant

Wie ist die Ameranger Sicht zum Schulstandort Eiselfing?

Linner: Die Sachlage ist noch nicht abschließend zu bewerten. Es ist nicht unser Ziel den Mittelschulstandort Eiselfing aufzulösen. Derzeit sind jedoch noch nicht alle Fakten und Kosten der notwendigen Baumaßnahmen, die den weiteren Betrieb mittelfristig sicherstellen, auf dem Tisch. Zudem ist eine Lösung immer in Abstimmung mit dem Mittelschulverbund Wasserburg zu denken, da ja der mittlere Abschluss (M-Zug) heute schon dort realisiert wird. Dazu ist auch das künftige Ganztagesangebot für Grund- und Mittelschüler mitzudenken. Um alle Gemeinderäte der beteiligten Gemeinden auf den gleichen Stand zu bringen, ist dieses Jahr noch eine schon früher verabredete gemeinsame Informationsveranstaltung geplant. Dann können wir in enger Abstimmung mit den Gremien, alles sachlich bewerten und die weiteren Schritte einleiten.

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