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HEIMATFORSCHUNG

Die Zunftfahne der Bäcker in der Wasserburger Jakobskirche: Da lacht sogar der Bär

So sieht doch kein Hund aus – da lacht sogar der verkannte Bär, der auf der Zunftfahne abgebildet ist und die Kartusche. Die Standarte von 1795 hängt in der Jakobskirche.
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So sieht doch kein Hund aus – da lacht sogar der verkannte Bär, der auf der Zunftfahne abgebildet ist und die Kartusche. Die Standarte von 1795 hängt in der Jakobskirche.

Die Beschäftigung mit dem „sagenhaften Bäckerknecht Egolf“, der angeblich nach der Schlacht von Ampfing 1322 zum Ritter geschlagen wurde und zum Patron der Wasserburger Bäcker aufstieg, führt zu einigen neuen Erkenntnissen über lokale Handwerker.

Wasserburg – Als lokale „Größe“ finden sich 4 Darstellungen der Sagengestalt in Wasserburg: An der Ostwand von Haus Nummmer 2 der Ledererzeile (Klaus Honauer 1972), auf der Zunfttruhe der Bäcker von 1638, auf einem Bahrtuchschild der Bäckerzunft von 1787 (Städtisches Museum) und auf deren Zunftfahne von 1795 (Pfarrkirche).

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Abgesehen davon, dass es ungewöhnlich ist, dass eine Zunft einen Laien zu ihrem Patron gewählt hat, haben die Wasserburger Bäcker daneben den Diözesanbischof Korbinian, der auf der Truhe als „Cusbianus“ bezeichnet ist, auch eine Nonne auf ihre Standarte malen lassen. Ihre Identität wird fälschlicherweise als Theresia angegeben. Habit, Äbtissinnenstab und das Augenvotiv, das sie der Muttergottes darreicht, weisen sie eindeutig als Benediktinerin – und als die Heilige Ottilie aus. Erstmals lassen sich auch die Stifter der Fahnenbilder ermitteln, die mit den Initialen A.W. und I.K. auf Kartuschen und den zunfttypischen Backwerken verewigt sind.

Unter den Bäckern des späten 18. Jahrhunderts finden sich nur ein (Johann) Andreas Winhart (1745 – 1798), bürgerlicher Bäcker auf Haus Nummer 47 (heute Herrengasse 5) und ein (Joseph) Jacob Kramer (1750 bis 1807), bürgerlicher Bäcker auf Haus Nummer 199 (heute Ledererzeile 15), in den amtlichen Listen.

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Jacob Kramer fand ein trauriges Ende: Nachdem seine Frau Maria Kaspar Ende Februar 1807 verstorben war, verlobte er sich schon am 5. Mai mit Anna Fehler, Tochter eines Fischers aus Harras, im Graf Preysingschen Hofmarksgericht Prien. Das Familienbuch der Pfarrei vermerkt Kurioses: „Joseph Kramer entfernte sich den 15ten Mai 1807 in sehr großer Verwirrung von hier, erschien den 19ten zur Copulation nicht, ward den 22ten jenseits des Inns erhängt angetroffen und den 23ten im hiesigen Gottesacker begraben.“

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Damit ist die Identität der Stifter der traditionsreichen Bäckerstandarte gelüftet, sodass eigentlich nur noch nach der Person des Künstlers gesucht werden muss. Hier hilft zumindest der Putto ein Stückchen weiter, der die Rokoko-Kartusche hält – ihn findet man nämlich auch auf Votivtafeln von Altenhohenau (1794) und Schönberg (1800).

Von den ortsansässigen Malern kommen nur Johann Nikolaus Bernhard (Bürgeraufnahme 1793 – 1836) und Johann Georg Schrott (Bürgeraufnahme 1796/98 bis 1835) in Frage. Wer von beiden es letztlichendlich war, konnte noch nicht geklärt werden. Aber dass Pfarrer Ludwig Bauer den legendären Ritter in einem Artikel sogar zum „Heiligen Egolf“ befördert und Chronist Josef Kirmayer das Begleittier des Heiligen Korbinian, das die Kartusche hält, als Hund bezeichnet hat, darüber lacht sogar der verkannte Bär in der Standarte.

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