STABILE POPULATION

Dohlen wohnen gerne am Haager Schlossturm

Die Vögel: Dohlen tummeln sich am Schlossturm in Haag.
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Die Vögel: Dohlen tummeln sich am Schlossturm in Haag.
  • Kirsten Meier
    vonKirsten Meier
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Um die Hagger Schlosstürme herum herrscht ein reges Treiben in der Luft. Dohlen lassen sich die ersten Frühlingsstrahlen aufs Gefieder scheinen. Hier sind etwa 80 bis 100 Brutpaare zu Hause.

Haag – Drei große Standorte gibt es für die Tiere insgesamt in Haag. Etwa 80 bis 100 Brutpaare sind hier zu Hause. Zwei Kolonien sind im großen und kleinen Schlossturm heimisch. Eine Kolonie mag es lieber bescheidener und lebt in einem alten Trafohäuschen.

Population der Dohlen realtiv stabil

„Die Population dieser Singvögel ist relativ stabil“, weiß Karl-Michael Günsche (66), Vogelexperte vom Landesbund für Vogelschutz Inn-Salzach (LBV). Er findet die Tiere beeindruckend, denn vor allem ihr toller Charakter zeichnet sie aus. „Dohlen sind treue Begleiter und haben ein vorbildliches Sozialverhalten. Wenn sie ein Jahr alt sind, suchen sie sich einen Partner, mit dem sie ihr ganzes Leben verbringen. Sie bleiben bis zum Tod zusammen“, erklärt Günsche.

Rechts im Fenster sitzt ein Turmfalke, links befindet sich gerade eine Dohle in der Landung.

„Stirbt ein Partner, kümmert sich das Nachbarbrutpaar um das ,verwitwete’ Tier. So etwas findet man bei anderen Vögeln nicht. Der Zusammenhalt ist enorm“, setzt er mit großer Bewunderung fort.

Auch Turmfalken am Schlossturm

Auch Turmfalken leben im Schlossturm. Aktuell gibt es in Haag acht Brutpaare von ihnen. Die Greifvögel nutzen oft Vorsprünge oder Nischen in Gebäuden als Nistplatz. Daher bietet sich der Schlossturm perfekt als Heimat an. So harmonisch das alles klingen mag, ist es aber nicht. Der Lebensraum für Vögel aller Art wird durch den Menschen gefährdet, warnt Günsche.

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Gab es früher unter den Dachvorsprüngen von Gebäuden noch Schwalbennester, haben die Menschen durch ihre moderne Bauweise den Tieren sämtliche Nistmöglichkeiten genommen. „Ganz wichtig wäre, Möglichkeiten für Gebäudebrüter anzubieten.

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Das kann man in Form von Brut-/Nistkästen, die unter Hausvordächern angebracht werden. Der LBV unterstützt so etwas ganz stark“, verrät der Haager Vogelexperte. „Nischen schaffen, wo Vögel brüten können. Das sollte schon beim Hausbau berücksichtigt werden“, setzt er fort.

Kotbrettchen gegen Vogelschiss

So manchen stört vielleicht das eine oder andere Vogelhäufchen, doch das muss kein Problem sein. Eine gute Lösung dafür: Einfach ein Kotbrettchen unterm Dach anbringen, damit nichts aufs Pflaster fällt.

Für Vögel aller Art Raum zu schaffen, sei unerlässlich, findet der Vogelschützer. Er gibt Anregungen, die kostengünstig umzusetzen sind. Zum Beispiel, dass man ein bisschen Lehm im Garten liegen lässt, damit Schwalben ihre Nester bauen können.

Appell an Immobilienbesitzer

Er appelliert an Immobilienbesitzer. „Wer ein Haus, einen Hof, eine Burg, einen Stall oder sonstiges sein eigen nennt und die Fenster nicht vergittert, gibt dem Bestand die Chance, sich stabil zu halten“, erläutert Günsche. Der der Dohlen sei gut, aber es gebe auch Vögel wie den Rotmilan, der noch vor wenigen Jahren auf der roten Liste stand.

Weitere Infos gibt es beim Landesbund für Vogelschutz.

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