Diese Tipps gibt die Leiterin der Grundschule Reitmehring dem Kultusminister

Bis zum Schluss engagiert und mit Herzblut dabei: Barbara Hilbert-Rieger, die am 1. August die Leitung der Grundschule Reimehring in neue Hände gibt.
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Bis zum Schluss engagiert und mit Herzblut dabei: Barbara Hilbert-Rieger, die am 1. August die Leitung der Grundschule Reitmehring in neue Hände gibt.
  • vonKarheinz Rieger
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Wasserburg – Ein Jahr kommissarisch eine Schule leiten, vor der Pensionierung – und dann auch noch Corona: Diesen Herausforderungen stellte sich Barbara Hilbert-Rieger an der Grundschule Reitmehring. Welche Tipps sie dem Kultusminister geben würde, verrät sie im Interview.

Was hat Sie bewogen, Lehrerin zu werden?

Barbara Hilbert-Rieger: Ich hatte schon ziemlich früh die Entscheidung gefasst – ich glaube in der 2. Klasse der Grundschule. Mit ein Grund dafür war sicher meine sehr engagierte Lehrerin in der ersten und zweiten Klasse. Ein anderer war, dass ich mich irgendwie zu diesem Beruf im wahrsten Sinne des Wortes berufen fühlte, was sich grundsätzlich in 43 Jahren nicht geändert hat.

Schule, Studium, Lehramt. Welche Stationen stellten die Weichen in Richtung Reitmehring?

Hilbert-Rieger: Während meiner eigenen Schulzeit und während des Studiums war ich mir sicher, nur in der Grundschule unterrichten zu wollen. Die Realität führte mich im Referendariat jedoch in die damals noch so genannte Hauptschule, und zwar in die siebte bis neunte Klasse, wo mir das Unterrichten sehr viel Spaß machte. Nach Reitmehring ließ ich mich schweren Herzens nur versetzen, weil es damals dort noch eine Teilhauptschule gab und ich eine fünfte Klasse übernehmen durfte.

Welche Schulen und welche Jahrgangsstufen gehören im Rückblick zu den prägendsten?

Hilbert-Rieger: Am meisten geprägt haben mich sicher die Jahre in der siebten bis neunten Klasse in Eiselfing. Hier lernte ich tolle Menschen kennen – Schüler und Schülerinnen, mit denen ich teilweise immer noch Kontakt pflege. Auch die Jahre in der fünften und sechsten Klasse waren schön und interessant und ich bedauere es immer noch, dass die Teilhauptschule abgeschafft wurde. Jetzt am Schluss meiner Dienstzeit war schon die Grundschule das Richtige für mich.

Als ausgebildete Volksschullehrerin lernt man die Grundschule und die Hauptschule gleichermaßen kennen. Was war letztlich für die Entscheidung, in der Grundschule zu bleiben, maßgeblich?

Hilbert-Rieger: Das hatte einen pragmatischen Grund. Ich wollte die Schule in Reitmehring nicht mehr verlassen, nachdem die Teilhauptschule aufgelöst wurde. Erstens war ich damals kurzzeitig Konrektorin, bis die Schule zu klein wurde, und zweitens gefielen mir die Atmosphäre, das Schulhaus, das Kollegium und die Nähe zu meinem Wohnort.

Gab es im Rückblick auf die mehr als vier Jahrzehnte im Schuldienst besondere Highlights in Zusammenarbeit mit Kindern, Eltern und Kollegien?

Hilbert-Rieger: Da gäbe es viele Highlights, aber das letzte Schuljahr war schon das beste, vor allem in Hinblick auf das äußerst engagierte Team, mit dem ich arbeiten durfte und die sehr netten Kinder und Eltern.

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Das Thema Corona bestimmte die letzten Monate. Welche Herausforderungen waren vor allem zu meistern?

Hilbert-Rieger: Für mich war die größte Herausforderung, die vielen Seiten kultusministerieller Schreiben schnell zu lesen und die darin enthaltenen Vorgaben effizient umzusetzen. Mein ursprünglich dünner Corona-Ordner wuchs exponentiell und umfasst nun fast 500 Seiten. Auch die Planung und Organisation des Lernens zu Hause und des Präsenzunterrichts in kleineren beziehungsweise in geteilten Klassengruppen waren nicht einfach, vor allem, da sich die Vorgaben dazu häufig in letzter Minute änderten.

Nun ist offiziell Schluss mit dem gewohnten Schulalltag. Was vermisst, hofft, befürchtet eine scheidende Schulleiterin am meisten.

Hilbert-Rieger: Noch habe ich nicht wirklich Zeit, mir große Gedanken zu machen. Vermissen werde ich irgendwann wohl den täglichen Kontakt zu den Kindern und zum Kollegium. Ich hoffe, dass Schüler und Lehrer irgendwann zur „Vor-Corona-Normalität“ zurückkehren können, befürchte aber weitere Einschränkungen. Nicht vermissen werde ich als Nachteule das tägliche frühe Aufstehen.

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Welche Tipps gibt man denn einer Nachfolgerin im Amt so mit?

Hilbert-Rieger: Das sage ich ihr lieber selbst, wir sind seit längerem im ständigen Austausch und ich denke, das wird auch noch einige Zeit so bleiben.

Wenn der Kultusminister fragen würde, welche Tipps würde er zu hören bekommen, was müsste im Schulsystem einerseits geändert und andererseits unbedingt gefördert werden?

Hilbert-Rieger: Alles aufzuzählen könnte leicht den Interviewrahmen sprengen. Hauptsächlich finde ich, dass sich Schüler und Eltern viel zu früh entscheiden müssen, in welche Schule sie gehen wollen. Wir haben häufig viel zu große Klassen und viel zu wenig Lehrpersonal. Der Lehrerberuf müsste wieder interessanter und erstrebenswerter gemacht werden. Mich stören auch die Ungleichbehandlung und die unterschiedliche Besoldung der Lehrerinnen und Lehrer der verschiedenen Schularten. Wieso verdienen die Lehrkräfte der effizientesten Schule – der Grundschule – am wenigsten und haben dabei die höchste Unterrichtsverpflichtung?

Welche Pläne gibt es schon, den bisherigen geregelten Arbeitsalltag durch andere Tätigkeiten zu ersetzen?

Hilbert-Rieger: Mein erstes Projekt ist, mein schmerzendes Knie in Ordnung zu bringen. Auch habe ich fest vor, mehr Sport zu machen, meinen etwas vernachlässigten Garten auf Vordermann zu bringen und wieder als freie Mitarbeiterin der Wasserburger Zeitung tätig zu werden. Außerdem hoffe ich, bald mal wieder meine Löwen live im Stadion anfeuern zu dürfen – auch unter der Woche.

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